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Der schweizerische Weg zum Schutz vor Hackern

Das Sicherheitsproblem könnte zum echten Hemmschuh für den E-Commerce werden. Dennoch sind restriktive Gesetze nicht in Sicht.

Dass viele Unternehmer das Thema Sicherheit im Internet stiefmütterlich behandeln, ist nicht nur ihr Problem. Der elektronische Handel leidet unter einem Vertrauensdefizit, der den erwarteten Boom in der New Economy bremsen könnte. Wer befürchten muss, dass seine Daten von Hackern missbraucht werden, kauft nicht mehr ein im weltweiten Datennetz.

Deswegen sollten sich Unternehmen - auch mittelständische - gegen Datensaboteure wappnen, und auch die Bundesregierung ist gefragt. Ein erster Schritt in die richtige Richtung war die von Bundesinnenminister Otto Schily eingerichtete Task Force "Sicheres Internet". Die zwölf Beamten und Experten entwickelten Maßnahmenkataloge zum Schutz vor Computerviren und vor sogenannten Denial-of-Service-Attacken, die durch gezielten massenhaften Verkehr die Server von E-Commerce-Shops lahm legen.

Reicht das aus? Nein, meinen Schily und seine Staatssekretärin Brigitte Zypries, und verweisen in dem Zusammenhang gern auf die Arbeit der früheren "Zentralstelle für das Chiffrierwesen", dem heutigen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn. Dort entwickeln Softwaretüftler, die Anfang der 90er Jahre zum Teil vom Bundeskriminalamt, vom Bundesnachrichtendienst und vom Verfassungsschutz rekrutiert wurden, Abwehrstrategien gegen Hacker und Datensaboteure.

Reicht das aus? Nein, meinen wiederum unsere Nachbarn in der Schweiz. Dort hat der Gesetzgeber ein wesentlich strengeres Regelwerk gegen Hacker auf den Weg gebracht, und zwar schon 1995, lange vor der heimtückischen E-Mail-Botschaft "I love you". In der Schweiz ist seitdem das Verschicken von Viren strafbar. Das deutsche Recht sieht dagegen nur eine Strafe vor, wenn durch Viren konkret ein Schaden in Unternehmen und Behörden angerichtet wurde. Und der Europarat in Straßburg will schon allein den Besitz von Viren verbieten.

Die Pläne des Europarates gehen Politikern und Beamten in Berlin zu weit, doch unzweifelhaft ist die deutsche Regelung zu lasch. Der schweizerische Weg scheint eine gangbare Alternative zu sein. So wird nicht kriminalisiert, wer ungewollt einen Virus zugestellt bekommt, aber schon der, der ihn weiterleitet - auch ohne, dass die Behörden den Zusammenhang zu einem Schaden nachweisen müssen.

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