Der Republikaner holt in den Umfragen auf
McCains Attacken zeigen Wirkung

Für John McCain zeichnet sich ein Ende seiner Pechsträhne ab. Die Attacken des Republikaners gegen Barack Obama zeigen Wirkung. Er zielt auf Obamas Charakter - und holt in den Umfragen auf.

WASHINGTON. Es ist gerade einmal vier Wochen her, dass John McCain sein Wahlkampfteam neu ordnete. Der Veteran Steve Schmidt, der schon für die Wiederwahl von George W. Bush 2004 sorgte, rückte dabei an die Spitze einer bislang ziemlich orientierungslosen Kampagne. Schmidts Handschrift ist seither unverkennbar. Mit einer ganzen Reihe von gezielten Angriffen auf den Charakter von Barack Obama versucht er, für McCain Boden gut zu machen. Glaubt man den Umfragen, dann trägt dieser Stil Früchte: McCain liegt zwar weiterhin hinter Obama zurück, doch nur mit wenigen Prozentpunkten.

Zunächst setzte Schmidt einen neuen Slogan, "Country first", um sich von Obama abzugrenzen, dessen ungeteilte Amerikaliebe immer mal wieder angezweifelt wird. Dann kritisierte die Kampagne Obama mit dem Dolchstoß-Argument, dass dieser "lieber einen Krieg verlieren würde, um die Wahl zu gewinnen". Als Obama in Deutschland unterwegs war, wurde der 47-Jährige in einem TV-Spot Basketball spielend gezeigt, statt US-Truppen in Landstuhl zu besuchen. Schließlich, in der vergangenen Woche, stellte McCain Obama in einen Zusammenhang mit seichten und liederlichen Pop- und Partysternchen wie Britney Spears und Paris Hilton. All diesen Angriffen ist gemeinsam, dass sie auf das Bauchgefühl zielen - und damit keine harten Fakten liefern müssen. Tatsächlich erwiesen sich viele der Vorwürfe schnell als "getürkt". Dennoch sind sie zunächst einmal in der Welt.

Verabschiedet hat sich der 71-Jährige John McCain damit von seiner Zusage, einen möglichst fairen und zivilen Wahlkampf gegen seinen demokratischen Kontrahenten zu führen. Noch zum Ende der Vorwahlen wollte McCain mit Obama zahlreiche gemeinsame Debattenauftritte absolvieren, beide wollten sich in der Sache messen, nicht in Schlägen unter die Gürtellinie. Doch das war gestern. Inzwischen zeigt sich auch Obama nicht immun gegen die neue Taktik. Als er nun andeutete, dass die Menschen möglicherweise Schwierigkeiten mit ihm hätten weil er schwarz sei, warf man ihm vor, die "Rassenkarte" zu spielen.

Die Strategie der McCain-Kampagne läuft darauf hinaus, Obama von solchen Wählergruppen zu entfremden, deren vorhandene Skepsis über ihn bislang von seinem Charme und Glanz überdeckt wurde. Obama selbst sagte dazu am Wochenende auf einer Pressekonferenz in Florida, dass McCain versuche, ihn als "riskante Wahl" zu portraitieren. Er räumte ein: "Ich habe nicht die Biographie eines typischen Präsidentschaftskandidaten". Und: "Die Menschen versuchen noch immer herauszufinden, wer ich eigentlich wirklich bin und welche Werte ich vertrete."

Unter Steve Schmidt hat das McCain-Team diesen Schwachpunkt ins Zentrum der Kampagne gerückt. Als der Wahlspot mit Paris Hilton und Obama veröffentlicht wurde - Obama hat nach eigener Aussage Hilton noch nie gesehen -, begleitete die Kampagne den Angriff sogleich mit der gewünschten Interpretation. "Nur Prominente wie Barack Obama gehen dreimal am Tag ins Fitnessstudio, essen Protein-Schokoriegel und sorgen sich um den Preis von Rucola-Salat", gab die McCain-Kampagne den Ton vor. Mit anderen Worten: Obama, elitär und selbstsüchtig, bewegt sich in einer Lebenswelt, die mit der des durchschnittlichen Amerikaners nichts zu tun hat.

Beobachter sind sich noch uneinig, ob der neue McCain-Wahlkampfstil das Ergebnis von Verzweiflung oder Genialität ist. Tatsächlich war es dem Senator aus Arizona seit dem Ende der Vorwahlen Anfang Juni nicht gelungen, aus der Ecke des Zweitplatzierten herauszukommen. McCains neue Taktik scheint aber aufzugehen und seinen Gegner Barack Obama zunehmend in die Enge zu treiben: So gab dieser seinen Widerstand gegen Ölbohrungen vor den Küsten der USA auf. Unter bestimmten Bedingungen könne das sinnvoll sein, sagte er der Tageszeitung "Palm Beach Post".

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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