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Der Streit um die Decoder fürs Digital-TV

Im Kern geht es in der technischen Auseinandersetzung um offene Schnittstellen und den neuen Standard Multimedia Home Platform, der dem Absatz von Decodern für das Digital-TV in Deutschland zum Durchbruch verhelfen soll.

jgo DÜSSELDORF. Zusätzlich zum Empfang der Programmsignale sollen mit MHP auch Dienste wie Homebanking oder Einkaufen vie TV in den Haushalten Einzug halten. Während die Kirch-Gruppe zusagt hat, MHP unterstützen zu wollen, gibt es weiter Streit um die Schnittstelle (api). Die Kirch-Gruppe wendet sich gegen eine strikte Normierung, ist aber nach eigenen Angaben zu Konzessionen bereit.

Unternehmensangaben nach muss vor allem sicher gestellt sein, dass auch andere Boxen die volle Funktionalität der D-Box wie einen Wechsel der Kameraperspektiven für die Formel1-Berichterstattung und Konferenzschaltungen darstellen können. Außerdem müsse die Sperre für den Jugendschutz garantiert sein. Um sich gegen frei empfangbare Anbieter abgrenzen zu können, spielen für bei Premiere World Erotik- und Sexprogramme eine wichtige Rolle, und das Unternehmen will sich keinen Ärger mit den Aufsichtsbehörden einhandeln. Herbert Tillmann, Technischer Direktor des Bayerischen Rundfunks, hält das Argument mit dem Jugendschutz allerdings für "vorgeschoben". Komplizierter seien die Zusatzfunktionen, aber wenn die D-Box sie darstellen könne, sei das auch mit anderen Boxen machbar. Umgekehrt sieht die ARD, die Mitglied in der FUN-Allianz ist, keine Möglichkeit, ihre interaktiven Dienste für das Digital-Angebot so zu programmieren, dass sie auf einer D-Box dargestellt werden können. "Das läuft nicht, und das lässt sich auch beweisen", sagt Tillmann.

Noch vor wenigen Monaten hatte es auf beiden Seiten hingegen nach Entspannung ausgehen. Anfang April teilte die Kirch-Tochter Beta Research auf der Fachmesse Anga in Köln mit, sie sei bereit, Betriebs- und Verschlüsselungssystem auch für andere Decoder als die D-Box zugänglich zu machen. Der Lübecker Hersteller Galaxis Technology präsentierte bereits einen Prototyp, der auch Premiere World empfangen konnte. Doch dabei ist es geblieben. Die Kirchgruppe will Unternehmen, die mit einem fremden Verschlüsselungssystem auf Premiere World zugreifen, "den Staatsanwalt auf den Hals" schicken.

Dabei hat Premiere World neue Kunden bitter nötig. Die Zahl der Abonnenten stagniert, die Kündigungsrate ist hoch, und ob die neue Preisoffensive auf Dauer die Kundenbasis erhöht, ist nicht ausgemacht. Tillmann hofft, dass wirtschaftliche Notwendigkeit alle Beteiligten an einen Tisch bringen wird. "Der Kunde, der heute kein Modul einschieben kann, der ihm den Empfang von Premiere World ermöglichen würde, ist ein Kunde weniger. Ich glaube, dass Kirch irgendwann die Luft ausgehen wird."

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