Der Prozess geht weiter
Haffa ist immer noch mit EM.TV verbunden

Der angeklagte EM.TV-Gründer Thomas Haffa ist nach eigenen Angaben mehr als ein Jahr nach seinem Rücktritt als Vorstandschef noch eng mit dem Medienunternehmen verbunden. "Ich bin wesentlicher Teilhaber, deshalb interessieren mich die Geschicke des Unternehmens", sagte Haffa am Dienstag, dem zweiten Prozesstag vor dem Münchner Landgericht.

HB/dpa MÜNCHEN. Haffa ist nach dem neuen Vorstandschef Werner Klatten mit 17,5 % der zweitgrößte Aktionär bei EM.TV. Das neue Management habe noch immer Interesse an seiner langjährigen Erfahrung bei EM.TV. "Die Herren, die heute aktiv sind, haben regelmäßig Kontakt zu mir."

Thomas Haffa muss sich seit Montag gemeinsam mit seinem Bruder Florian vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den einstigen Börsenlieblingen Kursbetrug vor. Sie sollen mit einer inhaltlich falschen Pflichtmitteilung und überzogenen Gewinnprognosen für das Jahr 2000 den Aktienkurs in die Höhe getrieben haben. Durch die Talfahrt der Aktie von einst rund 120 Euro auf derzeit knapp einen Euro hatten zahlreiche Aktionäre ein Vermögen verloren. Das Verfahren gilt als Pilotprozess, da nach den Skandalen am Neuen Markt juristisches Neuland betreten wird.

Seit ihren Rücktritten bei EM.TV sind die Haffas derzeit nach eigenen Angaben nicht unternehmerisch tätig. Durch das anstehende Gerichtsverfahren seien sie blockiert gewesen. "Ich hatte keine Gelegenheit, mich aktiv zu engagieren", sagte Thomas Haffa. An der Flugcharter-Gesellschaft Air Independence mit Sitz in München sei er nur finanziell beteiligt.

Zum Prozessauftakt am Montag hatten die Haffas in mehrstündigen, schriftlich vorbereiteten Erklärungen, ihre Unschuld beteuert. Er habe die Anleger niemals täuschen wollen, sagte Thomas Haffa. Staatsanwalt Peter Noll wirft den Brüdern unter anderem vor, im ersten Halbjahr 2000 rund 30 Mill. Euro Umsatz verbucht zu haben, obwohl ein entsprechender Auftrag zu diesem Zeitpunkt nur mündlich bestanden habe. Der schriftliche Vertrag war nach Überzeugung von Noll erst Ende September unterschrieben worden. Ein Datum trage der schriftliche Vertrag nicht.

Die Angeklagten betonten jedoch, mündliche Verträge seien in der Branche nichts Ungewöhnliches gewesen und hätten einen verbindlichen Charakter gehabt. "Als ich noch bei Kirch gearbeitet habe, gab es Verträge, die wurden fünf Jahre gelebt und waren nicht ausgearbeitet und unterschrieben", sagte Thomas Haffa. Sein damaliger Chef Leo Kirch wird voraussichtlich in dem Verfahren als Zeuge aussagen.

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