Der Transrapid als Anti-Stau-Idee für Nordamerikas Ballungsgebiete
Steigende Chancen für den Transrapid in den USA

Das Vorhaben, in den Vereinigten Staaten mehrere Transrapidstrecken zu bauen, scheint Gestalt anzunehmen. An die Vergabe der Maglev-Milliarde an Transrapid International TRI, dem die deutschen Unternehmen Thyssen Krupp, - Siemens und Adtranz angehören, sind allerdings einige Bedingungen geknüpft: So werden maximal zwei Drittel der Baukosten übernommen, ein erheblicher Teil der Bauleistung muss in den USA erbracht werden. Zudem muss auf der Strecke eine Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern erreicht werden, und ein erheblicher Anteil der Bauleistung in den USA selbst erbracht werden.

HB WASHINGTON. Die Diagnose, die Rodney Slater über den Zustand des amerikanischen Verkehrssystems anstellt, ist kurz und bündig. "Nach der jahrelanger Konzentration auf den Ausbau der Straßen und Flughäfen stoßen wir einfach an Grenzen des Machbaren", sagte der US-Transportminister gegenüber dem Handelsblatt. Deshalb müssten die Massenverkehrssysteme am Boden wiederentdeckt werden, vor allem für Verbindungen zwischen Städten und Flughäfen. Und ein Mittel, daran lässt Slater keinen Zweifel, soll die Magnetschwebebahn-Technik aus Deutschland sein. "Wir wollen sie hier in den USA verwirklichen."

Nun klafft zwischen amerikanischer Begeisterungsfähigkeit für neue Technologien und der Realisierung kühner Pläne oft eine Lücke. Aber tatsächlich sind die Chancen auf einen Transrapid-Einsatz in den USA erheblich gewachsen, seit die US-Regierung 1998 in der Haushaltsplanung 1 Mrd. $ für das amerikanische "Maglev"-Programm verankert hat.

Kürzere Bauabschnitte sollen finanzielle Risiken minimieren

Ein Vorteil bei allen amerikanischen Planungen ist zudem, dass ein entscheidender Fehler der deutschen Planung bewusst vermieden wurde. Hierzulande ist der Bau der Strecke Hamburg - Berlin letztlich daran gescheitert, dass niemand die damit verbundenen finanziellen Risiken einer solch langen Verbindung tragen wollte. In allen sechs US-Projekten, die auf die Transrapid-Technologie setzen, ist zunächst nur der Bau eines wesentlich kürzeren Abschnittes von etwa 40 bis höchstens 100 Kilometer vorgesehen. Das macht Investitionen überschaubarer.

Zeitplan wackelt angesichts der bevorstehen Kongresswahlen

Eigentlich sollte in Washington bereits Mitte dieser Woche die Entscheidung fallen, welche der bisher mit 50 Mill. $ geförderten Projekte die größten Aussichten haben, die restlichen 950 Mill. $ für das "Maglev"-Projekt zu erhalten. Doch jetzt wackelt der Zeitplan angesichts der bevorstehenden Kongresswahlen. Denn zur Zeit überwiegt die Sorge vieler Senatoren, eine Ablehnung eigener Projekte könnte ihren Wahlkampf gefährden. Deshalb hat der Kongress zunächst weitere 25 Mill. $ für die Weiterentwicklung der Projektstudien freigegeben. Damit droht zwar der straffe Zeitplan zu kippen, der bereits für März 2001 die Festlegung der US-Regierung auf ein zu finanzierendes Projekt vorsah. Aber traurig ist man darüber nicht einmal bei Transrapid International (TRI), in dem die deutsche Unternehmen Thyssen Krupp, - Siemens und Adtranz ihre Interessen gebündelt haben. Denn mittlerweile wird es als sinnvoller angesehen, die Zuschüsse ähnlich wie in Deutschland auf zwei gleichzeitig startende Projekten zu verteilen - schon weil dies im US-Kongress eine größere Chance auf eine Freigabe der Maglev-Gelder garantiert.

Die Strecke Washington-Baltimore hat Priorität

Intern werden vier Projekten die größten Chancen eingeräumt. Dazu gehört die Verbindung der Städte Washington mit Baltimore - nicht zuletzt wegen Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2012. Die knapp 2 Mrd. $ teure Strecke könnte später das Kernstück einer Route im Ballungsgebiet entlang der Ostküste sein. An der Westküste soll zum einen Las Vegas mit dem 60 Kilometer entfernten Ort Primm an der Grenze Nevadas zu Kalifornien verbunden werden, der Ausweichquartiere für die steigende Zahl von Besuchern der Spielerstadt bietet. Zudem wird eine Anbindung von Los Angeles (LA) mit den schnell wachsenden Flughäfen favorisiert. Die größte politische Unterstützung im Kongress hat daneben die vorgeschlagene Anbindung der Stadt Pittsburgh mit dem Flughafen der Stadt. Ebenfalls als Flughafenverbindung wird eine Transrapid-Strecke zwischen Atlanta und Chattanooga sowie eine weitere in New Orleans vorgeschlagen.

USA hoffen auf den Bau einer Referenzstrecke in Deuschtland

Die Vergabe der Maglev-Milliarde durch die US-Bundesregierung ist dabei an mehrere Bedingungen geknüpft. So werden maximal zwei Drittel der Baukosten übernommen, ein erheblicher Teil der Bauleistung muss in den USA erbracht werden. Zudem muss auf der Strecke eine Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern erreicht werden, und ein erheblicher Anteil der Bauleistung in den USA selbst erbracht werden. Transrapid-Befürworter erwarten, dass nach dem nun unterzeichneten deutsch-amerikanische Kooperationsabkommen der Kongress die Maglev-Milliarde kaum noch wieder streichen könnten. Nach wie vor hofft man in Washington aber auf den Bau einer Referenzstrecke in Deutschland selbst. "Denn das Risiko, in eine neue Technologie zu investieren, ist nach wie vor sehr hoch", betont Mortimer Downey, stellvertretender US-Verkehrsminister.

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