Der Umbau vom Reifenhersteller zum Systemzulieferer geht in die nächste Runde
Continental will Töchter zu Geld machen

Der nächste Schritt beim Umbau des Continental-Konzerns steht bevor. Nach dem Einstieg des Reifenherstellers ins Fahrwerksgeschäft sind nicht nur weitere Käufe zu erwarten, der Konzern wird sich auch von zahlreichen Töchtern trennen. So soll das Geld hereinkommen, das beim jetzigen Aktienkurs an der Börse nicht zu holen ist.

HB DÜSSELDORF. Die Continental AG, Hannover, wird sich von einem ihrer verlässlichsten Ertragsbringer trennen. Noch gebe es keinen Beschluss, sagte Vorstandsvorsitzender Stephan Kessel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Aber er ließ keinen Zweifel daran, dass der größte Teil der ContiTech mit 15 000 Mitarbeitern auf Dauer keinen Platz mehr im Konzern hat. Von den rund 1,7 Mrd. DM Umsatz, die dort mit technischen Kautschukprodukten gemacht werden, zählt Kessel nur 330 Mill. Euro zum Kerngeschäft.

Die Verkaufserlöse werden dazu dienen, die Fahrwerkstechnik als neuen Kern zu stärken. Konkrete Pläne gibt es für die in der Conti-Tech zusammengefassten Mittelständler offenbar noch nicht. Kessel sieht keinen Zeitdruck, da die Unternehmen größtenteils gute Renditen bringen. "Es wird gar nicht so einfach sein, den angemessenen Preis zu bekommen", sagte Kessel. In der Zwischenholding sind unter anderem Hersteller von Förderbändern, Dachhimmeln und Schläuchen zusammengefasst.



Hamburger Phoenix AG zeigt Interesse

In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat ContiTech mit 1,3 Mrd. Euro knapp 4 % mehr umgesetzt als im gleichen Vorjahreszeitraum, das operative Ergebnis (Ebit) stieg um 12 % auf 113 Mill. Euro. Ein möglicher Käufer, die Hamburger Phoenix AG, horchte bereits auf. "Wir beobachten die Entwicklung mit Interesse", hieß es.

Verstärken will sich Continental vor allem in den Bereichen Elektronik und Fahrwerksdämpfung. Namen behält Kessel weiter für sich, aber ein Kandidat mit Elektronik-Know-how ist schwer zu übersehen: Bei der Daimler-Chrysler-Tochter Temic ist der Conti-Konzern schon heute mit Abstand größter Kunde. Die Signale dazu sind widersprüchlich: Nachdem bei Temic im Frühjahr von Verkaufsplänen die Rede gewesen war, dementierte der Mutterkonzern sofort. Zu Gerüchten, der einst auch von Conti umworbene Stoßdämpfer-Spezialist Mannesmann Sachs sei nach dem Verkauf an Bosch und Siemens wieder zu haben, äußerte sich Kessel nicht.



"Kauf des Bremsenspezialisten Teves war Kraftakt"

Kessel sieht zwischen dem Unternehmenskauf und dem Alleingang allerdings auch "jede Menge Mittelwege", um das Know-how in den neuen Geschäftsfeldern zu bekommen. Dem Kaufdrang würde im Moment ohnehin die Finanzkraft Grenzen setzen, denn der Kauf des Bremsenspezialisten Teves vor zwei Jahren für 1,8 Mrd. Euro war bereits ein Kraftakt. Der aktuelle Aktienkurs von weniger als 17 Euro verbietet zudem Gedanken an eine Kapitalerhöhung. Kessel: "Mir können bei dem Kurs die Tränen kommen". Die Gefahr, übernommen zu werden, sieht der Conti-Chef aber nicht. Wer den Konzern haben wolle, um ihn zu zerlegen, der finde interessantere Objekte. Und wer strategisch zukaufen wolle, der werde auf den Widerstand der Autoindustrie stoßen: "Die wollen diese Conti so wie sie ist."

Trotz des schwachen Aktienkurses hat sich der Strategiewechsel des Reifenherstellers vor zwei Jahren nach Kessels Überzeugung bewährt. Schon der jüngste Neunmonatsbericht habe gezeigt, dass das neue Geschäftsfeld Fahrwerkssteuerung ein gutes Gegengewicht zum umkämpften Reifengeschäft bilde. Trotz eines schwachen Reifenmarktes blieb der Gewinn konstant. Es gehe aber nicht um Diversifikation. Conti werde sich als Systemzulieferer der Autoindustrie aufstellen. "Das Thema Chassisregelung hat gerade erst begonnen", sagte Kessel. Nach den Unfällen großer Geländewagen in den USA beginne dort eine Diskussion um die Fahrsicherheit. Die Folge werde der Einbau elektronischer Steuerungen wie ESP sein, bei denen die Conti-Tochter Teves zu den größten Anbietern zählt.

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