Der starke Euro belastet
Zuversicht bei Autoherstellern schwindet

Die schwache Nachfrage auf dem europäischen Automobilmarkt dämpft zunehmend die Stimmung bei den Herstellern. Das Gebot der Stunde heißt Vorsicht. Für das laufende Jahr hat der Volkswagen-Konzern bereits deutlich sinkende Erträge angekündigt.

HB/ajo/hof FRANKFURT. Der Absatzrückgang in wichtigen Märkten und das hohe Euro-Niveau lassen den Konzern nun auch über das Jahr 2003 hinaus vorsichtiger werden. Während Konzernchef Bernd Pischetsrieder im März noch davon sprach, dass er 2004 "neue Rekordzahlen" erwarte, schränkte der designierte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch in einem Gespräch mit dem Handelsblatt ein: "Wir werden uns 2004 verbessern können. Ein Rekordjahr werden wir aber nur mit Unterstützung eines besseren Marktes erreichen." Bislang sehe er keine Anzeichen für eine kurzfristige, deutlich positive Veränderung. Die derzeitigen Anstrengungen würden sich in besonderer Weise im Jahr 2005 auszahlen, erklärte Pötsch.

Auch bei einigen Konkurrenten werden die Töne leiser. So hat die Adam Opel AG am Mittwoch zwar Berichte dementiert, wonach die Gewinnschwelle nicht mehr wie geplant im vierten Quartal 2003 erreicht werden könne. Opel-Chef Carl-Peter Forster hatte bereits vor Wochen darauf hingewiesen, dass die Ziele im momentan schwierigen Markt doppelt schwer zu erreichen seien. Er hatte jedoch auch betont: "Wir werden den Turn-around schaffen." Darauf, dass dies noch in diesem Jahr gelingt, wollte Finanzchef Bernhard Lothschütz nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung "keine Garantie" geben.

"Unsere internen Prognosen für das zweite Halbjahr sind eher pessimistisch", sagte ein Sprecher. Um das Ziel des Turn-arounds zu erreichen, seien in der momentanen Marktlage weitere Kostenreduzierungen notwendig. Es gebe allerdings noch keine konkreten Pläne. Am Dienstag erst hatten die Kölner Ford-Werke für 2002 statt schwarzer Zahlen Verluste von 340 Mill. Euro gemeldet - und sich zum laufenden Jahr schon gar nicht geäußert. Bei Daimler-Chrysler wird vor allem das Abschneiden der US-Division über das Erreichen der Ziele entscheiden, bei BMW gibt man sich noch zuversichtlich.

Stärker als die Konkurrenten leidet VW unter der Aufwertung des Euro. Wie bereits im ersten Quartal werden Währungsverluste das Ergebnis im zweiten Quartal um rund 400 Mill. Euro schmälern. In der Vergangenheit hatte VW von seiner im Vergleich niedrigen Absicherungsquote durch Kurssicherungsmaßnahmen profitiert. Inklusive des so genannten "natural hedging", das heißt des Währungsausgleichs durch Produkte, die beispielsweise im Dollar-Raum hergestellt wurden, beträgt die Absicherungsquote des Gesamtrisikos laut Pötsch 66 %. Kurzfristig sei zwar "gar nichts zu machen", doch durch die Verlagerung von Wertschöpfung vor allem nach Mexiko will Pötsch die Quote auf rund 75 % des Gesamtrisikos erhöhen. VW will dazu günstige Gelegenheiten auf dem Währungsmarkt nutzen.

Damit leisten sich die Wolfsburger einen relativ geringen Absicherungsgrad. Die Analysten der Hypo-Vereinsbank schätzen die gesamte Absicherungsquote bei BMW auf 100 %. Bei der Pkw-Sparte von Mercedes-Benz sind mehr als 80 % des nach dem "natural hedging" verbleibenden Kursrisikos abgesichert- doppelt so viel wie bei VW.

Die höhere Absicherung will VW unter anderem dadurch erreichen, dass für den US-Markt außer Beetle und Jetta auch der Bora in Mexiko gebaut und auch nach Europa exportiert wird. Außerdem gibt es bei VW Pläne, einen Kleinwagen in Lupo-Größe in Brasilien für den Export zu fertigen. Außer eigenen Investitionen, so Pötsch, sollen auch die Zulieferer ihre Aktivitäten im Dollar-Raum erhöhen. Vorbild ist der für VW brummende chinesische Markt - die Chinesen binden ihre Währung Renminbi eng an die US-Währung.

Nach hohen Anlaufkosten und Vorleistungen für 20 neue Modelle in diesem Jahr, darunter der neue Golf, der im Herbst auf den Markt kommt, rechnet Pötsch für 2004 mit einer deutlichen Besserung beim Ertrag. Die Herstellungs- und Investitionskosten je Modell seien trotz breiterer Produktpalette deutlich gesunken. Auch das werde sich bereits 2004 positiv niederschlagen. "Das Potenzial wächst nun Jahr für Jahr", so der designierte Finanzvorstand, der das Amt spätestens zum Jahreswechsel übernehmen wird.

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