Der Trainingscoach am Handgelenk misst den Puls und Kalorienverbrauch: Sportuhren bestimmen das Tempo

Der Trainingscoach am Handgelenk misst den Puls und Kalorienverbrauch
Sportuhren bestimmen das Tempo

Wer beim Lauftraining auf sein Herz hört, erreicht die Trainingsziele schneller und lebt gesünder. Immer mehr Jogger setzen daher auf Pulsuhren, die während des Laufs die Herzfrequenz messen und vor einer Überanstrengung warnen. Komfortable Modelle messen sogar den Kalorienverbrauch und die zurückgelegten Kilometer.

DÜSSELDORF. Fett verbrennen, Kondition verbessern, Muskeln aufbauen - ohne den richtigen Puls ist das eine unnötige Kraftanstrengung. Denn wer sich selbst überfordert, läuft am Ziel vorbei. Um den Puls auf das Trainingsziel abzustimmen, greifen daher immer mehr Sportler zu Pulsuhren. Zur Freude der Hersteller: Insgesamt wurden bisher knapp zweieinhalb Millionen Geräte verkauft. Marktführer ist der finnische Hersteller Polar Electro. Das Unternehmen hat Anfang der 80er-Jahre das erste drahtlose Modell auf den Markt gebracht. Davor war die Messung der Herzfrequenz nur verkabelt auf dem Laufband möglich, wie man es vom Belastungs-EKG beim Arzt kennt.

Inzwischen ist das Angebot vielfältig und die Preisunterschiede sind groß. Zwischen 25 Euro im Discounter und fast 200 Euro für das High-Tech-Modell im Fachhandel kosten die Uhren. "Die Discountpreise von Aldi und Lidl haben den Markt geöffnet. Seitdem steigen unsere Umsätze jährlich um ein Viertel", sagt Ewald Hartmann, Vertriebsleiter beim High-Tech-Hersteller Ciclo-Sport, der nach eigenen Angaben vom Billigboom profitiert. Die hochpreisigen Uhren bieten allerlei Zusatzfunktionen: Neben Kalorienverbrauch und Fettverbrennung kann der Läufer sogar per Satellitenortung via GPS bestimmen, wohin er sich verlaufen hat.

Die drahtlosen Modelle von Polar der M-Serie (ab etwa 130 Euro) errechnen sogar die Tagesform. "Die Pulsuhr misst dazu am Handgelenk die Ruhefrequenz des Herzens und ermittelt in Kombination mit Alter, Geschlecht und Gewicht einen Wert, der die Tagesform widerspiegelt", erläutert Harald Bajohr, Pressereferent bei Polar Electro Deutschland. Teuerstes Modell von Polar ist S810 i für knapp 399 Euro. Mit dieser Uhr kann der ambitionierte Läufer nicht nur während des Joggens seine Daten aufzeichnen, sondern sie auch nachher per Infrarot-Schnittstelle auf den PC übertragen und von einer Software auswerten lassen.

Beim Konkurrenzmodell "CP41" aus dem Hause des Elektronikherstellers CicloSport für 199,90 Euro sind drei Herzfrequenzpläne programmierbar, die sich vor dem Lauf in ihren Grenzen einstellen lassen. Für die Kontrollfreaks unter den Läufern: Die Uhr lässt sich für weitere 199 Euro sogar mit dem Geschwindingkeitsmesser "Ciclo-RDS" verbinden. Dieser zeigt dann die aktuelle Geschwindigkeit und die gelaufenen Kilometer an. Der 65 Gramm schwere Geschwindigkeitsmesser wurde von Siemens entwickelt.

Was den Laien jedoch begeistert, wird von Fachleuten eher skeptisch beurteilt: "Viele der Zusatzfunktionen sind überflüssig und messen oft falsche Werte. Für Freizeitläufer reicht allemal ein einfacher Pulsmesser für unter 100 Euro", sagt Ramin Vafa Laufexperte an der Sporthochschule Köln über die High-Tech-Ware. Der Sportwissenschaftler hat die Qualität der Pulsuhren im Lauftraining getestet.

Die Pulskontrolle ist nach Ansicht von Ramin Vafa gerade für den Hobby-Läufer wichtig: "Menschen, die nur selten Sport machen, überschätzen sich leicht und erreichen genau das Gegenteil", erklärt Vafa. Doch wer beim Training auf sein Herz hört, erreicht die Trainingsziele schneller und gesünder. Voraussetzung ist allerdings, dass der Läufer seine individuellen Pulswerte kennt. Die Faustformel lautet: Die Herzfrequenz sollte den Wert von 220 minus Lebensalter nicht überschreiten.

"Der einzelne Läufer kann aber von diesen Durchschnittswerten abweichen", erklärt Ramin Vafa. Deshalb sagt der Puls allein auch nichts über die Leistungsfähigkeit aus. Sportwissenschaftler wie Vafa untersuchen zusätzlich die Laktatwerte im Blut und das Verhältnis von Sauerstoff und Kohlendioxid im Atem des Läufers. Denn wenn der Laktatwert ansteigt, ist das ein Anzeichen dafür, dass die beanspruchte Muskulatur nicht genügend mit Sauerstoff versorgt wird. Auf Basis dieser Werte legen sie dann obere und untere Pulsgrenze für das jeweilige Trainingsziel fest. Um den Puls zu messen reicht dann auch eine günstige Uhr.

Doch auch bei Modellen, die lediglich Uhr, Stoppuhr und Pulsmesser haben, gibt es große Preisunterschiede. Aldi und Lidl hatten im vergangenen Jahr bereits Pulsmesser für 25 Euro im Programm. Laufbegeisterte sollten darauf achten, dass das Display beim Laufen gut lesbar ist und der Pulsmesser nicht stört. Gemessen wird die Herzfrequenz in zwei Varianten: entweder über einen Brustgurt oder direkt über das Armband am Handgelenk. Frauen sollten überprüfen, ob Gurt und Armband in der Größe verstellbar sind. Sinnvoll ist ein Alarmton, der warnt, wenn der Läufer seine ideale Herzfrequenz überschreitet.

Auch die Übertragungstechnik kann wichtig sein: Manche der billigen Geräte arbeiten nicht mit Digitaltechnik und können von Hochspannnungsleitungen, aber auch den Pulsmessern der Mitläufer gestört werden. Wer auf diese Merkmale achtet, macht auch mit einem günstigen Produkt einen guten Kauf. Statt 200 Euro und mehr für eine teure High-TechPulsuhr zu bezahlen, kann es sich lohnen, das Geld in einen Laktattest und individuellen Trainingsplan zu investieren - Kostenpunkt 175 Euro.

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