Der Rohstoff des Netzes
Handel mit Internet-Adress-Namen blüht

In den USA werden zum Teil schon Millionensummen geboten. Das Geschäft errinnert bisweilen an die Geplogenheiten an der Börse.

KÖLN/FRANKFURT. Wen der Handel mit Aktien, Optionsscheinen oder Edelmetallen langweilt, könnte im Internet eine neue Herausforderung finden. Namen von Internet-Seiten, so genannte Domains, bringen auf dem Weltmarkt inzwischen erstaunliche Preise. "In den USA kann ein Domainname um die 2,5 Mill. $ bringen", sagt Marius Würzner, der zusammen mit zwei Studienfreunden 1999 die Kölner "Search Engine for Domain Offers" (Sedo) gründete. Die Domain-Handelsfirma gehört zu dem am Neuen Markt gelisteten Provider United Internet . Auf der Website www.sedo.de werden Domains gehandelt wie anderswo Gold, Fisch oder eben Unternehmensanteile.

Die größte über Sedo in Deutschland gehandelte Summe, die der Firma bekannt ist, bezahlte mit 20 000 Euro eine Kölner Firma für die Domain schwule.de. Unter dieser Adresse entsteht nun ein Homosexuellenportal. In den USA hat Würzner zufolge die auf den ersten Blick unscheinbare Adresse www.sg.com einen Verkaufswert von 2,5 Mill. $ erzielt. "Die Adresse ist deshalb so beliebt, weil die Abkürzung viele Möglichkeiten der Nutzung bietet und weil sie einprägsam und kurz ist. Da kann sich bei der Eingabe niemand groß vertippen", sagt Würzner. Zugeschlagen hat schließlich das US Select Group. -Softwareunternehmen Als ähnlich teure dot.com-Adresse wird derzeit euseek.com für eine Million $ bei Sedo angeboten.

Die Preise für deutsche Domains schwanken stark. So ist beispielsweise einbuergerungsgesetz.de schon für 49 DM zu haben, während für rabattsuche 50 000 Euro und für steuer.de gar 75 000 Euro verlangt werden. Selbst bizarre Domains wie todesanzeiger.de oder alle.de finden für über 1000 Mark ihre Käufer. Doch der Kauf und Handel von Domains ist nicht ohne Risiko. "Leider vernachlässigen immer noch viele Käufer, das nicht alle Domains frei verfügbar sind. Viele Namen sind bereits markenrechtlich geschützt", weiß Würzner. Eine kurze Recherche beim Deutschen Marken- und Patentamt in München erspare Ärger, hohe Kosten oder im schlimmsten Fall den Verlust des Internet-Eigentums.

Und auch nicht alle Internet-Angebote unter beschreibenden Namen sind rechtens, wie der Bundesgerichtshof im Mai entschied. Es kommt auf die hinterlegten Inhalte an. Wer unter einem allgemeinen Namen wie Mitwohnzentrale.de eine Suchmaschine oder ein thematisches Portal unterhält, darf dies weiterbetreiben. Eine kommerzielle Seite, die den Wettbewerb verzerrt, würde auf Widerstand stoßen, sagt Klaus Herzig vom Deutschen Network Information Centers (Denic) in Frankfurt, das alle Eintragungen registriert.

Wer sich mit einer neuen Domain auf den Handelsmarkt wagt, wird sich Würzner zufolge schwer tun. Nach Denic-Information sind derzeit rund 4,8 Mill. .de-Adressen vergeben. Täglich kommen durchschnittlich 3 000 neue hinzu. "Die intelligenten Adressen sind längst weg. Deshalb wird in Zukunft der Handel mit Sekundär-Adressen eine größere Rolle spielen", sagt Würzner. Intelligente Domains seien kurze, beschreibende und einprägsame Begriffe, die schon alleine wegen des Namens hohe Zugriffsquoten generieren - wie eben schwule.de. Zu einer Adresse wie fjkglhc.de würde sich wohl kaum jemand verirren.

Der Domainhandel zeigt inzwischen auch Phänomene, die überraschend an den Aktienmarkt erinnern. Bis vor kurzem galten alle rund 17 500 der begehrten dreistelligen .de-Namen - beispielsweise www.xyz.de - als vergeben. Am vergangenen Montag tauchten bei Sedo plötzlich auf einen Schlag 2500 davon wieder auf. Sie stammen von einem institutionellen Anbieter, der ein großes Kontingent dieser Domains vor einiger Zeit erworben hatte. Einen Teil davon hat er Gewinn bringend verkauft. Den Rest wirft er nun auf den Markt, weil ihm Sedo zufolge die so genannten Hosting-Kosten für sein elektronisches Eigentum zu hoch wurden. Eine Domain zu besitzen kostet nämlich nicht nur den Kaufpreis, sondern verursacht auch laufende Gebühren, die bei einem Provider oder direkt bei der Denic anfallen. Selbst bei guten Konditionen liegt die Hosting-Gebühr bei etwa einer Mark pro Monat und Domain.

Dass der Markt allgemeiner Begriffe attraktiv ist, zeigt auch das Domain-Verhalten großer Unternehmen. Hinter der simplen Adresse www.oel.de verbirgt sich der Mineralöl-Konzern Aral. Wer auf fernsehen.de klickt, erhält Informationen über das Programm - bei Focus Online.

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