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Der Schrittmacher, dem niemand folgt.

Michael Dell gründete ein Unternehmen, das gefeiert wird als Modell der Zukunft. Doch niemand kopiert ihn.

Kein Marketing-Seminar ohne Michael Dell, keine E-Business-Konferenz und kein Lehrbuch ohne die Nennung seines Namens. Der Gründer des Computerherstellers Dell gilt als Idol der Neuen Wirtschaft. Denn gleich zwei Trends setzte der Mann mit den schwarzen Locken: die Produktion auf Wunsch des Kunden und die Bestellung über das Internet.

Und so pilgern noch heute, 20 Jahre nachdem die Dell Computer Corp. ihre Geschäfte aufnahm, Top-Manager aus aller Welt zur Firmenzentrale in Austin, Texas. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das aus Faulheit entstand: Dell wollte nur eine Firma von seinem Uni-Wohnheimzimmer aus leiten.

Aber wenn all dies so revolutionär ist - warum macht es niemand nach? Sicher, Gateway hat es versucht. Doch der US-Rivale betreibt heute ganz reale Geschäfte, ja sogar Läger führt er. Dell dagegen ist immer dabei geblieben, was ihn zum Erfolg führt: Computer werden erst auf Bestellung angefertigt und direkt zum Kunden geliefert.

Michael Dell selbst hat eine einfache Erklärung für seine einzigartige Stellung: Nur wenige Branchen würden sich überhaupt für solch eine Produktionskette einigen. Und dort gebe es viele etablierte Unternehmen, die vor einem solch radikalen Wechsel der Strategie fürchteten. Die Autoindustrie macht er als möglichen Nachahmer aus. Doch die leiste sich einen riesigen Vertriebsapparat und der würde sich heftigst wehren, würden die Autokonzerne anfangen, ihre Wagen selbst zu verkaufen.

Und so bleibt Dell wohl ein Guru ohne Jünger, ein einsamer Schrittmacher des E-Business. Das bemerkt selbst die Wall Street: Bei 54,7 Dollar lag der Höchstkurs von Dell in den vergangenen Monaten, bei 27 Dollar notiert die Aktie derzeit. Weniger als 50 Prozent Verlust? In diesen panischen Tagen eine bemerkenswert gute Entwicklung.



Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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