Der Platz muss sich für die Zeit ohne Bankgeheimnis vorbereiten.
Luxemburgs neuer Bankensprecher bringt große internationale Erfahrung mit

Für die schwierige Zeit des Umbruchs, der Globalisierung und Europäisierung der Kreditwirtschaft haben sich die Luxemburger Banken einen Sprecher mit großer internationaler Erfahrung gewählt. François Moes hatte viele Jahre bei der weltweit tätigen Chase Manhattan gearbeitet, bevor er in Luxemburg bei der Banque Internationale à Luxembourg (BIL) Karriere machte.

DÜSSELDORF. Wenn er heute als Präsident der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL spricht, fließen die Kenntnisse solch wichtiger Bankenplätze wie New York, Paris und London ein. Als Stellvertretender Generaldirektor der BIL gehört Moes einem Kreditinstitut an, das vom Aktionärskreis her kaum noch als eine "Luxemburger Bank" bezeichnet werden kann. Mit der Dexia Credit Local de France und der Gemeindekredit von Belgien ist die BIL heute unter dem Dach des Dexia-Konzerns Teil einer führenden europäischen Bankengruppe, die bestimmte Geschäftsfelder vom Luxemburger Platz her steuert.

Deshalb kann der neue ABBL-Chef, auch wenn die Rede auf den Konsolidierungs- und Restrukturierungstrend in der Kreditwirtschaft kommt, auf die eigene Erfahrung zurückgreifen. Dieser Konsolidierungstrend sei, was den Luxemburger Platz betrifft, noch lange nicht zu Ende. Doch Moes ist überzeugt, dass die sprichwörtliche Anpassungsfähigkeit der Luxemburger wie in der Vergangenheit helfen wird, auch die kommenden Veränderungen zu meistern.

Wenn es um das "heiße Eisen" Bankgeheimnis geht, das durch die Beschlüsse vom EU-Gipfel in Feira zumindest langfristig auch für den Luxemburger Platz in Frage gestellt wurde, gibt sich der neue Bankensprecher pragmatisch. Luxemburg werde das Bankgeheimnis verteidigen. Doch zeige das jüngste Arrangement der Luxemburger Banken mit der US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) über die Qualifizierung als internationale Zahlungsstelle, dass es Grenzen gebe. Ohne den Status eines "Qualified Intermediary" (Q-I) hätten Luxemburgs Banken prohibitive Quellensteuern im Eigengeschäft wie im Kundengeschäft am US-Markt zahlen müssen. Auch die führenden Banken der Schweiz und anderer EU-Länder hätten sich mit dem IRS arrangiert. Luxemburg habe keine Alternative gehabt.

Luxemburg müsse deshalb auch Strategien entwickeln, wie der Finanzplatz eines Tages ohne Bankgeheimnis auskommen könne. Bestimmte Finanzprodukte, die in der Vergangenheit das Angebot des Finanzplatzes bereicherten, hätten im Grunde nichts mit dem Bankgeheimnis zu tun, etwa das Fondsgeschäft, die Pensionsfonds und das Pfandbriefgeschäft.

Die Kernbotschaft des neuen Luxemburger Bankensprechers: Der Luxemburger Finanzplatz darf sich nicht nur auf ein Bein stützen - das sei unklug und gefährlich.

Wenn auch der Finanzplatz Luxemburg künftig nicht mehr so stark wie früher expandiere, würde das Angebot der Finanzdienstleister künftig wesentlich vielschichtiger werden. Dafür würden nicht zuletzt die hinter den in Luxemburg tätigen Bankkonzerne sorgen. Wenn bestimmte Geschäftssparten europaweit tätiger Finanzkonzerne bestimmte Geschäftszweige von Luxemburg aus steuern, wie dies beispielsweise die Schweizer Banken praktizieren, könne dies dem Platz neue Impulse geben. Als mögliche neue geschäftliche Schwerpunkte führt Moes das Engagement im E-Commerce, die institutionelle Vermögensverwaltung und weiteres Wachstum der Investmentfondsindustrie, vor allem der Pensionsfonds, an. Dabei könne die Neuausrichtung darin bestehen, dass Luxemburger Banken und Investmentfonds stärker das Fondsmanagement betreiben, statt sich wie bisher auf die Fondsverwaltung zu beschränken.

Auch die in der ABBL zusammengeschlossenen Banken müssten realisieren, dass "Luxemburg nicht mehr nur internationaler Bankenplatz ist, sondern auch ein Standort für Fondsverwaltung, Versicherungen, Vermögensverwaltungsgesellschaften, Broker, Hypothekenbank- oder Pfandbriefgeschäfte".

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