Der Staat nimmt die Eigenheimzulage von mehreren Seiten in die Zange
Eigenheimzulage: Die meisten Bauherren bekommen weniger

Der Staat nimmt, der Staat gibt. In dieser Reihenfolge.

DÜSSELDORF. Wer also ab Neujahr ein Eigenheim kauft, muss erst einmal zahlen: Grunderwerbsteuer. Kostet das Haus beispielsweise 300 000 Euro, kassiert der Fiskus auf einen Schlag 10 250 Euro. Nun zeigt sich der Staat ganz väterlich und gibt auch etwas zurück: Eigenheimzulage. Eine Familie mit einem Kind bekommt künftig immerhin 14 400 Euro, aber nicht auf einen Schlag, sondern auf acht Jahre verteilt. Zinst man diesen Betrag entsprechend ab, handelt es sich um ein Nullsummenspiel. Man könnte bei dieser Betrachtung auch sagen: Diese Familie finanziert sich ihre Eigenheimzulage selbst.

Und damit kommt sie nach der Neuregelung der Eigenheimzulage noch vergleichsweise gut weg. Denn Kinderlose bekommen künftig keine Wohneigentumsförderung vom Staat mehr. Bleibt lediglich die Grunderwerbsteuer, die bei Altbauten auch auf dem Haus oder der Wohnung lastet. Die Regierung hat die Eigenheimzulage so kräftig entkernt, dass zum Teil nur noch die Fassade übrig geblieben ist. Immerhin bleibt der Förderzeitraum von acht Jahren bestehen. Hier die Neuregelungen im Überblick:

Die Zulage wird gekürzt. Kinderlose bekommen keinen Cent mehr. Familien mit Kindern erhalten einen Grundsockel von 1 000 Euro und 800 Euro pro Kind. Neubauten werden nicht mehr stärker bezuschusst als Altbauten. Neu ist zudem: Stellt sich innerhalb von vier Jahren nach dem Einzug Nachwuchs ein, so zahlt der Staat die Eigenheimzulage nach. Kommt ein weiteres Kind, bleibt es wie bisher: Die Kinderzulage wird ab dem Geburtsjahr bis zum Ablauf der achtjährigen Förderung überwiesen.

Die Einkommensgrenzen werden gesenkt. Bisher durfte beispielsweise eine Familie mit zwei Kindern zusammen gut 8 000 Euro brutto im Monat verdienen und noch dazu Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld in der gleichen Höhe erhalten, um noch in den Genuss der Förderung zu kommen. Dies reduziert sich jetzt um 20 Prozent auf rund 6 400 Euro.

Die genaue Regelung liest sich etwas komplizierter: Künftig darf das Einkommen im Jahr, in dem die Eigenheimzulage erstmals beantragt wird, und im Jahr davor folgende Grenzen nicht überschreiten: 70 000 Euro für Alleinerziehende und 140 000 Euro für Ehepaare mit Kindern. Pro Kind erhöht sich dieser Betrag um 20 000 Euro. War bislang der Gesamtbetrag der Einkünfte maßgeblich, also die Einkünfte minus der Werbungskosten, sind es künftig die positiven Einkünfte. Das bedeutet, dass Verluste nicht mehr berücksichtigt werden.

Die Neuregelung greift, wenn der Kaufvertrag ab Neujahr beim Notar unterzeichnet oder der Bauantrag ab 1. Januar 2003 gestellt wird. Wer dies noch vorher geschafft hat, für den gilt das alte Eigenheimzulagegesetz beziehungsweise die alte, großzügigere Förderung. Auch wer bereits Eigenheimzulage bezieht, kann sich - bis zum Ablauf der Förderung - jedes Jahr Mitte März über die Überweisung des Finanzamtes freuen. Der Antrag auf Eigenheimzulage darf bis zu vier Jahre im Nachhinein gestellt werden. Bis Ende des neuen Jahres kann also noch die Förderung für 1999 beantragt werden.

Und noch eine Verschärfung des Kleingedruckten, die besonders findige Immobilienbesitzer trifft: Bislang konnte die Zulage auch eingestrichen werden, wenn das Haus oder die Wohnung einem Angehörigen kostenlos überlassen wurde. Künftig funktioniert dieses Modell aber nur noch, wenn Eltern ihrem Kind auf diese Weise unter die Arme greifen.

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