Der Tag des Herausforderers
Ullrich gewinnt Einzelzeitfahren

Bei der 47 Kilometer langen Etappe von Gaillac nach Cap Decouverte deklassierte Jan Ullrich die Konkurrenz. Vor den Pyrenäen trennen den Bianchi-Fahrer nun nur noch wenige Sekunden von Lance Armstrong.

HB/dpa CAP DECOUVERTE. Jan Ullrich greift bei der 90. Tour de France nach dem Gelben Trikot. Der Toursieger von 1997 feierte am Freitag seinen ersten Sieg in einem Tour-Zeitfahren über Lance Armstrong und kann sich für die kommenden vier Pyrenäen-Etappen jetzt die größten Hoffnungen machen. "Jetzt ist alles möglich", sagte Ullrich, nach dem er als Sieger des Tour-Zeitfahrens Armstrong im Freizeitpark Cap Découverte am Freitag über 47 km sensationell 1:36 Minuten abgenommen hatte. Der vierfache Toursieger aus Texas liegt jetzt im Gesamtklassement nur noch 34 Sekunden vor Ullrich, der zwischen Januar 2002 und März 2003 keine Rennen gefahren war und sich nun in die Rolle des Herausforderers katapultiert hat.

Der Kampf gegen die Uhr wurde auf der 12. Etappe zum großen Duell zwischen Armstrong und Ullrich, das der 29-jährige Olympiasieger überraschend deutlich für sich entschied und dabei seinen insgesamt siebenten Toursieg feierte. Zuletzt hatte er 1998 beim Zeitfahren in Le Creusot gewonnen. "Ich bin jetzt völlig kaputt, aber auch überglücklich und den Tränen nahe. Ich denke jetzt erst Mal nicht an morgen und genieße nur den Augenblick. Ich hätte nicht geglaubt, gewinnen zu können", waren Ullrichs erste Worte nach seiner Super- Vorstellung und dem Vorstoß auf Rang zwei.

Ullrich, der den sonnenüberfluteten Parcours mit zwei Steigungen am Anfang und am Ende vormittags abgefahren war, war vom Start weg förmlich explodiert. Er hatte den zwei Minuten vor ihm gestarteten Ivan Basso (Italien) schon nach 15 km eingeholt, danach war Armstrongs Helfer Roberto Heras (Spanien) fällig. Bei der ersten Zwischenzeit nach 13 km lagen Ullrich und Armstrong bis auf die Sekunde gleichauf. Dann begann Ullrich, sich abzusetzen.

Die heißeste Tour seit Jahren

"Das wichtigste Tour-Zeitfahren in den letzten fünf Jahren" lief für Armstrong alles andere als nach Wunsch. Es könnte ein Fingerzeig für die weitere Tour sein und die Konkurrenten vor den kommenden vier Pyrenäen-Etappen zu weiteren gemeinsamen Attacken animieren. Ullrichs früherer Team-Kollege und Freund Alexander Winokurow (Kasachstan) ist mit 51 Sekunden Rückstand auf Armstrong auf den dritten Platz zurückgefallen. Auf Ullrich verlor der Olympia-Zweite 2:05 Minuten.

Die heißeste Tour seit Jahren setzt den Fahrern weiter besonders zu. Beim Zeitfahren kletterte das Thermometer im Ziel, wo früher im Tagebau Kohle gefördert wurde, auf 38 Grad im Schatten. Obwohl die klimatischen Verhältnisse dem Kolumbianer Santiago Botero entgegen gekommen sein müssten, konnte der Telekom-Neuling nicht wie im Vorjahr beim ersten Zeitfahren überraschen. Der Zeitfahr-Weltmeister, der bisher bei der Tour den Besten auf jedem Terrain hinterherfährt, landete in 1:03,32 Stunden abgeschlagen. Im Vorjahr hatte er Armstrong geschlagen und sich den Etappensieg geholt. Das war die einzige Zeitfahr-Niederlage für den Texaner seit seine Siegesserie bei der Tour 1999 begann.

Der Berliner Uwe Peschel, Zeitfahr-Spezialist von Gerolsteiner, hatte mit 1:01,58 lange die Bestzeit gehalten und wurde Sechster. "Ich habe die Alpen ganz schön in den Beinen gespürt, trotzdem bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Der Parcours hat mir sehr gut gefallen. Man musste aber permanent Druck auf die Pedalen geben - an keiner Stelle ist es von alleine gerollt", sagte der WM Dritte von 1995.

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