Der T-Mobil-Chef will im deutschen Mobilfunkgeschäft die Nummer eins werden
René Obermann: Ein Studienabbrecher macht Konzernkarriere

Der heute 38-jährige Chef von T-Mobil gehört zu den Pionieren in der deutschen Telekombranche. Schon Mitte der achtziger Jahre gründete er seine Firma ABC Telekom und brach dafür sein Studium ab. 1998 entdeckte ihn Ron Sommer und holte das Talent in den Telekom-Konzern.

BONN. Eigentlich gäbe René Obermann eine gute Werbefigur ab. Er ist groß und schlank, sieht mit seinem braunen Kurzhaarschnitt dynamisch aus, wirkt glaubwürdig und kommt, wie man im Fernsehen sagt, gut rüber.

Doch anstatt für Rasierklingen von Gillette oder den neuen Audi A2 zu werben, hat sich der 38-Jährige für eine Konzernkarriere entschieden. Seit Mai 2000 ist Obermann Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutsche Telekom MobilNet GmbH, kurz T-Mobil.

Geplant war dieser Aufstieg sicher nicht. Nachdem Obermann bei BMW in München Industriekaufmann gelernt hatte, verschlug es ihn nach Münster. Doch das Studium der Volkswirtschaftslehre wurde alsbald zur Nebensache: 1986, in der Aufbruchstimmung der Telekommunikationsbranche, gründete Obermann seine eigene Firma, die ABC Telekom.

Obermann braucht immer eine Herausforderung

Er beginnt, mit Telefonen, Anrufbeantwortern und Kopierern zu handeln. Schon nach einem Jahr hat er die erste Umsatzmillion im Kasten. Der Kundenkreis wächst, und 1990 setzt ABC bereits 20 Millionen Mark um.

Durch das rasante Wachstum seiner jungen Firma zieht Obermann die Aufmerksamkeit von Hutchison Whampoa auf sich. 1991 übernimmt der Hongkonger Konzern die Aktienmehrheit. Aus ABC Telekom wird Hutchison Telecom, aus einem Handelsbetrieb ein Mobilfunk-Service-Provider.

Für René Obermann beginnt die "dritte Ausbildung, mein ganz persönliches MBA-Programm". Als Chef einer kleinen Tochter eines global operierenden Konzerns muss er sich allerdings gewaltig umstellen. Jetzt muss er im großen Stil planen, jeden Schritt analysieren, Aufgaben delegieren und sich an Verluste gewöhnen.

Eigentlich hatte Obermann, verheiratet und Vater von zwei Kindern, nach dem Hutchison-Deal ausgesorgt. "Er könnte noch soviel Geld haben, er würde sich nicht zur Ruhe setzen. Er braucht eine Herausforderung", sagt eine ehemalige Kollegin aus Hutchison-Zeiten.

Ein ungeduldiger Mann mit Wissensdrang und Offenheit

Diese Herausforderung fand er bei T-Mobil. Um D1 ein moderneres Image zu geben, holte sich Telekom-Chef Ron Sommer 1998 zwei Manager von privaten Konkurrenten: den ehemaligen Talkline-Chef Kai-Uwe Ricke, der seit 1. Mai im Telekom-Vorstand sitzt, und Mobilfunkpionier Obermann.

"Er ist einer der wenigen, die sich in allen Bereichen auskennen", sagt Joachim Dreyer, inzwischen Präsident des Verbandes der alternativen Telekom-Anbieter und Mitte der 90-er Jahre zusammen mit Obermann beim Verband der Anbieter von Mobilfunkdiensten (VAM) tätig. Mitarbeiter bescheinigen dem T-Mobil-Chef Wissensdrang und Offenheit, aber auch eine gewisse Ungeduld. "Ich bin nicht immer 100-prozentig ausbalanciert", sagt Obermann selbst. Daran müsse er noch arbeiten.

Obermann gilt als Perfektionist, dem es höchst unangenehm ist, unvorbereitet in eine Besprechung zu gehen. Der, wenn er mal auf einer Pressekonferenz eine Frage nicht ad hoc beantworten kann, Hilfe suchend zu seinen Kollegen schaut.

Zeiten des Wachstums um jeden Preis sind vorbei

Unter Obermann hat T-Mobil in einem Jahr seine Kundenzahl auf heute mehr als 20 Millionen verdoppelt. Nur noch etwa 100 000 Kunden trennen den ewig Zweiten vom Marktführer D2 Vodafone. Dafür subventionierte T-Mobil im vergangenen Jahr den Handy-Verkauf in einem vorher nicht gekannten Ausmaß - selbst, wenn sich der Kunde nicht fest an das Unternehmen band, sondern nur eine so genannte Prepaid-Karte - auf deutsch Guthaben-Karte - kaufte. Doch diese Klientel telefoniert meist deutlich weniger.

Die Zeiten des "Wachstums um jeden Preis" sind vorbei. Höhere Umsätze pro Kunden hat sich Obermann auf die Fahnen geschrieben. "Jetzt kommt es darauf an, die Margen zu verbessern", sagt er. Die jüngste Expansion war trotzdem kein Fehler: "Wir mussten uns für UMTS positionieren und die Marktanteile hoch halten."

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