Der schnellste Weg nach Europa
Pokal als Zusatzgeschäft gefragt

In Zeiten angespannter Finanzlagen verhilft der seit 1935 ausgespielte Traditions-Wettbewerb bei einer glücklichen Auslosung vielen Vereinen zu einer ungeplanten Finanzspritze und dem besten am Ende zu einem Startplatz im Uefa-Cup. "In diesen Krisenzeiten hat der Pokal einen hohen Stellenwert für uns", sagte Manager Ilja Kaenzig vom ehemaligen Champions-League-Dauergast Bayer Leverkusen vor dem Startschuss der 61. Ausspielung an diesem Wochenende.

HB/dpa DÜSSELDORF. Im Gegensatz zu früheren Jahren, als der Wettbewerb für einige Spitzenteams eine lästige Pflichtaufgabe bedeutete, lechzen heute auch die renommierten Clubs nach zusätzlichen Geldquellen. Inklusive der Zuschauer-Einnahmen und Prämien können die Endspielteilnehmer mit zwei bis drei Millionen Euro rechnen. "Verdient wird erst ab dem Viertelfinale. Aber dann kann es ein nettes Zusatzgeschäft für uns werden", sagte Kaenzig, dessen Club beim Regionalligisten Holstein Kiel antreten muss.

Lukrativ ist für die meisten der 28 Amateur-Teams im 64er Feld schon die 1. Runde, in der die Clubs 55 000 Euro einstreichen. Bei einer Live-Übertragung im Fernsehen steigt der Gewinn beachtlich. So erhält Regionalligist Dynamo Dresden für das Erstrunden-Duell mit dem Hamburger SV sogar 440 000 Euro.

Neben dem gestiegenen finanziellen Anreiz lebt der Pokal von den ewig spannenden Duellen "David - Goliath". Gleich 16 Amateurvereine hoffen am Wochenende auf den großen Coup, einen der Erstligisten aus dem Wettbewerb zu kegeln. Für diese "Spiele des Jahres" werden neue Tribünen angelegt, Holzbänke gezimmert, alle ehrenamtliche Kräfte aktiviert und kräftig die Daumen gedrückt. Besonders die Fans von Borussia Neunkirchen (gegen Bayern München), Eintracht Glas/Chemie Wirges (gegen Borussia Dortmund) und des Bayernligisten TSV Aindling (gegen Schalke 04) träumen von der Pokalsensation.

Am Ende bleiben die Favoriten aber meist unter sich. So dominiert der deutsche Rekordmeister und Titelverteidiger FC Bayern München mit insgesamt elf gewonnenen Titeln auch den Cup-Wettbewerb. Allein in den letzten sechs Jahren standen die Bayern vier Mal im Endspiel. Bis auf eine Ausnahme (2001: Union Berlin) standen in dem Zeitraum auch ausschließlich Erstligisten im Finale, das seit 1985 im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird und bis mindestens 2010 auch in der Hauptstadt bleiben soll.

Reizvolle Duelle in den 32 Begegnungen von Freitag bis Montag gibt es reichlich. Allen voran die Spiele Dresden - HSV sowie der Nachbarn Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt (beide Montag) versprechen Brisanz. Mit dem TSV Gerbrunn nimmt erstmals ein Neuntligist an der 1. Hauptrunde teil. In Wacker Burghausen zogen die Unterfranken jedoch einen schwierigen und nicht so attraktiven Gegner. "Ein Sieg wäre das achte Weltwunder", meinte Vorsitzender Günther Brückner. Mittlerweile Dauergast beim Pokalauftakt ist der FC Schönberg 95.

Zum vierten Male nacheinander steht der Oberliga-Meister in Runde 1 - und zum vierten Male trifft Schönberg dabei auf einen Bundesligisten. Nach Bayern München, dem HSV und dem VfB Stuttgart tritt nun Borussia Mönchengladbach in Mecklenburg an. Trotz der Pokalerfahrung schlägt Clubchef Uwe Blaumann leise Töne an: "Mönchengladbach ist schlagbar, aber nicht für uns".

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