Der Technik-Vorstand der Deutschen Telekom
Tenzer: Der Mann aus der zweiten Reihe

Die Vorteile von DFS 3 gegenüber DFS 2 kann er ganz genau auseinander dröseln. Er kann erklären, wie man am besten ein Overlay-Netz konstruieren sollte. Und warum sich optische Anschlussleitungen nicht auf Anhieb mit der DSL-Technik vertragen. Kupferdoppeladern und Zehn-Megabit-Systeme, Euro-ISDN und Add/Drop-Multiplexer - das ist die Welt des Gerd Tenzer.

DÜSSELDORF. Nicht umsonst nennt man den Technik-Vorstand der Deutschen Telekom auch den "Herrn der Netze". Wenn es ihn nicht gäbe, würde wahrscheinlich das ganze Netz zusammenbrechen, sagen Telekom-Mitarbeiter augenzwinkernd. "Fakt ist aber: Keiner kennt die Technik so gut wie Tenzer", sagt einer, der den 58-Jährigen schon seit seiner Zeit beim Postministerium kennt.

Jetzt soll Gerd Tenzer möglicherweise an eine ganz andere Front: Er könnte Nachfolger von Telekom-Chef Ron Sommer werden - zumindest wenn es nach dem Willen einiger Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat geht. Ob sie sich mit diesem Vorschlag durchsetzen, ist noch offen. Fest steht nur so viel: Tenzer wäre nicht die 1A-Wahl, sondern eher eine Verlegenheitslösung.

Seine Verdienste und Leistungen als Technik-Vorstand stellt dabei keiner in Frage. Er sei ein harter Verhandlungspartner und das "technologische Gewissen der Telekom", sagt Siemens-Chef Heinrich von Pierer. Und auch als Person ist der hagere Zwei-Meter-Mann mit dem Schmiss auf der Wange den meisten Telekom-Mitarbeitern wesentlich sympathischer als Sommer.

Im gleichen Atemzug sagen aber selbst Telekom-Beschäftigte, die als Tenzer-Anhänger gelten: Er sei kein Visionär; er spreche nicht die Sprache der Finanzmärkte; er sei keiner, der der T-Aktie auf die Beine helfen könne. Selbst ihnen fällt es offenbar schwer, sich vorzustellen, wie der Nachrichtentechnik-Ingenieur die Analysten umgarnt und die Fondsmanager von sich einnimmt, die Kleinaktionäre beruhigt und internationale Deals in großem Stile einfädelt.

Tenzer ist einer von der alten Garde. Der Mann mit dem SPD-Parteibuch hat beim Bundespostministerium gearbeitet und bei der alten Bundespost, bevor die in Post und Telekom aufgespalten wurde. Schon damals war er der Techniker, der souverän mit sperrigen technischen Bezeichnungen jonglieren kann, aber außerhalb seines Fachbereichs eher unsicher und linkisch wirkt. Sobald die Kamera auf ihn gerichtet ist, wird er - ganz im Gegensatz zu Ron Sommer - steif und hölzern.

Dennoch: Er galt schon einmal als Kronprinz bei der Telekom. Die Hoffnungen auf die Spitzenposition hat Tenzer aber spätestens vor etwa einem Jahr begraben, als Sommer ihn zurück in die zweite Reihe schickte: Der Telekom-Chef baute seinen Vorstand um, entzog die Verantwortung für das klassische Festnetzgeschäft Tenzers Einfluss und gab es seinem Spezi Josef Brauner.

Inzwischen haben Sommer und Tenzer eine Art Burgfrieden geschlossen. "Die Fabrik", wie Sommer die technischen Plattformen und Netze seines Unternehmens durchaus respektvoll nennt, muss eben laufen - das geht nicht ohne Tenzer. Er ist zudem ein Mann, den man bei politisch heiklen Geschäften wie dem Teilverkauf der TV-Kabelnetze vorschicken kann - es gibt also genug Gründe für Sommer, Tenzer im Vorstand zu halten. Auf der persönlichen Ebene sind die beiden aber nie warm miteinander geworden. Und wenn sie auf der gleichen Veranstaltung auftauchen, hält Tenzer sich abseits.

Als zwei Telekom-Vorstände Sommer in der vergangenen Woche öffentlich den Rücken stärkten, sprachen sie im Prinzip für den gesamten Vorstand. In dem achtköpfigen Gremium ist jedoch Tenzer nach seinen Sommer-Erfahrungen derjenige, der am wenigsten Grund hat, sich mit dem Telekom-Chef solidarisch zu erklären. "Wenn Tenzer das Angebot zur Sommer-Nachfolge annimmt", heißt es aus dem Telekom-Umfeld, "könnte er zum Königsmörder werden." Eine späte Rache für einen, der gute Arbeit geleistet hat und in die zweite Reihe abgeschoben wurde.

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