Der Umbau des Traditionsunternehmens steht an
Hohe Erwartungen an neuen Bayer-Chef Wenning

Für Werner Wenning ist es nach eigenen Worten ein Traum, der am Freitag in Erfüllung geht. Ziemlich genau 36 Jahre nach seinem Antritt als Lehrling bei Bayer, übernimmt er mit dem Ende der Hauptversammlung von Manfred Schneider das Amt des Vorstandsvorsitzenden bei dem Chemie- und Pharmakonzern.

reuters LEVERKUSEN. Unter seiner Führung wird sich das Traditionsunternehmen künftig neu aufstellen. Der Umbau in eine strategische Holding mit selbstständigen operativen Einheiten ist bereits im Gange. Am Freitag sollen die Aktionäre der Neuorganisation des Chemie- und Pharmakonzerns zustimmen.

Finanzvorstand Wenning gehört bereits zu den Vätern der neuen Struktur. Branchenkenner sagen, er habe sie stärker geprägt als Schneider selber. "Wir wollen die Unternehmenskultur bei Bayer verändern", hat er sich auf die Fahne geschrieben. Wenning will mehr "Unternehmertum" in den Geschäftsbereichen einführen. Kurze Entscheidungswege sollen flexibleres Handeln ermöglichen. Der Holding-Vorstand will sich nach dem Umbau nicht in operative Entscheidungen einmischen.

Keine Scheu vor harten Maßnahmen

Wenning eilt der Ruf voraus, härter durchzugreifen und ungeduldiger zu sein als Schneider. "Wenn das Geschäft schlecht läuft, werde ich wenig Zeit haben, ihm zu erklären warum", sagte einer der führenden Bayer-Manager über seinen neuen Chef. Bei Pannen rechnet er deshalb künftig mit einem schnelleren Austausch des Managements.

Auch den vielen unterschiedlichen Geschäftsfeldern fühle sich Wenning weniger verbunden als sein Vorgänger, heißt es in der Führungsmannschaft. "Was keine Rendite bringt, wird Wenning leichter abstoßen als Schneider." Wenning selber betonte vor dem Amtswechsel: "Wir müssen unsere Performance erheblich steigern. Diesem Ziel hat sich letztlich alles unterzuordnen." Das sind Sätze, die bei Analysten gut ankommen. "Unser Eindruck von ihm ist sehr positiv - er ist entschlossen und handlungsorientiert", heißt es denn auch in einer Studie von UBS Warburg. Analysten sehen den Wechsel überwiegend positiv und haben große Erwartungen an den neuen Vorstandschef. Der Konzern müsse renditeorientierter und flexibler werden, fordern sie seit Jahren. Einigen geht der vorgestellte Umbau dafür jedoch nicht weit genug.

Vom Bayer-Lehrling zum Vorstandsvorsitzenden

Wenning hat früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Schon als Schüler muss er nach dem Tod des Vaters Geld für die Familie dazuverdienen. Nach der Lehre bei Bayer zum Industriekaufmann wird ihm zügig angeboten, nach Peru zu gehen, um dort das Finanzwesen einer neuen Firma aufzubauen - als zunächst einziger Mitarbeiter des Unternehmens. Der heute 55-Jährige bleibt insgesamt zehn Jahre - zuletzt als Geschäftsführer - in Peru, unterbrochen von drei Jahren in der Revision der Bayer-Zentrale.

Es folgen leitende Positionen in den Bereichen Gesundheit und Kunststoffe sowie ein Jahr bei der Berliner Treuhandanstalt im Rahmen des Management-Transfers. 1992 geht Wenning erneut ins Ausland und wird Geschäftsführer der Spanien-Aktivitäten. Zurück in Leverkusen übernimmt er zunächst die Leitung des Konzernbereichs Konzernplanung und Controlling, bevor er 1997 als Finanzchef in den Bayer-Vorstand berufen wird. Nach der Hauptversammlung am Freitag rückt er an die Konzernspitze.

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