Der Schweizer Marcel Koller ist beim 1. FC Köln Nachfolger von Trainer Funkel
Mit Bedacht und Bodenständigkeit zum Klassenerhalt

Bis zum Donnerstag hieß der Trainer Friedhelm Funkel, beim 1:2 am Sonnabend gegen Hannover 96 war Jos Luhukay Trainer des 1. FC Köln. Für Luhukay war es von vorn herein das einzige Spiel als Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten. Gestern übernahm nun der dritte Fußballlehrer in vier Tagen die Verantwortung: Marcel Koller aus der Schweiz.

KÖLN. Er erhielt einen Vertrag bis 2006, der unabhängig von der Bundesliga-Zugehörigkeit gilt. "Ich liebe eigentlich den Offensiv-Fußball, aggressiv, mit Zweikämpfen. Ich will meine Ideen so schnell wie möglich rüber bringen, von der ersten Trainingsminute an", sagte Koller, der den Aufsteiger zum Klassenerhalt führen soll. Schon gestern bat er die Profis zum ersten Training. "Seine Vorstellungen hat er ziemlich lautstark rüber gebracht", erzählte Alexander Voigt.

Ein Zufall ist es nicht, dass die Wahl auf den 42 Jahre alten Koller fiel. Der Trainer unterhält schon seit langem eine stabile Verbindung zu Kölns Manager Andreas Rettig. Als der vor neun Wochen den Züricher Hardturm kurz vor Spielende verließ, hat der Manager des 1. FC Köln wahrscheinlich schon geahnt, dass die Akte Koller schneller auf den Schreibtisch kommen könnte, als von ihm geplant. An jenem Sonntag verloren die Grasshopper Zürich das Spitzenspiel der Schweizer Liga gegen den FC Basel mit 0:4. Nach diesem Spiel war der Niedergang der Züricher Mannschaft nicht mehr aufzuhalten - und die Diskussion um Trainer Koller auch nicht. Das Team schied obendrein kläglich aus der Champions League gegen AEK Athen aus. Zur sportlichen Krise kam noch ein persönlicher Streit Kollers mit seinem besten Stürmer, Richard Nuñez aus Uruguay. Am Abend des 2. Oktober, nach einem 1:2 beim Dorfverein FC Wil, resignierte Koller. Acht Niederlagen in zwölf Meisterschaftsspielen und 26 Punkte Rückstand auf die Konkurrenz vom FC Basel waren zu viel.

Koller stellte noch in der Kabine sein Amt zur Verfügung. "Ich hatte geglaubt, dass wir gemeinsam aus dem Loch finden", sagte er damals ratlos. Die "Neue Zürcher Zeitung" stellte enttäuscht fest, "dass Kollers Erfolgsgarantie innerhalb von drei Monaten verfallen ist". Die Trennung beendete eine Verbindung, die von einer seltenen Vereinstreue gekennzeichnet ist. Schon im Juniorenalter war Koller beim Verein, spielte 22 Jahre für den Klub, gewann sieben Meistertitel, war fünfmal Pokalsieger und kam auf 55 Einsätze in der Nationalmannschaft. Nach seinem Rücktritt trainierte er drei Jahre in der Nachwuchsabteilung der Grasshopper, ehe er 1997 den Zweitligisten Wil übernahm. Vor vier Jahren wechselte Koller zum FC St. Gallen, mit dem er ein Jahr später den Meistertitel gewann.

Rettig und Koller kennen sich seit den Zeiten des Managers beim SC Freiburg. Den kurzen Weg nutzten die Klubs damals zu Testspielen. Zu all dem passt Rettigs Anforderungsprofil für den neuen Trainer: "Wir brauchen keine flotten Sprüche und keinen Feuerwehrmann." Solche Sätze entsprechen der Welt, in der Koller lebt. Der Trainer sagt: "Ich bin bodenständig und ich plaudere nicht gern." Ja, er ist ein bedächtiger Vertreter seiner Branche. Koller sagt: "Ich will erfolgreich sein - das ist meine Genugtuung."

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