Der Sturm auf die Festung Detroit hat begonnen
Die großen drei US-Autohersteller verlieren Marktanteile

Vorbei sind die Zeiten, in denen die großen US-Autohersteller General Motors, Ford und Chrysler bestimmen, was US-Bürger fahren und wie viel sie dafür zahlen. Mehr als 80 % des US- Marktes dominierten die "Großen Drei" Mitte der 70er-Jahre. Inzwischen sind es nur noch rund 60 %.

HB NEW YORK. Ausländische Hersteller holen auf, allen voran Toyota. Der japanische Konzern hat in den USA inzwischen 10 % Marktanteil und liegt damit nur noch knapp hinter Chrysler mit 12,6 %. Auch die Europäer spielen eine immer größere Rolle, vor allem die deutschen Luxuswagen-Hersteller BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Audi.

Zu lange haben sich die US-Autoriesen auf ihre Dominanz verlassen und Autos gebaut, die den ausländischen Fabrikaten in Qualität und Design unterlegen waren. General Motors steuert nun gegen: Der Marktführer hat sich Top-Designer von außen geholt und Mitte August den hoch angesehenen Industrie-Veteranen Bob Lutz als Produktionschef angeheuert. Lutz hatte in den 90er-Jahren als zweiter Mann bei Chrysler die Mode der Sport-Geländewagen ins Rollen gebracht und zuletzt Bestseller wie den Dodge Viper und den PT Cruiser entwickelt.

Ausdruckslose GM-Modelle

Doch um den schwerfälligen Riesen General Motors auf Trab zu bringen, muss Vorstandschef Richard Wagoner vor allem die Kultur ändern, dass Entscheidungen in langwierigen Prozessen im Konsens aller Beteiligten zu treffen sind. Kundenwünsche spielten dabei oft eine Nebenrolle - entsprechend nichts sagend sind viele GM-Modelle.

Qualitätsmängel bei Ford

Qualitätsmängel sind eines der größten Probleme der US-Hersteller. Ford- Chef Jac Nasser hat damit leidvolle Erfahrungen gemacht. Erst vergangene Woche musste der zweitgrößte US-Autohersteller mehr als 770 000 Minivans der Marke Windstar zurückrufen. Im August 2000 hatte der Aufsehen erregende 3 Mrd. $ teure Rückruf von fast 20 Millionen Reifen der Marke Firestone den Konzern in eine tiefe Krise gestürzt.

Seit Beginn des Reifenskandals rund um den Geländewagen Explorer jagt eine schlechte Nachricht die nächste. Der Verlust von Marktanteilen in den USA, die anhaltende Ertragsschwäche der japanischen Tochter Mazda und neuerliche Rückschläge in Europa - es brennt an allen Ecken. Vor kurzem musste Ford seine Gewinnprognose auf nur noch 70 Cent je Aktie im laufenden Jahr zurücknehmen. Analysten hatten mindestens mit 1,20 $ gerechnet. "Die Gewinnwarnung von Ford ist ein Zeichen, dass sich die Probleme im Konzern weiter zuspitzen", sagt John Casesa, Analyst bei der Investmentbank Merrill Lynch.

Dass bei Ford weitere Einsparungen bevorstehen, hat der Konzern auch dadurch signalisiert, dass er gerade 6 000 Managern die Jahreszahlungen gestrichen hat. Zuvor hatte er bereits 5 000 Beschäftigte gefeuert. Entsprechend schlecht ist die Moral in der Belegschaft. Der ungeduldige Nasser hat mit seinem Veränderungswillen offenbar viele Ford-Angestellte überfordert.

Noch vor zwei Jahren war Ford der profitabelste Autobauer des Trios aus Detroit und Nasser ein gefeierter Star. Heute spekuliert die Presse über die Entlassung des Ford-Chefs. Alleinherrscher im Konzern ist Nasser ohnehin nicht mehr. Mit Chairman und Familienspross Bill Ford Jr. muss er sich ein Führungsbüro teilen. Zudem hat der Verwaltungsrat mit dem ehemaligen Europa-Chef Nick Scheele einen potenziellen Kronprinzen in die Zentrale geholt.

In einer tiefen Krise steckt auch der kleinste der Großen Drei, die Chrysler-Division des Daimler-Chrysler Konzerns. Ein Rettungsteam aus Deutschland mit dem 47-jährigen Dieter Zetsche und dem 40-jährigen Wolfgang Bernhard an der Spitze soll den tief in die Verlustzone geratenen Autohersteller wieder flott machen. Überkapazitäten und hohe Rabatte hatten dem Unternehmen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres Milliardenverluste eingebracht. In drei bis vier Jahren soll nach dem Willen von Konzernchef Jürgen Schrempp die Wende geschafft sein.

Zurück zur Startseite des IAA-Specials

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%