Archiv
Der Traum von Sustainable Venture Capital

Wagniskapital war für die Internetfimen wie eine Droge. Jetzt sind viele auf Entzug.

Venture Capital ist Erwartungskapital: Die Erwartung liegt darin, mit der Investition in kurzer Zeit hohe Rendite zu erzielen. Für viele Internetfirmen war Venture Capital zugleich wie eine Droge. Hatten sie eine Finanzierungsrunde hinter sich, mussten sie die Voraussetzungen schaffen, sich für die nächste zu qualifizieren. Das aber schafften die Firmen nur, wenn sie sehr schnell expandierten. Das war auch die Erwartung der Geldgeber. Schließlich honorierte die Börse, die die Schützlinge dann aufnehmen sollte, in erster Linie das schnelle Wachstum.

Auf der Internet World im vergangenen Jahr war die Stimmung schon etwas nachdenklicher. Am 11. Mai, knapp zwei Wochen vor dem Start der großen Jubelschau in Berlin, hatte der Modehändler Boo.com aufgegeben. 135 Millionen Dollar hatte das Experiment verschlungen. Auch sehr erfahrene Wagniskapitalgeber-bei Boo.com waren natürlich immer die anderen eingestiegen- sagten: Einige Unternehmen bleiben eben auf der Strecke, das war immer klar.

Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass selbst die Börsennotierung den Internetfirmen wenig Sicherheit bietet. Wer so schnell, wie die Geldgeber wollten, gewachsen ist, laviert heute nicht selten am Rande des Abgrundes. Was helfen Entlassungen, wenn das Geschäftsmodell auf Größe ausgelegt war: Der Verlust sinkt, der Umsatz aber meist auch.

Zurzeit sieht es so aus, als hätten es Internetfirmen, die sich nicht auf Wagniskapital und Anlegergeld eingelassen haben, leichter. Uwe Rosenhahn, Chefredakteur bei der Netzquadrat GmbH, die mit Telefontarif-Tabellen (billiger-telefonieren.de) angefangen hat und heute auch mit dem Versand von SMS Geld verdienen will, erinnert sich noch gut an die Boom-Zeit im vergangenen Jahr. Berater, Geldgeber, sie alle hätten mit dem Traum vom großen Reichtum für den schnellen Börsengang geworben.

Netzquadrat verzichtete auf das Erwartungskapital. War das ein Fehler? Heute seien alle froh, sich nicht auf Venture Capital eingelassen zu haben, sagt Rosenhahn. Es habe dem Unternehmen immer geholfen, auch die Missgriffe etwa den missglückten Start einer eigenen Telefontarif-Zeitschrift aus eigenen Mitteln zu bezahlen. Taugt Venture Capital auch für solides Wachstum der Internetfirmen? Wer kann es sich leisten, eine Krise auszusitzen? Auf der Internet World in dieser Woche werden die Geldgeber auf diese Fragen überzeugende Anworten finden müssen. Eine Studie zeigte immerhin, dass Unternehmen mit Wagniskapitalfinanzierung an der Börse in der Regel besser abschneiden. Aus dem Internetsektor allerdings stammten die Positivbeispiele nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%