Der Prager Börsenindex PX 50 legte dieses Jahr um 35 % zu
Höhenflüge an den Börsen Mitteleuropas

Investoren mit langem Atem, die sich in diesem Jahr an den Börsen in Prag, Warschau und Budapest engagiert haben, können mehr als zufrieden sein. Die wichtigsten Indizes dieser Märkte legten seit Jahresbeginn kräftig zu, wobei der Prager PX-50 mit einem Zuwachs von 35 % den Vogel abschoss.

BUDAPEST. Während die Rally in Tschechien erst vor wenigen Tagen nachließ, erreichte sie in Polen und Ungarn ihre Höhepunkte schon im dritten Quartal des Jahres. "In Zentraleuropa bestimmen jetzt vor allem Gewinnmitnahmen das Bild, der Zufluss frischen Geldes lässt nach", meint der Analyst Pavel Hadrousek vom Prager Brokerhaus FIO.

Die Gründe für die insgesamt beachtliche Performance der mitteleuropäischen Aktienmärkte sind vielfältig. So dürfte in Tschechien vor allem die von der Nationalbank sorgsam gehütete Stabilität der Krone das Vertrauen der Investoren gestärkt haben. In Polen wiederum sorgte besonders das überdurchschnittliche Wachstum der Volkswirtschaft für eine Belebung des Aktiengeschäfts. Und in Ungarn waren es die guten Quartalsergebnisse großer börsennotierter Gesellschaften wie Mol, die den Kursen Auftrieb gaben.

Analysten wie Milan Prochazka vom Prager Investmenthaus Patria Finance wiesen außerdem darauf hin, dass im Laufe des Jahres westliche Fonds verstärkt als Anleger auf den zentraleuropäischen Märkten erschienen sind. Im jüngsten Wertpapierbericht der Ungarischen Nationalbank wird betont, dass Ausländer inzwischen fast 73 % der insgesamt in Budapest gehandelten Aktien halten.

Allerdings gibt es auch einen gravierenden Mangel dieser drei Märkte, der besonders an der Prager Börse zu spüren ist. Denn dort hat es mit Ausnahme der Ersten Bank seit 1993 keine einzige nennenswerte neue Aktienemission gegeben.

Weiter müssen die dortigen Anleger darauf warten, dass die Regierung ihr Versprechen einlöst, staatliche Beteiligungen insbesondere am Stromversorger CEZ und der Telefongesellschaft Cesky Telekom zu verkaufen. Aber auch an den Börsen in Warschau und Budapest gab es in diesem Jahr nur wenige interessante Neuzugänge wie etwa den Börsenstart des ungarischen Investmenthauses Forras im August.

Das künftige Vertrauen westlicher wie einheimischer Anleger in die mitteleuropäischen Aktienmärkte wird wesentlich davon abhängen, wie Tschechien, Polen und Ungarn den Konvergenzprozess zur Übernahme der europäischen Gemeinschaftswährung Euro meistern.

So hat die tschechische Regierung von Premier Vladimir Spidla unlängst eine entsprechende Strategie beschlossen, die insbesondere eine grundlegende Reform der öffentlichen Finanzen vorsieht, was auch die Senkung des Defizits im Staatshaushalt beinhaltet.

Geplant sind außerdem ein verstärkter Kampf gegen die Schattenwirtschaft, die Reform des Rentensystems und des Gesundheitswesens sowie die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung. Auch Polen und Ungarn brauchen dringend eine Sanierung ihrer Staatsbudgets, wollen sie nicht einen Kollaps der öffentlichen Finanzen riskieren, der wiederum das Wirtschaftswachstum gefährden könnte.

Für die nächsten Monate erwarten die meisten Analysten von den mitteleuropäischen Märkten keine drastischen Sprünge nach vorne, sehen aber doch noch Aufwertungspotenzial wie etwa Attila Vago von der Concorde Securities in Budapest. Sein Kollege Szabolcs Szakszai von der Takarekbank begründet diese Erwartung insbesondere mit der anstehenden Emission weiterer Aktien des Gas- und Ölkonzerns Mol.

Alle nachweisbaren Erfolge können jedoch nicht verhindern, dass regelmäßig die Diskussion aufflammt, ob denn eine kleine Börse wie die in Prag auf Dauer überlebensfähig sei.

Ganze sieben Spitzenwerte bestimmen hier 90 % des Börsengeschäfts. Kaum anders ist es in Budapest. Zumindest die Börse in Warschau braucht solche Diskussionen nicht zu fürchten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%