Der Programmhandel und die „Short-Seller“ lassen die Kurse stärker schwanken
Hedge-Funds schlagen wieder zu

Die Ausschläge an den Börsen werden immer größer. Sogar Schwergewichte verlieren oder gewinnen innerhalb weniger Stunden mehr als zehn Prozent. Hedge-Funds und der Programmhandel bestimmen das kurzfristige Geschehen. Langfristig werden die Kurse dadurch aber nicht beeinflusst, sind sich die Strategen sicher.

NEW YORK. Weniger als zehn Sekunden dauerte es gestern, als nach einem überraschend schwachen Verbrauchervertrauen in den USA die Börsen vorübergehend auf Talfahrt gingen und mehrere Prozentpunkte einbüßten. Auslöser waren kurzfristig orientierte Investoren. Sie nutzten das neuerliche Konjunktur-Störfeuer dazu, Gewinne nach dem guten Vortag mitzunehmen.

Ausschläge wie gestern und in den vergangenen Tagen haben die US-Börsen selten erlebt. Am Montag schnellte der Dow-Jones-Index um 447 Punkte nach oben, der viertgrößte Sprung der Geschichte. Am Mittwoch zuvor hatte der Dow nach tagelangen Verlusten den größten Kursgewinn seit 1987 erzielt, und das bei ungewöhnlich hohen Schwankungen. Hedge-Funds und Programmhandel - vom Computer ausgelöste Käufe oder Verkäufe - sind die wichtigsten Einflussfaktoren auf die dramatisch gestiegene Schwankungsbreite der Aktienmärkte, glauben Händler.

Was eine Aktie wirklich wert ist, zählt kaum noch. Vielmehr lösen Kursbewegungen Kettenreaktionen aus. Allein die Hedge-Funds dürften in den jüngsten Tagen 50 % der Handelsaktivitäten ausgemacht haben, schätzt Chefhändler Art Hogan vom Brokerhaus Jefferies & Co. "Hedge-Funds sind derzeit die aktivsten Marktteilnehmer", sagt Aktienhändler Bruce Turner vom Investmenthaus CIBC World Markets, "sie stecken gewöhnlich dahinter, wenn sich der Markt bewegt."

Hedge-Funds können anders als herkömmliche Aktienfonds das anvertraute Geld frei investieren, ohne an bestimmte Anlageformen gebunden zu sein. Besonders populär sind derzeit Leerverkäufe. Damit haben viele Hedge-Funds hohe Renditen erzielt. Bei Leerverkäufen geben Verkäufer geliehene Aktien zu einem bestimmten Kurs ab und decken sich erst später mit den Werten ein. Dabei hoffen sie auf weitere Kursverluste, weil sie dann das Papier billiger erstehen können, als sie es verkauft haben. Dreht sich allerdings an den Märkten die Richtung, müssen sich Leerverkäufer schleunigst mit den bereits verkauften Aktien eindecken, um ihre Verluste in Grenzen zu halten. Dies führt zu beschleunigten Kursgewinnen wie am Montag.

Hedge-Funds im Plus

Fondsmanager David Tice etwa hat mit seinem Prudent Bear Fonds, der auf fallende Kurse spekuliert, in diesem Jahr eine Rendite von knapp 66 % erzielt - während der S&P-500-Index 25 % eingebüßt hat. Tice hat auf den Kursverfall einstiger Wall-Street-Lieblinge wie Enron, Tyco oder Amazon spekuliert. Wenn die Märkte plötzlich nach oben drehen, deckt Tice sich ein und kauft mit dem Geld Aktien für die längerfristige Anlage. Insgesamt haben Hedge-Funds in diesem Jahr 1,5 % zugelegt. Im Vergleich zum Kursverfall der US-Aktien ist das ein vorzeigbares Ergebnis.

Neben dem steigenden Einfluss der Hedge-Funds sorgt auch die Zunahme des Programmhandels für immer heftigere Ausschläge an den Börsen. Programmhandel wird durch Computer-Programme ausgelöst. Diese kaufen riesige Aktienpakete automatisch, sobald die Kursgewinne und Dividenden eines Aktienpaketes die Zinskosten der Anlage rechtfertigen. Ebenso stoßen sie ohne Zutun der Händler Papiere ab, wenn die Kursverluste ein bestimmtes Maß überschreiten bzw. die Kurse charttechnische Barrieren unterschreiten. "Am Montag stammten 114 der im Dow gewonnenen 447 Punkte vom Programmhandel", schätzt Hank Camp, dessen Firma HL Camp & Co. den Programmhandel beobachtet und daraus Schlüsse für die Kursbewegungen des nächsten Tages zieht. Die niedrigen Zinsen sorgten dafür, dass der Programmhandel derzeit rascher ausgelöst werde, sagt Camp.

Die New York Stock Exchange definiert Programm-Handel als Transaktionen im Wert von mindestens 1 Mill. Dollar, bei denen mindestens 15 Werte gleichzeitig gekauft oder verkauft werden. In der vergangenen Woche wurden 33,4 % der gehandelten Aktien im Programmhandel ge- oder verkauft. Aktivste Programmhändler waren Morgan Stanley, Deutsche Banc Alex Brown und RBC Dominion.

Auch wenn die Ausschläge wilder geworden sind, grundsätzlich könnten Kauf- und Verkaufsaktionen des Programmhandels und der Hedge-Funds nicht dauerhaft die gesamte Richtung beeinflussen, glaubt Chefhändler Hogan: "Kein Hedge-Funds kann die Märkte umdrehen."

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