Der Verzicht auf die Megafusion von United Airlines und US Airways passt in die Zeit
Große US-Fluglinien vor harter Landung

DÜSSELDORF. Die amerikanische Luftfahrtindustrie steckt in ihrer schwersten Krise seit vielen Jahren. Verklärte Prognosen, die für die Zukunft ein üppig wachsendes Verkehrsaufkommen über den Wolken versprechen, verstellen den Blick auf die Realität: In den USA, wo mit American, United und Delta Airlines die größten Fluggesellschaften der Welt zu Hause sind, müssen sich die Manager auf ein hartes und verlustreiches Jahr 2001 einstellen.

Die Kerosinpreise sind unverändert hoch, die Passagierzahlen wegen der aktuellen US-Wirtschaftskrise rückläufig - und selbst die feine Business-Kundschaft bucht immer öfter die hinteren, weil billigeren Sitze. Vor allem das trifft die Airlines hart, denn die Tickets der Business-Class machen annähernd 60 % des Umsatzes aus.

Zu all dem kommen die andauernden Streitigkeiten mit den Piloten: Fast alle großen US-Airlines mussten bereits teure Tarifverträge abschließen oder stehen in harten Verhandlungen. Mit dem über die Star-Alliance verbündeten Lufthansa-Partner United Airlines hat das Desaster im Sommer 2000 begonnen: Die Piloten weigerten sich, Überstunden zu machen, richteten ein Chaos an und bekamen schließlich, wonach sie verlangten: Tariferhöhungen von bis zu 28 % und Spitzengehälter bis zu 600 000 DM. Das alles in einer Branche, die für ihre schwache Profitabilität bekannt ist.

Im Ergebnis führen all diese Schwierigkeiten zu einer harten Landung nach dem Höhenflug vergangener Jahre: Analysten rechnen bereits damit, dass die großen US-Airlines in diesem Jahr einen Verlust von 1,3 Mrd. $ anhäufen werden.

So gesehen kommt die Absage der Megafusion zwischen United Airlines und US Airways - wenn man so will, aus aktuellem Anlass - nicht mehr überraschend. In derart rauen Zeiten wäre die bisher größte Übernahme in der Airline-Branche ein überaus gefährliches Geschäft gewesen. Denn die Übernahme der größten Fluglinie der Ostküste durch die größte Airline der Westküste hätte nicht nur einen Weltmarktführer hervorgebracht, der rund ein Viertel des US-Marktes kontrolliert. Sie hätte gleichzeitig auch den Schuldenstand bei United von rund 5 Mrd. $ auf mehr als 18 Mrd. $ katapultiert

.

Die Transaktion war ohnehin auf harten Widerstand in Washington gestoßen, weil die Kartellbehörden eine weitere Wettbewerbsminderung in der US-Luftfahrt fürchten. Im Grunde kontrollieren die beiden größten Airlines, American und United, schon jetzt große Teile des Marktes. Die ablehnende Haltung der Wettbewerbshüter zur Übernahme von US Airways sollte deshalb für die anderen Fluggesellschaften den Druck verringern, immer weiter expandieren zu müssen. Ob daran allerdings ein Weg vorbeiführt? Wer sich mit der Rolle eines Nischenfliegers in Zukunft nicht zufrieden geben will, wird früher oder später bei United, American oder Delta Airlines unterkommen müssen. US Airways zum Beispiel, die Nummer sechs im Land, verfügt weder über ein nationales Netzwerk noch über die Flexibilität eines frechen Billigfliegers im Stile von Southwest Airlines. Die Stimmen mehren sich, dass der seit Jahren kriselnde Konzern früher oder später zerschlagen und unter den Großen aufgeteilt werden könnte.

Auf der anderen Seite muss der Sprung in die Nische nicht zwingend ein Rückschritt sein. In diesen harten Tagen scheint es gar so, als hätten die kleineren US-Airlines klar die Nase vorn: Die Investmentbank Salomon Smith Barney erwartet, dass in diesem Jahr allenfalls drei US-Airlines noch in die schwarzen Zahlen kommen könnten: Continental, Southwest und AirTran Airways. Ein ganz großer Name ist nicht dabei.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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