Der T-Aktie wird eine schwache Kursentwicklung vorausgesagt
Analysten sind über T-Aktie uneins

Nach der rasanten Talfahrt der Aktien der Deutschen Telekom wird dem größten deutschen Börsenwert von Analysten eine schwache Kursentwicklung vorhergesagt.

Reuters FRANKFURT. Nach der rasanten Talfahrt der Aktien der Deutschen Telekom wird dem größten deutschen Börsenwert von Analysten eine schwache Kursentwicklung vorhergesagt. Während einige Fundamental-Analysten nach dem Abschlag von zwei Dritteln vom Allzeithoch bei rund 105 Euro eine Bodenbildung bevorstehen sehen, schließen andere auf Grund von Strategieproblemen im Konzern und der schwachen Verfassung der Aktienmärkte sogar weitere Kursverluste nicht aus. Technische Analysten halten eine Stabilisierung der Aktien für möglich, schätzen aber die unsichere Marktlage als Risikofaktor ein.

Der Technische Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg, Holger Struck, sieht die Telekom-Aktie am Ende ihrer Talfahrt. Zwar sei der Abwärtstrend intakt. Der Ausverkauf habe die Aktie auf Kurse von 35 Euro gedrückt, was einen Verlust von rund 66 % gegenüber dem im März erreichten Allzeithoch von 104,90 Euro bedeute. Struck warnte: "Der jähe Sturz ist allein noch kein Grund, dass die Talfahrt gestoppt wird."

Der Analyst rechnet jedoch damit, dass das jüngst markierte Jahrestief von 34 Euro die untere Grenze der künftigen Handelsspanne darstellen werde, die nach oben bei 40 Euro begrenzt sei. Diese Spanne entspreche dem Kursniveau der Aktien fast über das gesamte Handelsjahr 1999. Es sei daher auf diesem Niveau mit einer starken Unterstützung, sprich einem Nachfrageüberhang, zu rechnen. Die Aktie werde voraussichtlich eine Seitwärtsbewegung vollziehen, sagte Struck. Im November 1999 hatte die Telekom-Aktie einen elfmonatigen Seitwärtstrend nach oben verlassen und im Rahmen der Technologiewerte-Rallye binnen gut drei Monaten Kurse von über 100 Euro erreicht.

Auch die technischen Analysten des Handelshauses Lang & Schwartz halten die Chance für eine Bodenbildung bei der als weitgehend ausgebombt eingeschätzten T-Aktie für gut. Nach dem die Aktie ihr langfristiges Niveau des vergangenen Jahrs wieder erreicht habe, "kann man die Aktie vorsichtig wieder mit Käufer-Augen betrachten", hieß es. Die beim geplanten Kauf des US-Mobilfunkunternehmens Voice-Stream in bar und Aktien vereinbarte Untergrenze von 33 Euro werde voraussichtlich mit Unterstützung von Banken verteidigt. Gegen einen rutschenden Markt werde man diese Marke aber nicht halten können.

Zu der schlechten technischen Verfassung der T-Aktie kommt noch eine schwache Fundamental-Bewertung der Titel hinzu. In einem Bewertungsvergleich des Bankhauses M.M.Warburg schneidet die Telekom bei nahezu allen Unternehmenskennzahlen deutlich schlechter als der Durchschnitt der Dax-Unternehmen ab. Das Gewinnwachstum der Jahre 1999 bis 2002 wird mit minus 41,9 % angegeben, der Dax-Durchschnitt liegt bei plus 19,5 %. Der Cash-Flow der Telekom stieg danach im selben Zeitraum um 6 %, während die Dax-Werte um 10,5 % zulegten. Beim Jahresüberschuss-Wachstum zwischen 1997 und 2002 kommt die Telekom auf minus 28,8 %, die Dax-Werte erreichen plus 2,7 %. Beim Umsatzplus 1997 bis 2002 wird der Durchschnitt der 30 Blue Chips mit 6,5 % erreicht.

M.M. Warburg-Analyst Christoph Vogt erklärt die schlechten Unternehmenszahlen mit den hohen Belastungen aus dem zukunftsträchtigen UMTS-Mobilfunkgeschäft. Dies gelte allerdings branchenweit, sagte Vogt. Die Gewinnschätzungen sähen deutlich besser aus, wenn man Good-Will-Abschreibungen und die milliardenschweren außerordentlichen Erträge berücksichtige. Die Kennzahlen seien das "Worst-case-Szenario". Vogt stuft die Telekom als "Kauf" ein. Negative Nachrichten und die schlechte Ergebnissituation seien in den Kursen eingepreist, während der Wert der margenträchtigen T-Systems-Sparte mit Debis Systemhaus noch nicht vom Markt erkannt worden sei. Auch er glaubt nicht, dass die Übernahme von VoiceStream am Aktienkurs scheitern wird.

Marcus Schmitz, Analyst bei der Bank Hauck & Aufhäuser, sieht die T-Aktie inzwischen vor allem unter der allgemeinen Marktschwäche leiden. "Die jüngsten Abschläge sind nur noch von der schwachen Lage am Aktienmarkt verursacht worden." Kurzfristig sei das Kurspotenzial wegen der zerstörten Stimmung zwar gering. Ihren fairen Wert von rund 62 Euro werde die T-Aktie in zwölf Monaten wieder erreichen. Dazu müsse die Telekom aber auch ihre Expansionsstrategie klären und in ihren Wachstumsektoren schwarze Zahlen schreiben.

Der Telekom-Analyst beim Bankhaus Merck, Finck & Co., Theo Kitz, erwartet weiteres Potenzial für die T-Aktien nach unten und allenfalls seitwärts. Während die geplante Übernahme von Voice-Stream näher rücke, werde der Kurs derzeit von den Management- und Strategie-Problemen bei der Internet-Tochter T-Online belastet. "Solange dort keine Klarheit geschaffen wird, wird der Aktienkurs der Telekom als Muttergesellschaft weiter belastet werden. Für mich bleibt die Telekom Marketperformer.

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