Der Rückgang nach Ausbruch des Kriegs ist gebremst: Staatsanleihen bieten Einstiegskurse

Der Rückgang nach Ausbruch des Kriegs ist gebremst
Staatsanleihen bieten Einstiegskurse

Zu Beginn des Irak-Krieges haben Staatsanleihen hohe Verluste verzeichnet. Jetzt legen sie wieder zu. Experten rechnen aber nicht damit, dass die Kurse ihre alten Höchststände erreichen, sehen aber noch Potenzial.

FRANKFURT/M. Die Nachrichten vom Krieg im Irak sorgen für hohe Schwankungen an den Rentenmärkten. "Ob Inflation, Konsumentenvertrauen oder Geldpolitik - alle für den Anleihemarkt wichtigen Determinanten werden von der Entwicklung des Kriegs mitbeeinflusst", sagt Ulf Krauss, Rentenexperte bei Helaba Trust.

Dennoch sind sich die meisten Marktbeobachter einig: Sie rechnen vorerst nicht damit, dass die Kurse an den europäischen Rentenmärkten ihre alten Höhen erklimmen. Die Chance für moderate Kursgewinne sehen sie aber durchaus. Durch die starken Verluste nach Beginn des Irak-Kriegs bieten sich für Anleger Einstiegschancen - zehnjährige Bundesanleihen bringen wieder deutlich mehr als 4 %. Vor einem Engagement der Investoren in US-Treasuries raten die Experten ab: Zu groß seien die Risiken, dass der Dollarkurs deutlich fällt.

Vom Stand von 117,03 % am 6. März dieses Jahres, dem höchsten seit 1999, ist der für die Eurozone Richtung weisende Terminkontrakt Bund-Future momentan weit entfernt. Nach Kriegsbeginn hat der für die Eurozone Richtung weisende Terminkontrakt stark nachgegeben. Momentan liegt er knapp über 113 %. "Am meisten hat den Markt die Unsicherheit darüber, ob es zu einem Krieg kommt oder nicht, gestört", sagt Ralf Welge, Rentenexperte bei Commerzbank Securities. Nun gebe es wenigstens Gewissheit darüber. Somit habe auch der Drang zur Flucht in Staatsanleihen bei den Investoren nachgelassen.

Ist das nun die Chance zum Einstieg für Anleger? "In der momentanen Marktsituation sind die Rückschläge als Kaufgelegenheiten zu sehen", sagt Stefan Schilbe, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die hohe Verschuldung der US-amerikanischen Unternehmen als Folge der geplatzten Blase am Aktienmarkt verhindere einen dauerhaften Konjunkturaufschwung. Davon profitierten die Rentenmärkte. Auch erwartet Schilbe, dass weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank für steigende Anleihekurse sorgen. Vor weiteren starken Kursverlusten müssten sich die Anleiheninvestoren jedenfalls nicht fürchten. "Knapp unterhalb der 113 Prozent hat der Bund-Future einen sehr guten Boden."

Ulf Krauss von Helaba Trust sieht dies ähnlich. Die Unsicherheit im Markt sei weiterhin groß, was die Rentenmärkte mit ihrer Funktion als "sichere Häfen" begünstige. So sei nicht auszuschließen, dass selbst im Falle eines kurzen Irak-Kriegs weitere Konflikte der USA - etwa mit dem Iran oder Nord-Korea - folgten. Die meisten Volkswirte betrachten in ihren Prognosen einen Krieg von weniger als zwei oder drei Monaten als "kurz". Außerdem stünde in Frage, wie die Nachkriegsordnung im Irak gestaltet werde. Krauss erwartet nun eine Bodenbildungsphase von zwei bis drei Monaten am Rentenmarkt, allerdings unter hohen Schwankungen. Dass der Bund-Future sein Hoch von 117,03 % in kommender Zeit wieder erreicht, glaubt er nicht. Die Investoren seien auf Grund der deutlichen Kursverluste nach Kriegsbeginn vorsichtiger geworden.

Außerdem rechnet er damit, dass der Krieg teurer werden könnte als die von George W. Bush prognostizierten 75 Mrd. $. "Als Folge einer höheren US-Staatsverschuldung würden mehr Anleihen emittiert. Da das Angebot damit steigen würde, würden die Kurse leiden", sagt er.

"Der Markt tut sich sehr schwer, auf die alten Höhen zu kommen", sagt auch Welge. Für eine erneute "Erschütterung der Erwartungen" der Marktteilnehmer, die mit einem Anstieg des Bund-Future auf alte Höhen einher ginge, sei es noch zu früh. Dafür seien Schwierigkeiten bei der Ölversorgung, eine Ausdehnung des Irakkonflikts oder ein lang andauernder Krieg nötig. "Auf dem jetzigen Niveau preist der Markt einen relativ kurzen Krieg und danach eine moderate Konjunkturerholung ein", sagt Welge. Sollte der Krieg aber länger andauern und der Ölpreis stark ansteigen, könnten die Staatsanleihen die alten Höhen wieder erreichen. Dies gelte auch für den Fall, dass der Irak Chemiewaffen einsetze oder dass es im Krieg eine hohe Zahl an Opfern gebe. Momentan habe der Bund-Future Aufwärtspotenzial bis 114,25 %. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe dürfte maximal auf 4,05 % fallen.

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