^Der Schlagerproduzent nimmt die jüngsten Rückschläge sportlich
Jack White: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück

1999 ging White mit seiner Firma an die Börse. Doch statt eines Hits landete der ehemalige Profi-Fußballer damit einen veritablen Flop. Jetzt, verspricht er, soll alles besser werden.

Das Glück war eigentlich immer auf seiner Seite. Hunderte von Gold-, Platin-, Triplegold-, Doppelplatin- und Tripleplatin-Schallplatten bezeugen seine Erfolge. Ob mit Vicky Leandros? "Theo, wir fahr?n nach Lodz", Laura Branigans "Gloria" oder David Hasselhoffs "Looking for freedom" - Musikproduzent Jack White, der mit bürgerlichem Namen Horst Nussbaum heißt, landete einen Hit nach dem anderen.

Zumindest bis 1999. Damals ging White mit seiner Plattenfirma an die Börse. Und seitdem scheint ihn das Glück verlassen zu haben. "Ich glaube, da hat mich der liebe Gott schlicht vergessen", resümiert der Gründer, Großaktionär und Vorstandschef der Jack White Productions AG und starrt betreten auf den Parkettboden seines Büros am Berliner Kurfürstendamm.

Rote Zahlen und Absturz des Aktienkurses

Auch die Aktionäre, die mit der Jack-White-Aktie einen Anlage-Hit landen wollten, sind frustriert. Weiteres Wachstum und üppige Gewinne hatte White ihnen beim Börsengang versprochen. Stattdessen produzierte die Jack im Geschäftsjahr 2000 bei einem Umsatz von 7,4 Millionen Mark 6,1 Millionen Mark Verlust, der Kurs stürzte von 56 auf 5 Euro ab.

Der Ex-Profifußballer White, als 18-Jähriger von der Trainer-Legende Hennes Weisweiler entdeckt, nimmt die Rückschläge sportlich: "Wir werden wieder Meister werden." Dabei strahlen seine perlweißen Zähne aus dem braun gebrannten Gesicht.

Schon am Mittwoch, auf der Bilanzpressekonferenz, will er mit guten Nachrichten punkten. Im ersten Quartal habe das Unternehmen einen "gewaltigen Umsatzsprung" erwirtschaftet, das Ergebnis 2001 werde "deutlich positiv" ausfallen. Allein die gerade erworbene Mehrheitsbeteiligung in Puerto Rico steuere gut 20 Millionen Euro zum Umsatz bei. Scheinbar entrüstet fügt er hinzu: Er sei niemand, der seine Aktionäre im Stich lasse. Erst im April habe er seinen Aktienanteil um 1,4 Prozentpunkte auf 60 Prozent aufgestockt. Über den Kurs ärgert er sich wie ein Künstler über den ausbleibenden Applaus des Publikums: "Wir sind beleidigt!"

Mit impulsiven Gesten schildert der gebürtige Kölner die aktuelle Misere. Eine Panne sei der anderen gefolgt, sagt White und seufzt über das "furchtbare US-Geschäft": Fünf Millionen Mark habe seine Firma dort wegen Anlaufschwierigkeiten im Vertrieb verloren.

"Jetzt wird alles völlig anders"

"Schnitt", unterbricht White seinen schnellen Redefluss, um betont langsam anzufügen: "Jetzt wird alles anders." Das Firmenmotto will er ändern. Statt "Der nächste Hit kommt bestimmt" soll gelten: "Wir wollen einer der größten unabhängigen Lizenzrechtehändler werden." Dafür plant er weitere Zukäufe, die er über Kapitalerhöhungen finanzieren will.

"Jetzt wird alles völlig anders", wiederholt der Sohn einer allein erziehenden Fleischverkäuferin beinahe beschwörend. Radikale Änderungen sind dem Selfmade-Mann vertraut, der als Teenager Zeitungen und Brötchen austrug, um die Mutter zu unterstützen. Später probierte er sich als Profi-Fußballer und gründete als Autodidakt an der Gitarre eine eigene Band. Dann gab er sich den Künstlernamen Jack White, mit dem er sich schließlich als Diskjockey in Berlin verdingte. An der Spree kam er auf die Idee, sein Gespür für Schlagersänger und für Hits unternehmerisch zu nutzen.

Und jetzt? "Jetzt wird alles ganz anders", wiederholt der stattliche Mann energisch. Dem Liederschreiben und der Produktion will White sich wieder stärker widmen, seinem Sohn Frank (aus der ersten von drei Ehen) und seinem Vorstandskollegen Karl-Heinz Klempnow mehr Verantwortung übertragen. Er hält inne und sagt leise: "Vielleicht kommt der nächste Hit ja doch."

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