"Der schönste Mann Hollywoods"
Trauer um Gregory Peck

Er war Abraham Lincoln und der KZ-Arzt Josef Mengele, er spielte den romantischen Liebhaber ebenso überzeugend wie den von Rachsucht zerfressenen Kapitän Ahab. Jahrzehnte vor George Clooney oder Richard Gere galt er als der "schönste Mann Hollywoods".

HB/dpa LOS ANGELES. Mit Gregory Peck hat die Filmwelt in der Nacht zum Donnerstag einen ihrer größten Leinwandstars verloren. Der 87-jährige Oscargewinner starb nach Angaben eines Sprechers in seinem Haus in Los Angeles an Altersschwäche.

Seine Frau Veronique, eine gebürtige Französin, war an der Seite des Schauspielers, als er die Augen schloss und friedlich einschlief, sagte Sprecher Monroe Friedman am Donnerstag der dpa. Umso bestürzter reagierten die Fans in aller Welt auf den Verlust des dunkelhaarigen Stars, der oft das Image des aufrechten ehrlichen Gentlemans verkörperte. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac bezeichnete den Filmstar als "teuren Freund" und "außergewöhnlichen" Künstler. Die Nachricht von seinem Tod habe ihn zutiefst bewegt.

Danny DeVito, Co-Star in Pecks letztem Kinofilm "Das Geld anderer Leute" (1991) trauerte um den Verlust einer "wunderbaren Person". Charlton Heston, der mit Peck 1958 den Western "Weites Land" drehte, würdigte seine "Großzügigkeit, Humor, Zähigkeit und Geist". Für Regisseur Martin Scorsese war er ein "ungewöhnlich subtiler" Schauspieler, der die Gefühle seiner Leinwandcharaktere genau ausdrücken konnte. Die Welt werde sich immer an Peck erinnern und er werde ihn nie vergessen, sagte Kirk

Selbst im hohen Alter hatte der 1,90 Meter große Gregory Peck noch immer eine ausnehmend gute Figur gemacht. Seine Attraktivität, die ihm selbst eher peinlich war, stand Pate, als das Schicksal die Weichen in Richtung Theater stellte. Peck war Student der Medizin. "Junger Mann, sie gehören auf unsere Bühne!", erklärte ein Professor, der das Studententheater der Berkeley University betreute. Von der Schauspielerei, erwiderte Peck, verstehe er nun wirklich nichts. Die Antwort vergaß er nie: "So wie Sie aussehen, macht das gar nichts."

Er wartete zehn Jahre auf einen Oskar

Jahre später in Hollywood angekommen, bemühte sich Peck um eine außerordentlich breite Rollen-Palette. Er wollte sich und anderen zeigen, wie sehr er den eigenen Beruf beherrschte. Die attraktive Hauptrolle in "12 Uhr mittags" lehnte er 1952 ab, weil er vorher schon einen ähnlichen Western-Superman gespielt hatte. Als Gary Cooper für die Rolle einen Oscar bekam, gratulierte Peck ohne Neid. Er selbst musste noch zehn Jahre auf seinen Oscar warten. Dafür bekam er ihn für eine weit vielschichtigere Charakterrolle. In "Wer die Nachtigall stört" spielte er den Anwalt Atticus Finch, der im rassistischen Süden der USA einen zwar unschuldigen, aber praktisch schon abgeurteilten Schwarzen verteidigt.

Das sei die Rolle, die Peck am meisten entsprochen habe, meinten Kritiker. Er sei stets die Verkörperung eines klugen, anständigen, toleranten und bescheidenen Bürgers eines auch geistig freien Landes gewesen. Diesen Gregory Peck hätten sich Millionen Amerikaner zum Vorbild genommen, hieß es Jahre später, als die US-Filmakademie ihm auch ihren Lebenswerk-Oscar verlieh. Erst vor kurzem hat das angesehene American Film Institute Atticus Finch zum größten Leinwandhelden in der Geschichte Hollywoods erklärt.

In "Old Gringo" (1989) hatte Peck das Vergnügen, mit Jane Fonda als Partnerin zu zeigen, dass auch ein Mann in seinem Alter noch Frauen beeindrucken kann. 44 Jahre vorher hatte der Thriller-Experte Alfred Hitchcock ihn zum romantischen Idol gemacht. In "Ich kämpfe um Dich" musste sich Ingrid Bergman unsterblich in ihn verlieben. Dass ihr diese Aufgabe keineswegs schwer fiel, wurde gemunkelt. Unvergessen bleibt auch die Filmliebe zur bezaubernden Prinzessin Audrey Hepburn als rasender Reporter in Rom in dem Film "Ein Herz und eine Krone".

Seine Privatsphäre war tabu

Im wirklichen Leben hat Peck jedoch die Klatschreporter stets enttäuscht. Seit 1955 war der Kalifornier in zweiter Ehe mit einer französischen Journalistin verheiratet, in die er sich bei einem Interview verliebte. Seine Privatsphäre war tabu. Mit einer traurigen Ausnahme. Als Sohn Jonathan, eines seiner fünf Kinder, sich 1975 das Leben nahm, konnte Peck nicht verheimlichen, wie sehr ihn das mitnahm.

Peck, der in jungen Jahren Priester werden wollte und eine Zeit lang Medizin studierte, war ein überzeugter Pazifist. Ein Liberaler, der sich zeitlebens sozial engagierte. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehört die "Medal of Freedom", der höchste zivile Orden der USA. Ganz besonders hing Peck an seinem Goldenen Bären, den er 1993 bei den Berliner Filmfestspielen für sein Lebenswerk erhielt, weiß sein Sprecher zu berichten. Gerade aus Deutschland habe der Hollywoodstar sehr viel Fanpost erhalten, sagte Friedman der dpa.

Über die Beisetzung der Hollywood-Legende wurde am Donnerstag noch nichts bekannt. Der langjährige Familiensprecher rechnet mit einer katholischen Bestattung und einer privaten Zeremonie im engsten Familien- und Freundeskreis. In früheren Interviews hatte Peck öfters über die Inschrift auf seinem Grabstein gescherzt. Bestimmt würde darauf stehen: Oscar-Gewinner für "Wer die Nachtigall stört".

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