Der Roche-Chef muss bei dem Schweizer Pharmakonzern harte Entscheidungen treffen
Franz Humer: Der kühle Pragmatiker

Mit seinem österreichischen Charme gibt sich Franz Humer gern gelassen. Doch der Roche-Chef steht unter Druck: Er muss die Pharmasparte des Konzerns trimmen, einen neuen Finanzchef suchen und mit dem Erzrivalen Novartis als neuem Großaktionär klarkommen.

Mancher Roche-Aktionär wird bedauern, dass es solche Szenen bald nicht mehr geben wird: Da marschiert der Schweizer Bankier und Konzernkritiker Martin Ebner zur Generalversammlung des Pharmagiganten Roche ins Baseler Kongresshaus, begrüßt kurz die Führungsriege des Konzerns und attackiert sie dann hart in der Sache, aber höflich im Ton: Er wirft Roche "Irreführung der Aktionäre" und "mangelnde Wahrnehmung der Aufsichtspflicht" vor und fordert eine "Erneuerung an Kopf und Gliedern".

Ganz in der Nähe des Rednerpults sitzt ein Mann mit gepflegtem grauen Haar und hört sich die Vorwürfe Ebners gelassen an. Es ist Franz Humer, Konzernchef und mittlerweile auch Präsident des Verwaltungsrates von Roche. Der 55-Jährige wird es kaum bedauerlich finden, dass Ebner als ewiger Roche-Kritiker aufgegeben und vor wenigen Tagen den Verkauf seines Roche-Aktienpakets angekündigt hat. Doch kann Humer davon ausgehen, dass nach dem Ausstieg Ebners die kritischen Töne verstummen?

Das Pharmageschäft stagniert

Wohl kaum. Der drahtige Manager, der Roche seit drei Jahren steuert, bleibt unter Druck. Das Pharmageschäft des einstigen Vorzeigekonzerns stagniert, den Finanzvorstand musste Humer vorige Woche entlassen, und mit dem Erzrivalen und erfolgreichen Novartis-Konzern hat Roche einen neuen - und wohl ebenso ungeliebten - Großaktionär.

Nach außen hin lässt Humer gern seinen österreichischen Charme spielen und gibt sich gelassen. Mit Novartis habe Roche nur einen neuen Aktionär, sonst ändere sich nichts, kommentierte er den Einstieg des Rivalen, der 20 Prozent des stimmberechtigten Kapitals von Ebner übernahm. Schließlich kann Humer auf die Rückendeckung der Roche-Eigentümer zählen - die Familien Hoffmann und Oeri haben mit etwas über der Hälfte des Kapitals das Sagen im Konzern.

Humer gilt als Pharmamanager durch und durch

Doch damit die Aktionäre von seiner Strategie überzeugt bleiben, muss Humer das Pharmageschäft voranbringen. In der wichtigsten Roche-Sparte sind nur wenige neue Umsatzrenner in Sicht. Im vergangenen halben Jahr musste Humer mitansehen, wie die Roche-Aktie mehr als ein Viertel ihres Wertes verlor.

Der gebürtige Österreicher bevorzugt den Auftritt als kühl rechnender Pragmatiker mit menschlichen Zügen. Beobachter trauen ihm zu, dass er die Wende bei Roche schafft. Obwohl er seine Promotion in Jura abgeschlossen hat, gilt er als Pharma-Manager durch und durch. 1973 startete er seine Karriere beim US-Arzneimittelhersteller Schering-Plough, wechselte acht Jahre später zum britischen Konkurrenten Glaxo und arbeitete sich dort bis in die Chefetage hoch. Als er bei Glaxo das Rennen um den Chefposten verlor, folgte er 1995 dem Ruf zu Roche, wo er zunächst die Pharmasparte verantwortete. Mitarbeiter attestierten ihm stets sowohl ein Gespür für die Erforschung als auch für die Vermarktung von Medikamenten.

Humer identifiziert sich stark mit Roche, und er passt zu dem Konzern: Beide gelten als traditionsbewusst und verschwiegen. Analysten werfen beiden vor, sie seien unkommunikativ, ja geradezu arrogant. Ende des Monats muss Humer reden: Er will verkünden, ob und wie viele Jobs Roche streichen wird, damit die Rendite den Sprung über die 20-Prozent-Hürde schafft. Doch ist auch ihm klar, dass Umstrukturierung allein Roche nicht hilft: Der Konzern braucht Wachstum durch neue Medikamente.

Humer greift durch

Dass der Manager mit dem freundlichen Gesichtsausdruck harte Entscheidungen fällen kann, ist bewiesen. Vorige Woche feuerte er Finanzvorstand Anton Affentranger. Nach Darstellung Humers stimmte die Chemie zwischen beiden nicht mehr - Affentranger wollte offenbar zu viel Veränderung bei Roche. Die Trennung ist eine Schlappe für Humer, hatte er ihn doch Ende vorigen Jahres zum Nachfolger des Finanzmanagers Henri Meier bestimmt.

Von Humers Erfolg hängt es ab, wie weit Erzrivale Novartis Druck auf Roche ausüben kann. Eine Fusion beider Konzerne ist zwar nicht in Sicht. Doch die Einstellung der Eigentümerfamilien kann sich in ein paar Jahren ändern. Novartis wollte mit dem Einstieg die Kontrolle darüber haben, mit wem Roche anbandeln könnte - und hat damit ein wenig Kontrolle über Humer.

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