Der Plan steht
RWE-Chef Roels strafft den Konzern

Nach monatelangen Verhandlungen billigt der Aufsichtsrat die neue Führungsstruktur des Energie-Unternehmens.

DÜSSELDORF. Der Plan zum Umbau des RWE-Konzerns steht: Nach zähem Ringen im Vorfeld hat der Aufsichtsrat gestern einstimmig das neue Führungskonzept gebilligt. Wichtige Details sind allerdings noch offen, insbesondere bei der Integration der Gas-Sparte. Vorstandschef Harry Roels, seit Februar im Amt, hat damit seine erste Bewährungsprobe bestanden. "Das Leitmotiv ist, Strom und Gas integriert anzubieten - und zwar regional", sagte Roels gestern in Essen. Mit der neuen Struktur gehe RWE auf die Wünsche der Kunden ein. Die Börse reagierte mit einem leichten Abschlag auf die Pläne.

Der Konzern wird zum 1. Oktober schlanker und straffer: Die Zahl der Führungsgesellschaften sinkt von derzeit 13 auf 7, rund 1 000 Direktoren und Hauptabteilungsleiter verlieren dadurch ihren Job. Alle Töchter firmieren künftig weltweit unter der Marke RWE. Die Holding konzentriert sich auf übergreifende Aufgaben wie Strategie, Planung, Controlling und Finanzierung. Pro Jahr will RWE bis 2006 durch die neue Organisation 300 Mill. Euro einsparen. Im ersten Jahr fallen nach Roels Worten aber 250 Mill. Euro an Kosten an.

In der neuen Sparte Erzeugung wird die Braunkohletochter Rheinbraun mit der Kraftwerksgesellschaft RWE Power verschmolzen und mit der auf erneuerbare Energien spezialisierten Harpen AG sowie der Öl- und Gas-Produktionstochter RWE Dea zusammengefasst. Unter dem Dach der neuen RWE Energy werden der Vertrieb von Strom, Gas und das Geschäft mit Großkunden sowie das Management der Netze gebündelt. Insgesamt zwölf Regionalgesellschaften in Kontinentaleuropa, davon sechs in Deutschland, sollen für mehr Kundennähe sorgen. Eigenständig bleiben der britische Versorger Innogy, die Führungsgesellschaft für das Wassergeschäft, Thames Water, die Handelssparte RWE Trading, der Entsorger RWE Umwelt und der interne Dienstleister RWE Systems.

Bis zuletzt hatten die Interessengruppen um ihre Besitzstände gekämpft. Die Kommunen hatten die Beibehaltung von Standorten, Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen im Auge. Aber auch die Bergbau-Gewerkschaft IG BCE und Verdi leisteten Widerstand. Die IG BCE wollte für die Energie-Erzeugungsgesellschaft den Rheinbraun- Standort Köln und damit ihren Einfluss erhalten, Verdi den Firmensitz von RWE Power in Essen. Heraus kamen Kompromisse: Köln und Essen teilen sich den RWE-Power-Sitz. RWE Energy wird zwar in Dortmund angesiedelt, Essen Sitz einer Regionalgesellschaft.

Noch verhandelt wird, wie RWE Gas in die neue Vertriebsgesellschaft integriert werden kann. Im Prinzip hat der Aufsichtsrat die Eingliederung gebilligt. Die Zustimmung der 46 Städte und Kreise, denen 20 % von RWE Gas gehören, steht aber aus. Es sei fraglich, ob dies bis Oktober machbar ist, hieß es in Unternehmenskreisen. Ebenfalls offen ist eine Entschädigung der Kommunen für ihren 20-prozentigen Anteil. Geplant sei, die Kommunen an einer Regionalgesellschaft zu beteiligen und ihnen die Fortzahlung der Dividende zu garantieren.

Der frühere RWE-Chef Dietmar Kuhnt war im Herbst 2002 mit Plänen für den Konzernumbau vorgeprescht. Es folgten Machtkämpfe im Aufsichtsrat. Kuhnt wurde letztlich ausgebremst, die neue Struktur sollte sein Nachfolger Roels ausarbeiten.

Die neue Führungsstruktur soll RWE helfen, die milliardenschweren Zukäufe der vergangenen Jahre zu integrieren. Unter Kuhnt hatte sich der Konzern als Mehrfach-Anbieter positioniert, der seinen Kunden die Rundumversorgung mit Strom, Gas, Wasser und Entsorgung bieten will. Die Zukäufe trieben den Schuldenberg zuletzt auf 25 Mrd. Euro.

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