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Der Todesstoß

Microsoft-Gründer Bill Gates ging es ums Prinzip. Er wolle sich "nicht das Recht auf Innovation verbieten" lassen, beharrte er trotzig gegenüber US-Staatsanwälten, die nachdrücklich eine Entflechtung von Betriebssystem und Internet-Browser forderten.
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Am Ende kassierte Microsoft für seine rabiaten Methoden, die Browser-Konkurrent Netscape das Genick brachen, die Verurteilung als Monopolist - und gleichzeitig die Vorherrschaft über den Browser-Markt. Rund 90 Prozent aller Internetnutzer surfen inzwischen mit dem Internet-Explorer von Microsoft. Damit kann Gates nicht nur im PC-Geschäft, sondern zunehmend auch im Internet bestimmen, was innovativ ist und was nicht.

Jüngstes Opfer der Microsoft-Innovationspolitik ist das Silicon Valley Unternehmen Realnames, das einen recht nützlichen Service für das Navigieren im Internetdschungel offerierte. Statt langer Internetadressen benutzte Realnames Kennwörter oder Produktnamen wie BMW X-5 , die in die Browser-Adressezeile eingetippt, sofort zur gewünschten Seite führten. Realnames Aufstieg schien besiegelt, als dessen Gründer Keith Teare im Frühjahr 2000 mit Microsoft vereinbarte, den Service in den Internet-Explorer zu integrieren. Dann kam der Dot.com-Niedergang, der Börsengang platzte und Teare hatte kein Geld mehr, um die vereinbarten 25 Millionen Dollar an den Softwaregiganten zu überweisen. Am 7. Mai teilte Microsoft-Manager Teare dann mit, der Vertrag mit Realnames werde nicht verlängert.

Das war der Todesstoß, denn die 100 Millionen Dollar Risikokapital, die Realnames für den Aufbau des Unternehmens eingesammelt hatte, sind längst aufgebraucht, sodass die Möglichkeit, den Service selbstständig zu vermarkten, ebenfalls verbaut ist. Wenn Microsoft jetzt, wie Teare befürchtet, einen ähnlichen Service entwickelt, erhärtet sich der Verdacht, dass es nur darum ging, einen Konkurrenten auszuschalten. Dabei beschwört Microsoft-Chef Steve Ballmer neuerdings immer wieder die Notwendigkeit, ein Vertrauensverhältnis zu seinem Partner aufzubauen. Warum hat Microsoft eigentlich so ein schlechtes Image, fragte jüngst Microsoft-Deutschland-Chef Kurt Sibold. Ja, warum nur?

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