Der Opec dürfte es gelingen, den Preis mittelfristig in den angepeilten Zielkorridor zu heben
Analysten sehen Hoffnung für Öl-Aktien

Die Aktien der Ölmultis haben nach Ansicht von Analysten eine positive Zukunft. Trotz der Abschwächung der Weltkonjunktur und den derzeit niedrigen Ölpreisen werde sich der Sektor wieder schnell erholen, sagen sie. Schlechtere Noten bekommt dagegen, wer seine Kapazitäten derzeit zu stark herunterfährt.

LONDON. Eigentlich müsste ein Urteil über Ölaktien derzeit eindeutig ausfallen. Seit Wochen liegt der Preis für ein Barrel Rohöl der Marke Brent mit 21 $ unter dem selbst angepeilten Korridor zwischen 22 $ und 28 $. Der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) beschert die Furcht einer weltweiten Rezession eine rückläufige Nachfrage. Und das Kartell schafft es durch die Angst vor weiteren Einbußen nicht, das Angebot nachhaltig zu verknappen. Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind auch nicht besser. Längst hat sich das R-Wort von einer Rezession durchgesetzt.

Vor diesem Hintergrund müsste also das Urteil über Ölaktien eindeutig ausfallen, und zwar eher negativ. Doch die Analysten schätzen den Sektor anders ein. So glaubt die französische BNP Paribas etwa, dass sich der niedrige Ölpreis nicht negativ auswirken wird. Nach ihrer Ansicht ist sogar ein Rohölpreis um die 18 $ im Sektor eingepreist. BNP geht zudem davon aus, dass sich die Opec auf ihrem nächsten Treffen am 14. November dazu durchringt, die tägliche Produktion zwischen 750 000 Barrel und einer Million herunterzufahren. Unterstützung erhält diese These auch von der US-Investment-Bank Merrill Lynch. Sie glaubt, dass die Opec mittelfristig den Ölpreis wieder in den Zielkorridor zurückbringen kann.

Die Quartalszahlen einiger Unternehmen bringen in diesen Tagen einen ersten Aufschluss über die weitere Entwicklung. Der norwegische Konzern Statoil übertraf mit seinem am Montag veröffentlichten Ergebnis die Erwartungen des Marktes. Trotz des unsicheren Umfelds war der Vorsteuergewinn im dritten Quartal auf 4,1 Mrd. nkr (rd. 1 Mrd. DM) gestiegen, nach 3,95 Mrd. nkr im Vorjahr.

Shell mit neuen Zahlen

Die US-Investment-Bank Morgan Stanley hatte schon vor den Zahlen an ihrem "Outperform"-Urteil für Statoil festgehalten. Zwar werde der norwegische Energie-Gigant derzeit mit einem Aufschlag von mehr als 18 % gegenüber seinem Konkurrenten Norsk Hydro gehandelt. Das sei aber gerechtfertigt, schreibt Morgan Stanley. Statoil garantiere weiteren Fortschritt und werde für Neuigkeiten sorgen, glauben die Analysten. Das Kursziel für die Norweger sieht das Institut bei 74 nkr. Statoil selbst hatte gesagt, man sei trotz der erwarteten Abschwächung der Konjunktur mit den geplanten Einsparungen und Restrukturierungen auf einem guten Weg, die langfristigen Ziele zu erreichen.

Morgen wird der britische Konzern Royal Dutch/Shell Neuigkeiten über das dritte Quartal veröffentlichen. Zwar erwartet Morgan Stanley, dass höhere Kosten, eine geringere Produktion und steigende Ausgaben das Ziel einer durchschnittlichen Verzinsung des Eigenkapitals von 15 % kurzfristig erschweren (die Analysten gehen nur noch von 12,2 % aus). Allerdings sehen die Analysten eine bessere Zukunft angesichts der eher depressiven Stimmung. So genannte "Super-Majors" wie Shell dürften die Industrie in absehbarer Zukunft dominieren, was sich auch in einer positiven Aktien-Entwicklung niederschlagen dürfte, heißt es. BNP erwartet einen Nettogewinn für den Shell-Konzern von 2,8 Mrd. $ im abgelaufenen Quartal, ein Minus von rund 14 % im Vorjahresvergleich. Die Franzosen geben aber nur ein neutrales Urteil ab. Das Preisziel liegt bei 65 für Royal Dutch (derzeit rd. 58 ) und 580 p für Shell (derzeit 518 p).

Der zweite Öl-Gigant BP kommt bei BNP Paribas besser weg. Die Franzosen beurteilen BP als Outperformer, auch wenn sie für das abgelaufene Quartal einen noch größeren Einbruch als bei Shell erwarten: 2,97 Mrd. $ Nettogewinn bedeuten ein Minus von 22 % im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres. Allerdings liege das primär an der größeren Abhängigkeit von BP vom US-Markt. Den Ausschlag für das trotzdem positive Urteil der Analysten gibt das anvisierte Wachstum der Öl- und Gasproduktion in 2002. Das avisierte Plus von 5,5 bis 7 % liege deutlich höher als bei Royal Dutch. Die gingen kürzlich erst auf plus 3 % zurück.

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