Der Vorstand des Düsseldorfer Mischkonzerns hält sich mit einer Stellungnahme noch zurück
US-Investor steigt bei Rheinmetall ein

Rheinmetall erhält überraschend einen neuen Aktionär: Der amerikanische Finanzexperte Guy Wyser-Pratte hat rund 5 % der Stammaktien des Mischkonzerns gekauft. Er gilt als aktiver Aktionär, der den Börsenwert des Konzerns durch massiven Einfluss auf die Firmenpolitik steigern will.

DÜSSELDORF. Rheinmetall stehen aufregende Zeiten bevor. Der US-Investor Guy Wyser-Pratte ist nach Informationen des Handelsblatts bei dem Düsseldorfer Mischkonzern eingestiegen. Er hat 5,054 % der Stamm- und 1,1 % der Vorzugsaktien erworben. Am Donnerstag informierte er das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel in Frankfurt und den Vorstand der Rheinmetall AG per Fax.

Ein Rheinmetall-Sprecher bestätigte die Investition des Amerikaners. Für eine weitere Stellungnahme sei es aber noch zu früh. Zunächst müsse sich der Konzern, der in der Automobiltechnik, der Elektronik und der Wehrtechnik tätig ist, ein Bild von dem Engagement machen.

Rheinmetall-Börsenwert soll deutlich gesteigert werden

Guy Wyser-Pratte begründete seinen Einstieg gegenüber dem Handelsblatt so: "Wir wollen an dem Beispiel zeigen, wie man bei einem bekannten deutschen Traditionsunternehmen den Börsenwert deutlich steigern kann." Zu Einzelheiten seiner Strategie wollte er sich allerdings noch nicht äußern.

In den USA, Großbritannien und Frankreich ist Wyser-Pratte als so genannter aktiver Aktionär bekannt. "Ich investiere in Unternehmen und nehme Einfluss auf die Unternehmenspolitik, um den Shareholder-Value für alle Aktionäre zu verbessern", beschreibt er seine Investment-Strategie. Sein Ziel seien Unternehmen, die an der Börse unterbewertet und schlecht geführt seien.

Seine in New York an der Wall Street ansässige Firma Wyser-Pratte & Co. Inc. hat sich in den vergangenen acht Jahren nach eigenen Angaben an insgesamt 42 Unternehmen beteiligt. Die Liste reicht vom US-Kaufhauskonzern Sears Roebuck & Co. über Pennzoil Co. bis zum Champagnerhersteller Taittinger in Frankreich. Aktuell sind die Amerikaner neben Rheinmetall noch bei der GIB-Gruppe in Belgien sowie bei der Groupe André und bei Le Gris, beide Frankreich, engagiert.

Investitionsvolumen von rund 500 Mill. $ weltweit verwaltet

Die US-Firma verwaltet mit zwölf festen Mitarbeitern und zusätzlich zahlreichen Partnern weltweit ein Investitionsvolumen von rund 500 Mill. $. Das Geld stammt aus Pensionsfonds und privaten Stiftungen.

Der Amerikaner arbeitet nach dem Prinzip, über eine Minderheitsbeteiligung einen Gegenpol zu den etablierten Mehrheitseigentümern zu bilden. "Oft kommen so Koalitionen mit anderen freien Aktionären zustande, die ein Unternehmen in eine andere Richtung bewegen können", erklärte der US-Investor.

Und tatsächlich ist bei Rheinmetall in den letzten 15 Monaten nicht alles so gelaufen wie geplant. Hans U. Brauner, seit 1980 im Vorstand und seit 1985 Vorsitzender, musste den Konzern nach einem heftigen Familienkrach beim Großaktionär Röchling Knall auf Fall verlassen.

Der Aktienkurs leidet schon seit langem

Brauner hatte Rheinmetall einen strikten Wachstumskurs verordnet. Seit 1990 verdreifachte er den Umsatz auf 4,5 Mrd. Euro. Das ging auf Kosten der Finanzen. Trotz Kapitalerhöhungen stieg das Eigenkapital lediglich um ein Drittel auf 0,6 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalquote lag damit 1999 nur noch bei 16 %. Die Gesamtverschuldung wuchs in den vergangenen zehn Jahren von 0,4 auf 1,5 Mrd. Euro. Die Finanzverbindlichkeiten verdoppelten sich 1999 auf 0,8 Mrd. Euro.

Entsprechend litt der Aktienkurs. Seit dem Höhepunkt im Sommer 1998 mit rund 32 Euro für die Stammaktien ging es fast nur noch bergab. In den letzten Wochen erholten sich die Kurse aber leicht. Die Stammaktien notierten gestern in Frankfurt bei 12,50 Euro.

Noch im Dezember 1999, kurz vor seinem Ausscheiden, hatte Brauner verkündet, das Unternehmen stehe einem Finanzpartner für eine Beteiligung bis zu 25 % offen.

Sein Nachfolger, Klaus Eberhardt, setzt auf Ertrag und Liquidität statt auf Wachstum. Zu seiner Strategie "der klaren Linie" gehört es, dass er aus der Vielzahl der Akquisitionen Brauners all jene wieder aussortiert, die außerhalb der Kernkompetenz liegen. Der konsequente Weg Eberhardts, Schwachstellen wie bei der Elektroniktochter Atlas zu beseitigen, zeigt erste Erfolge: Nach 6 Mill. Euro Verlust bei 4,5 Mrd. Euro Umsatz erzielte Rheinmetall im vergangenen Jahr bei rund 4,4 Mrd. Euro Umsatz einen Jahresüberschuss von rund 60 Mill. Euro.

Die Finanzlage ist allerdings immer noch alles andere als zufriedenstellend. Gerüchte vom vergangenen November, das Rheinmetall sich in einer ernsten Finanzkrise befinde, gehen allerdings an den Tatsachen vorbei. Sie bewirkten aber, dass das Unternehmen eine Anleihe über 300 Mill. Euro auf das Frühjahr 2001 verschieben musste.

Eberhardt hat wiederholt betont, dass Mehrheitsaktionär Röchling mit einem Anteil von 66 % der Stammaktien den Konzern als wichtiges industrielles Engagement betrachte. Aber auch Röchling erwartet eine angemessene Dividende und eine dauerhafte Wertsteigerung des Unternehmens.

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