Der Ryanair-Chef liebt es zu provozieren
Michael O’Leary: Der Rebell der Lüfte

Der 40-jährige Ire legt mit seiner Fluggesellschaft Ryanair seit zehn Jahren ein rasantes Wachstum hin. Mit schlanken Kosten, äußerst scharf kalkulierten Preisen und Gerichtsprozessen attackiert O?Leary die etablierte Konkurrenz. Ein genial einfaches Erfolgsrezept.

Michael O?Leary hat einen Heidenspaß daran, wenn man ihn unterschätzt. Immer wieder schafft es der Chef des irischen Billigfliegers Ryanair, sich und seine Firma so darzustellen, als ob ein frecher Newcomer die etablierten großen Fluggesellschaften herausfordert. Dabei gehört der 40-jährige Multimillionär schon selbst zum Establishment - und das David-und-Goliath-Spiel verfängt auch nicht mehr. Schließlich ist Ryanair in puncto Börsenkapitalisierung bereits die drittgrößte Airline in Europa - hinter der Deutschen Lufthansa und British Airways.

Ein "Rebell im Herzen" sei er immer noch, auch wenn der Ire einräumt, "ein paar Pfund" gemacht zu haben. Das ist ein Understatement schon britischer Güte. Im Februar trennte sich O?Leary von einem Zehntel seiner 30 Millionen Aktien, was ihm 35,4 Millionen Euro einbrachte. In der "Rich-List" Irlands führt ihn die "Sunday Times" an elfter Stelle.

Statussymbole sind nicht O'Learys Sache

Auf einer Betriebsversammlung würde O?Leary kaum auffallen. Er zieht Boots Lackschuhen vor, steht mehr auf Jeans denn auf Flanellhosen, und statt Sakkos sind Sweatshirts angesagt. "Seine Kleidung ist so preiswert wie die Tickets seiner Airline", witzelt ein Chronist. Auch verzichtet O?Leary, seit 1993 Chief Executive Officer von Ryanair, auf Statussymbole. Als Dienstwagen fährt er einen Golf und privat einen Landini 90. Das ist ein Traktor, den er auf seiner Rinder-Farm nutzt.

Fußball, so erzählt O?Leary, spiele er schlecht. Doch noch unbeholfener als auf dem Fußballplatz, behauptet er, stelle er sich bei der Viehzucht an. Der Mann liebt es zu kokettieren, und bisweilen auch zu provozieren.

Etwa, was seinen Musikgeschmack angeht: Er sei ein Fan des Rappers Eminem, der bei Konzerten die Bühne vorzugsweise mit einer Kettensäge bearbeitet. Seine aktuelle Lieblingslektüre, sagt er, sei ein Buch über unverschämte und politisch inkorrekte Witze.

Manchmal schlägt O?Leary aber auch über die Stränge. Als er sich gegenüber dem irischen Flughafenbetreiber Air Rianta nicht mit seiner Forderung nach geringeren Landegebühren durchsetzen konnte, riss ihm der Geduldsfaden. Nur noch mit Sempex könne dieses Problem gelöst werden, meinte der Ryanair-Boss. Diesen Sprengstoff hat die nordirische Untergrundarmee IRA bei vielen ihrer blutigen Anschläge benutzt.

Ein genial einfaches Geschäftsprinzip

Wie kein anderer Airline-Chef ist O?Leary darauf fokussiert, die Expansion von Ryanair voranzutreiben. Sein Geschäftsprinzip ist genial einfach: "Wir gehen in neue Märkte und bieten Flüge an, die 70 bis 80 Prozent unter den bisherigen Preisen liegen." Schon zehn Jahre hintereinander ist Ryanair jährlich um rund 25 Prozent gewachsen. Das könne so weitergehen, "bis wir jährlich 30 Millionen Passagiere befördern", hofft er. Ende 2001 sollen es schon knapp neun Millionen sein.

"Wir animieren Menschen zum Fliegen, die von den Zielorten vorher noch nie etwas gehört haben", sagt O?Leary. Dabei macht er keinen Hehl aus der Tatsache, dass Ryanair die Strategie der legendären US-Airline Southwest nahezu exakt kopiert. Sind neue Flughäfen unter Vertrag genommen, macht sich Ryanair in der Regel über die Preise der Platzhirsche lustig. British Airways und die belgische Sabena können ein Lied davon singen. Man könnte sogar meinen, dass gerichtliche Auseinandersetzungen Teil der PR-Strategie von Ryanair sind. Nach dem Motto: Dadurch sparen wir teure Anzeigen.

Bislang ist es der Airline stets gelungen, die Kosten trotz der Expansion nicht überborden zu lassen. Hat Ryanair ein Frühwarnsystem installiert, das vor Turbulenzen warnt? O?Leary antwortet mit einem Zitat: Wenn aus einem Erfolg ein Desaster werde, gebe es in der Regel drei Gründe. Das Unternehmen habe ein Hauptquartier aus Glas gebaut, ein Helikopter stehe jederzeit zur Verfügung, und der Chef sei dabei, ein Buch zu schreiben. Nichts davon treffe auf ihn zu, versichert O?Leary mit dem ihm eigenen Humor.

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