Archiv
Der verschwundene Kniefall

Es gibt Dinge die können Zufall sein. Komisch sind sie aber schon. Zum Beispiel, wenn ein Artikel, der eine Staatssekretärin ins Gerede gebracht hat, nicht mehr zu bekommen ist. Dies scheint die Woche der wechselnden Vorzeigefrauen zu werden.

Es gibt Dinge die können Zufall sein. Komisch sind sie aber schon. Zum Beispiel, wenn ein Artikel, der eine Staatssekretärin ins Gerede gebracht hat, nicht mehr zu bekommen ist.

Dies scheint die Woche der wechselnden Vorzeigefrauen zu werden. Erst geht Christiane zu Salm, jetzt Miriam Meckel. Ab Oktober wird sie Professorin in St. Gallen und in Personalunion Partnerin der PR-Beratung Brunswick in Berlin. Das freut sie und sicher auch die Lufthansa.

Erinnern wir uns: Miriam Meckel war mal Deutschlands jüngste Professorin, TV-Moderatorin bei RTL und WDR, dann Staatssekretärin und Regierungssprecherin in NRW. Gern wurde sie als Vorzeigefrau gefeiert.

Doch es gab einen kleinen Makel. Wer immer der jungen Aufsteigerin klatschtechnisch an den Karren fahren wollte, erwähnte ein Portrait über NRW-First-Lady Karin Clement, dass Meckel entweder für die "Welt" oder für die "Welt am Sonntag" ; im Jahr 2000 verfasst hatte. Die "Zeit" formuliert es so:

"Ihr wohl größter Scoop war ihr freundliches Porträt über Karin Clement in der Welt am Sonntag am 31. Dezember 2000. Meckel sagt, der Text sei als Teil einer Serie geplant gewesen. Doch es folgte eine andere Fortsetzung: Wolfgang Clement bat die Autorin, die Stimme von NRW zu werden. Sozusagen seine Anchor-Frau. In jeder Hinsicht vertrauensbildend war wohl, dass Miriam und Karin sich bereits für sympathisch befunden hatten."

Nun zeigt sich erstaunliches: Genios, unser elektronisches Archiv, enthält zwar "Welt am Sonntag" und "Welt" und listet einige Interviews für jene Serie auf, die Meckel damals für die "WamS" schrieb - doch jener Artikel ist nicht zu finden.

Bei Google wird man fündig. Allerdings: Der Artikel scheint auch Welt.de gelöscht zu sein und ist nur über die Speicher-Funktion (Cache, wie der Niederrheiner sagt) erreichbar.

Der Text ist - höflich formuliert - kein Ausbund kritischen Journalismus. So fehlt eine Beurteilung von außen, Meckel trifft Clement und schreibt, was die ihr sagt, vermischt mit positiven persönlichen Eindrücken. Ein paar Auszüge:

"Hätte sie nicht selbst das Wort "authentisch“ benutzt, es wäre dem Gesprächspartner ohnehin eingefallen. Karin Clement gelingt es, eine offene und unkomplizierte Atmosphäre zu schaffen. Sie redet, ohne jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Aber sie setzt der journalistischen Neugier Grenzen: "Privat ist das, was zwischen Wolfgang und Karin Clement privat gesprochen wird, was mit u ns beiden als Paar zu tun hat.“ Und sie setzt Akzente. Nach dem ausführlichen Interview klingelt noch am selben Abend das Telefon. "Hier ist noch einmal Karin Clement. Mir ist eingefallen, dass ich etwas Wichtiges vergessen habe.“

"Es bleiben die späten Abendstunden, um zu reden, gemeinsam Fahrrad zu fahren, mit Freunden ein Glas Wein zu trinken. Karin Clement sieht es als ihre Aufgabe an, dafür zu sorgen, dass dies möglich ist. Dabei hat sie selbst genug Verpflichtungen – als Schirmherrin der Selbsthilfevereinigung für die Immunkrankheit "Lupus Erythematodes“, als Beiratsmitglied der Stiftung Kinderschutzbund oder als Schirmherrin der Aktion "Lichtblicke“, bei der die NRW-Lokalradios gemeinsam mit den NRW-Sozialverbänden in der Adventszeit für Familien und Kinder in Not sammeln."

Wie gesagt, es kann purer Zufall sein, dass dieses an einen Kniefall erinnernde Stück nicht im Archiv ist. Merkwürdig aber ist es schon.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%