Der US-Handelsstreit mit China schaukelt sich auf
Fisch und andere Vergiftungen

Seit Wochen geht es in den US-Medien reichlich unappetitlich zu: Der Fisch ist vergiftet, Gemüse-Chips mit Salmonellen belastet, das Katzenfutter verhunzt mit Melaminen und die gute Colgate-Zahnpasta bisweilen so gefälscht wie gefährlich – das Label „Made in China“ ist auf dem besten Weg, zum Warnsignal für US-Verbraucher zu werden. Doch die Chinesen schlagen zurück.

NEW YORK. Kennen Sie schon die jüngste Diätwelle aus den USA? Schlagen Sie dieser Tage einfach amerikanische Zeitungen auf, dann vergeht Ihnen der Hunger auf der Stelle. In bemerkenswerter Detailarbeit legte etwa die "New York Times" in der Vorwoche dar, dass in Garnelen-Importen aus China sowie in weiteren Fischsorten wie Aal und Wels regelmäßig Antibiotika und teils giftige Industriechemikalien stecken. Über der Geschichte hat die renommierte US-Zeitung ein großes Foto blutverschmierter Aale platziert, die von chinesischen Frauen mit großen Fabrikmessern in Stücke zerschnitten werden.

So unappetitlich geht es seit Wochen zu in den US-Medien, und der Chemieunterricht beginnt nicht selten auf den Titelseiten: Der Fisch ist vergiftet, Gemüse-Chips mit Salmonellen belastet, das Katzenfutter verhunzt mit Melaminen und die gute Colgate-Zahnpasta bisweilen so gefälscht wie gefährlich. In 900 000 Tuben haben Analytiker das Frostschutzmittel Diäthylenglykol entdeckt.

Strahlend weiß und "Made in China"? Das darf so nicht weitergehen, entschied die US-Gesundheitsbehörde FDA. Verbraucher sind aufgerufen, alle Zahnpflegeprodukte aus chinesischer Produktion fortan zu meiden. Seit Ende Juni blockiert die Behörde zudem die Einfuhr von Shrimps, Aal, Wels und Karpfen - solange nicht bewiesen ist, dass der Fernostfisch frei von Antibiotika und Chemikalien ist.

Senator Richard Durban aus Illinois, bisher ein scharfer Kritiker der FDA, schaut seitdem ein Stück zufriedener: Das Label "Made in China" werde nun rasch zum "Warnsignal für amerikanische Verbraucher", sagte er dem "Wall Street Journal". Pekings Diplomaten reagierten auf den Bannstrahl der FDA mit einem dreiseitigen Brief und einer dicken Überschrift: "Chinas Nahrungsmittelexporte sind sicher!" Ihre Botschaft, dass 2006 weniger als ein Prozent aller Ausfuhren in die USA beanstandet worden seien, verhallte freilich ungehört.

Die Affäre um Fisch und andere Vergiftungen hat Sprengstoff genug, um die ohnehin angespannten Handelsbeziehungen zwischen den USA und China weiter zu belasten. Das Reich der Mitte hat im Vorjahr Waren im Wert von 288 Mrd. Dollar in die Staaten exportiert. Neben bekannten Domänen in der Textil-, Spielzeug- und Reifenindustrie sind chinesische Firmen auch zum führenden US-Lieferanten für Meeresfrüchte, Apfelsaftkonzentrat und Knoblauch aufgestiegen; ihr Marktanteil bei Tiefkühlkost und Gemüse steigt ähnlich rasant wie das amerikanische Handelsdefizit mit dem ungleichen Partner. Das schürt eine Heidenangst in Amerika, die in Hysterie auszubrechen droht.

Weil Peking das kommunikative Auswärtsspiel in den Staaten nur verlieren kann, zahlt man zu Hause mit gleicher Münze zurück: Fast parallel zu den Vorkommnissen in den USA wird an Chinas Häfen neuerdings die Einfuhr von amerikanischem Orangen-Fruchtfleisch und getrockneten Aprikosen blockiert. Als Grund für die Maßnahme werden aufgeführt: Überhöhte Bakterienwerte, Schwefeldioxid und Schimmelpilz. Guten Appetit auch!

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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