Der unermüdliche Antreiber
Profil: Stephan Schambach von Intershop - Shootingstar der Internet-Branche

Der Mitbegründer und Chef der ostdeutschen Internetfirma Intershop Communications gilt als Shootingstar der Branche. Er hält die Angst vor Killerviren und den jüngsten Kurssturz der Aktie für überzogen.

So ein Killervirus wie "I love you" erschüttert einen Mann wie Stephan Schambach allenfalls für Augenblicke. Dann wird ihm auf einmal klar, wie dünn das Eis ist, auf dem er sich bewegt. Doch schnell gewinnt wieder der Optimist in ihm die Oberhand. Dieses unerschütterliche Selbstbewusstsein hat den 29-jährigen Studienabbrecher zu einem der international erfolgreichsten Software-Manager gemacht.

Praktisch aus dem Nichts hat Schambach seine Intershop Communications in sechs Jahren zu einem global operierenden Unternehmen ausgebaut, das Computer-Programme für Internet-Kaufhäuser anbietet und an der Börse bereits über sieben Milliarden Euro wert ist.

Schambach, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern seit drei Jahren in Kalifornien lebt, will Intershop in die Top Ten der Software-Branche führen. "In vier Jahren wollen wir so groß sein wie SAP", sagt er, als wenn das nichts wäre. Bei Finanzanalysten und Investmentbankern kommt er damit prima an: Die Intershop-Aktie zählt auch nach den jüngsten Kursverlusten zu den Stars am Neuen Markt.

Nicht nur Intershop ist längst keine Garagenfirma mehr, auch Schambach hat sich verändert. Um erfolgreich zu bleiben, "muss Intershop jedes Jahr neu erfunden werden", hämmert der Gründer und Vorstandsvorsitzende seinen Leuten ein. Eine Organisation, warnt er, sei nie perfekt. "Wir müssen offen bleiben für Veränderungen." Drei Jahre nach seinem Umzug nach San Francisco verkörpert Schambach schon fast perfekt jene Art von Professionalität, wie sie die Amerikaner lieben: verbindlich, zupackend, dabei beherrscht bis in die Fingerspitzen.

Niemand sei unersetzlich, auch er selbst nicht, sagt er kühl. Der Aufsichtsrat von Intershop - mit dem ehemaligen Compaq-Chef Eckhard Pfeiffer an der Spitze - ist hochkarätig besetzt. Und letztlich entscheide der Aufsichtsrat, ob er als Vorstandschef noch gut genug ist oder nicht.

Koketterie? Vielleicht, denn Schambach weiß, dass er als Ideengeber und unermüdlicher Antreiber unentbehrlich ist. Jetzt haben es ihm die digitalen Marktplätze angetan. Bei diesem Thema gerät er ins Schwärmen. Ein neuer, gigantischer Markt tue sich da auf. Und Schambach gelingt es, den Eindruck zu vermitteln: Wir sind ganz vorn mit dabei.

Mit dem rasanten Unternehmenswachstum habe er lediglich die Scheu vor großen Zahlen verloren, sagt Schambach. Mehr Veränderungen will er an sich selbst in den vergangenen sechs Jahren nicht beobachtet haben. Längst nervt ihn das Klischee vom "Vorzeigeossi": in Erfurt geboren, in Jena aufgewachsen, in San Francisco erfolgreich. "Wir definieren uns anders", sagt er knapp. Seit 1996 ist San Francisco der Wohn- und Arbeitsort von Schambach und zugleich auch Sitz der Intershop-Zentrale. Hier hat er "das Ohr am Boden", ist nah dran an den aktuellen Entwicklungen. Und hier ist er nur einer unter vielen Shootingstars der New Economy. Das hilft ihm, normal zu bleiben.

Gleichwohl vergisst Schambach seine Wurzeln nicht. In der thüringischen Start-up-Metropole Jena entsteht gerade so etwas wie ein erstes Intershop-Denkmal. Der einstige Studienabbrecher lässt dort das etwas herunter gekommene Wahrzeichen aus DDR-Zeiten aufpolieren: den 26-stöckigen Uni-Turm. Im Oktober sollen seine Software-Entwickler die obersten 14 Etagen beziehen. Ein Umzug des Hauptquartiers zurück nach Deutschland ist für ihn aber kein Thema.

Auch die Gefahr durch Killervieren hält er eher für gering. Dabei beruht der Handel im weltweiten Netz vor allem auf dem Vertrauen von Käufern und Verkäufern in die Sicherheit. Sicherheitslücken würden auch der Intershop-Idee, die Schambach reich gemacht hat, die Geschäftsgrundlage entziehen.

Für Schambach kein Grund zur Panik: Wenn der Chef Intershop das nächste Mal neu erfindet, dürfte eine verbreiterte Geschäftsbasis ganz oben auf der Liste stehen.

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