Der Pixelpark-Gründer ist im Unternehmen für die Visionen verantwortlich
Paulus Neef: Der Abstieg des smarten Kommunikators

Vor einigen Monaten war der Pixelpark-Gründer Paulus Neef eine Kultfigur im Neuen Markt. Heute muss er sich verfehlte Prognosen vorhalten lassen.

HB BERLIN. Was ihn am meisten getroffen habe, sagt Paulus Neef, seien die schlechten Geschäftszahlen. Alle anderen Tiefschläge, die in den vergangenen Monaten sein Unternehmen ereilt hätten, seien nicht so schlimm gewesen, am wenigsten die Talfahrt an der Börse. "Das legt sich wieder,", sagt der 41-jährige Gründer der Berliner Internetagentur Pixelpark und lacht sein charmantes Lachen. Mittelfristig, davon ist er noch immer überzeugt, werden die Aktionäre schon begreifen, dass Pixelpark ein Unternehmen mit Erfolg ist.

Heute muss Paulus Neef so etwas betonen. Vor ein paar Monaten hingen viele junge Menschen begeistert an seinen Lippen, weil er das symbolisierte, wovon so viele andere träumten: Er lebte in ihren Augen die Geschichte von dem jungen Mann, der in einem Berliner Hinterhof zusammen mit zwei Freunden ein Internetunternehmen gründete und dabei reich und mächtig wurde. Innerhalb von neun Jahren wurden aus 150 000 Mark Startkapital mehrere Milliarden Firmenwert, und die Mitarbeiterzahl wuchs auf über 1 000 heran.

Die schöne Geschichte ist Geschichte

Doch diese schöne Geschichte ist auch schon Geschichte. Darum sitzt Neef heute neben seinen beiden Vorstandskollegen, dem neuen Peter Ostermann, und dem alten Jan Kantowsky, der demnächst wieder zur Bertelsmann AG wechselt, und schaut ernst und besorgt in den Saal, in dem er und seine Kollegen der Presse die jüngsten Zahlen präsentieren. Wieder liegen die Zahlen unter den Erwartungen, wieder muss Neef die Börse enttäuschen.

Er wolle deutlich machen, "dass es, was Pixelparks Zukunftschancen angeht, keine Resignation geben wird". Das klingt zwar nicht pessimistisch, aber nur vorsichtig optimistisch. Er sei ein Mensch mit Durchhaltevermögen, sagt er später im Gespräch. Und er sei noch immer "der Taktgeber für unsere Company und die Industrie insgesamt". Diese selbstbewussten Worte, die Neef schon vor einem halben Jahr im Interview äußerte, gelten also auch heute. Von sich und seinem Unternehmen ist der Sohn einer Spanierin und eines Deutschen, der an der TU Berlin zum Medienberater ausgebildet wurde, noch immer überzeugt.

Neef, der letztes Jahr erst zum "Agenturmann des Jahres" gekürt wurde, kommt ausgerechnet aus Gütersloh: Aus der Stadt der Bertelsmann AG, die heute mit rund 58 Prozent an Pixelpark beteiligt ist und damit als Gesellschafter das Sagen hat. Neef hält nach wie vor 19 Prozent an Pixelpark.

Selbstbewusst tritt Neef auch gegenüber dem Bertelsmann-Konzern auf, der über den neuen Finanzvorstand Annette Koch wieder eine Mitarbeiterin aus den eigenen Reihen nach Berlin schickt, die über die Zahlen wachen und nach Gütersloh berichten soll. "Nicht alles Gute kommt von oben", sagte er neulich über Bertelsmann, die sich dem eigenen Bekunden nach von Pixelpark trennen wollen.

Neef ist nach wie vor die zentrale Figur bei Pixelpark

Ist Neef wirklich so stark, dass er ohne Bertelsmann auskommen kann? Zweifelsohne verkörpert er das Unternehmen Pixelpark. Für seine Mitarbeiter ist er nach wie vor "die zentrale Figur", wie ein Angestellter sagt. "Ein gesichtsloses Unternehmen ist nichts wert, speziell am Neuen Markt", hat er einmal gesagt. Der Unternehmer, dem selbst die US-Zeitung "Times" zwei Seiten widmete, ist noch immer das Gesicht von Pixelpark. Nur lächelt dieses Gesicht nicht mehr so häufig.

Außerdem ist es nicht mehr Neef allein, der die Geschäfte von Pixelpark führt. Früher hat er einmal gesagt, er gebe seinen Mitarbeitern die Impulse. Heute will er jedoch mehr für die Strategie verantwortlich sein, die "operativen Impulse" aber seinem neuen Kollegen Ostermann überlassen. Fast möchte man meinen, Paulus Neef sei im operativen Geschäft leicht verunsichert. Überlässt er es doch in der Pressekonferenz seinem seit einem Monat amtierenden Kollegen, die aktuellen Fragen zu beantworten.

Aber vielleicht ist es auch klug, dass er dem erfahreneren Kollegen das Tagesgeschäft überlässt und sich selbst mehr dem widmet, was er nach eigenen Worten sehr gut kann: Andere zu inspirieren und "meinem guten Gefühl für Trends zu folgen".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%