Der Voicestream-Chef schlägt immer ein hohes Tempo an
John Stanton: Der rastlose Mobilfunkpionier

Heute beginnt die Versteigerung neuer Mobilfunklizenzen in den USA . Stanton will den Branchenriesen Paroli bieten. Als einziger Anbieter verfügt die künftige Telekom-Tochter Voicestream bereits über ein landesweites GSM-Netz. Die letzten Lücken sollen nun geschlossen werden.

NEW YORK HB. John Stanton hat Starqualitäten. Als der Chef des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream Wireless Anfang November seine Verkäufer in einem Hotel in Dallas anfeuert, jubelt ihm die Menge wie einer Pop-Größe zu. Dabei hatte nicht er, sondern die populäre Jamie Lee Curtis ("Ein Fisch namens Wanda") die Vertriebsleute in Begeisterung versetzt. Filmstar Curtis, die seit 1998 für Voicestream Werbung macht, teilt sich an diesem Abend mit Stanton die Bühne.

Gleichwohl: Auch Stanton hat Charisma. Er hat sich in den vergangenen Jahren zum Star der US-Mobilfunkszene gemausert. Geholfen hat ihm dabei sicherlich, dass die Deutsche Telekom sein Unternehmen für 50 Milliarden Dollar kaufen will und Stanton nach einer erfolgreichen Übernahme in den Führungskreis der Tochter T International-Mobile einziehen soll.

Öffentliches Interesse werden den eher pressescheuen Mann also noch eine Weile verfolgen. Als die Telekom Ende Juli 2000 die Übernahme von Voicestream verkündete, wollte Stanton, dass seine "15 Minuten Ruhm" schnell verblassen. Daraus wird nun nichts - auch wenn er schon mal witzelt, dass er im Fernsehen nicht allzu gut rüberkommt. Aber Stanton weiß trotz dieser Anflüge von Selbstironie genau, was er kann. "Meine Erfahrung spannt sich über die gesamte Mobilfunk-Geschichte", gab sich der trotz seiner ergrauten Haare jugendlich wirkende Manager jüngst in einem Interview selbstbewusst. Der Mittvierziger mischte von Anfang an in der jungen Branche mit.

Ein Mobilfunker durch und durch

So war der Harvard-Absolvent in den 80-er Jahren eine der treibenden Kräfte, die den US-Unternehmer Craig McCaw davon überzeugten, auf Mobilfunk zu setzen. Nachdem McCaw Cellular Communications 1993 für 11 Mrd. $ an die größte US-Telefongesellschaft AT&T verkauft worden war, gründete Stanton mit Partnern den Mobilfunker Western Wireless. Das Unternehmen war hauptsächlich in ländlichen Regionen vertreten, Stanton kaufte deshalb aggressiv Mobilfunk-Frequenzen dazu. 1996 brachte er Western Wireless an die Börse und gründete Voicestream Wireless, um mit der neuen Tochter im wichtiger werdenden digitalen Geschäft mitzumischen.

Schon 1997 war Stantons Firma, obwohl kaum bekannt, eines der am stärksten wachsenden Mobilfunkunternehmen in den USA. 1999 ging Voicestream selbst an die Börse und begann, Konkurrenten wie Omnipoint und Aerial zu kaufen, um sich von der Westküste der USA in die östlichen Regionen auszubreiten. In nur sechs Jahren wurde damit aus einem Unternehmen aus den amerikanischen "Hinterlands", wie einst die "Washington Post" spöttelte, der achtgrößte Mobilfunkanbieter der USA.

Stanton hält sich und sein Team für die besten der Branche

Um das zu erreichen, benötigt der Manager an der Spitze vor allem eines: Stehvermögen. "Stanton ist eine ruhelose, getriebene, und brillante Persönlichkeit", urteilt der Journalist Casey Corr von der Tageszeitung "Seattle Times". Stanton setzt sich Ziele und arbeitet ohne Unterlass daran - oft kommt dabei die Nachtruhe zu kurz.

Er kann charmant sein, aber im nächsten Augenblick stößt er andere vor den Kopf. Das gilt vor allem für diejenigen, die seinem hohen Tempo nicht folgen können. Kurzum: Stanton hält sich und sein Team für die besten Manager der US-Mobilfunkbranche.

Stanton kann seine Vision vom globalen Mobilfunkunternehmen mit eindringlichen Worten verkaufen. Beim Pressetermin spricht er frei und häufig doppelt solange wie geplant. Dabei sieht es so aus, als unterstreiche er mit seinen großen Händen jeden Satz. Zahlen und Details kommen Stanton locker über die Lippen - eine Fähigkeit, die auch bei Investoren gut ankommt.

Ganz am Ziel ist Stanton trotz seines Erfolgs aber noch nicht: "Wir sind fast da", sagt der Voicestream-Chef und startet seinen Laptop, worauf eine Landkarte mit der derzeitigen Verbreitung seines Unternehmens in den USA erscheint. Die heute beginnende Auktion der US-Regulierungsbehörde soll die noch fehlenden Gebiete ergänzen.

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