Der Vorstand von Sun Microsystems steht vor großen Herausforderungen
Ed Zander: Der rastlose Sun-Schrittmacher bleibt cool

Er gilt als der "schnelle Eddi", aber im Angesicht der Technologie-Krise bleibt Ed Zander als zweiter Mann von Sun Microsystems gelassen.

Der Mann hält keine Sekunde still. Er wippt mit den Füßen, springt auf, setzt sich auf die vorderste Kante des Tisches, lehnt sich vor, springt wieder auf. Kein Wunder, dass ihn Kollegen scherzhaft den "schnellen Eddie" nennen.

Auch für ein Interview hat Ed Zander wenig Zeit. Der zweite Mann im Vorstand des Server-Herstellers Sun Microsystems antwortet im Laufschritt - auf dem Weg vom Schulungsraum zum Vorstandsbüro im neuen Hauptquartier von Sun in der ehemaligen Psychiatrie von Santa Clara.

Auf den schlanken und agilen Vorstand warten denn auch große Aufgaben. Er muss die Strategien umsetzen, die das Vorstandsteam um Sun-Chef Scott Mc Nealy entwickelt. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Top- Managern ist so eng, dass das US-Wirtschaftsmagazin "Business Week" Sun bereits spöttisch die "Scottie und Eddie Show" nannte.

Doch von Show-Time kann bei Sun derzeit keine Rede sein. Die Krise im Technologie-Sektor hat auch den einstigen Börsenstar nicht verschont. Im dritten Quartal des Geschäftsjahrs sind die Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 % gefallen, der Umsatz stieg um magere 2 %. Der Sun-Aktienkurs verlor mehr als zwei Drittel seines Wertes.

Die langfristige Strategie nicht aus den Augen verlieren

Damit nicht genug: Viele Internet- Firmen, die inzwischen pleite sind, versteigern ihre zentralen Netzwerkrechner (Server) von Sun zu Schleuderpreisen: Bei der ohnehin schon schwachen Nachfrage ist das eine gefährliche Konkurrenz.

"Cool bleiben, und die langfristige Strategie nicht aus den Augen verlieren", lautet die Losung für den 54-jährigen Zander. Und bisher scheint Sun mit dieser Einstellung auch ganz gut leben zu können. Anders als der Internet-Ausrüster Cisco Systems oder der Computerhersteller Hewlett-Packard hat Sun Microsystems bisher keine Mitarbeiter entlassen. Zander versucht statt dessen, der Krise mit kleinen Schritten Herr zu werden: Statt Entlassungen verschreibt er seinen amerikanischen Angestellten eine Woche Urlaub zusätzlich - wegen rechtlicher Bestimmungen freiwillig sowie am liebsten unbezahlt.

Wie lange Sun diese Strategie durchhalten kann, bevor sich die Situation verbessert, weiß auch Zander nicht. Er glaubt, dass die Zeit des Turbo-Wachstums möglicherweise ein für alle Mal vorbei ist. "Aber das Internet wird dennoch eine Riesen-Sache."

Sparen ist eine neue Erfahrung

"Für viele unserer Mitarbeiter ist Sparen eine neue Erfahrung", sagt Zander, der im sonst lässigen Silicon Valley durch Markenanzüge und edle Krawatten optisch hervorsticht. Er selbst hat dagegen schon einige Auf- und Abschwünge miterlebt: Seit Zander 1987 als Marketing-Manager bei Sun anfing, hat die Firma mehrere Durststrecken überstanden - bevor der Internet-Boom das Unternehmen zu einem der Stars der New Economy erkor und Zander den Satz prägte: "Wir sind der Dot in Dotcom", der später zum einprägsamen Werbeslogan wurde. Doch der markige Spruch ist verschwunden. Heute tönt ein neues Motto über den Firmen-Campus in Santa Clara: "Wir sind das O in Old Economy." Für Zander ist das mehr als nur ein Sprachwitz: "Viele traditionelle Unternehmen werden sich neu als Internet-Firmen ausrichten."

Ein Riesenmarkt für Sun - und für die Konkurrenz. Im vergangenen Jahr hat Sun bei Internet-Servern das Tempo vorgelegt: Zwar wuchs der Markt insgesamt nur um 7 %, Sun aber konnte seinen Umsatz in diesem Geschäft um 42 % steigern und wurde damit zum zweitgrößten Server-Hersteller hinter IBM. Vor allem im Markt für teurere Netzwerk-Computer, die mindestens 1 Mill. $ kosten, hat Sun seine Marktstellung entscheidend verbessert.

Um Angriffe der Rivalen Compaq und Dell im günstigeren Marktsegment abzufedern, kaufte Sun im vergangenen Jahr zudem den Server-Hersteller Cobalt Networks. Zander ist davon überzeugt, dass Sun so gut positioniert ist, dass das Unternehmen schneller als die Konkurrenz wachsen wird - wenn und sobald sich die Wirtschaft wieder erholt.

Die eigentliche Herausforderung steht Zander noch bevor

Der Glaube an Sun scheint bei Zander tief verwurzelt. Laut Presseberichten lehnte er Angebote der Computerhersteller Compaq und Apple für den jeweiligen Posten als Vorstandschef ab. Dabei war Zander zunächst gar nicht für Sun zu begeistern. Als Sun-Chef Scott McNealy versuchte, ihn Anfang der 80er-Jahre vom Computerhersteller Apollo abzuwerben, wies ihn Zander noch zurück.

Sun war in seinen Augen nichts weiter als ein Startup, das von einem Haufen Verrückter von der Westküste geführt wurde. Nichts für den im New Yorker Stadtteil Brooklyn aufgewachsenen Zander. Als er 1987 dann doch nach Kalifornien übersiedelte, erwies er sich schnell als Gewinn für das Unternehmen. "Viel von Suns Erfolg kann man Ed zuschreiben", lobt Sun-Mitgründer Andy Bechtolsheim.

Die eigentliche Herausforderung steht jedoch Zander noch bevor: Experten sind sich einig, dass der Markt der Zukunft in intelligenten Dienstleistungsprogrammen für das Web liegt. IBM ist bereits mit dem Produkt Web Sphere in diesem Markt gut positioniert, der Software-Hersteller Bea Systems, mit dem Sun in vielen Geschäftsbereichen zusammenarbeitet, kann mit Web Logic ebenfalls mit einem Vorzeigeprodukt aufwarten. Und auch der Software-Konzern Microsoft will mit seiner "Dotnet-Strategie" den Markt für sich erobern. Die Luft für Suns Initiative mit Namen Sun One wird dünner. Besondere Sorgen macht Zander vor allem der größte Rivale aus Redmond: "Microsoft will das Internet und jedes Handy unter seine Kontrolle bringen", ärgert sich der Sun-Vorstand über den Software-Giganten. "Das ist wirklich gefährlich."

Seine Kreativität wird Zander noch brauchen

Sun hat mit Java bereits eine weit verbreitete Software für Internet-Programme, die auch auf Mobiltelefonen und anderen Endgeräten laufen. Allerdings bringt die Java-Software, die unter Programmierern eine große und treue Gefolgschaft hat, kein Geld für Sun, da sie auf offenen Standards basiert und ohne Lizenzen von jedem Programmierer weiter entwickelt werden kann. "Java ist ein Kostenfaktor", weiß Zander.

Doch Java ist auch ein probates Mittel, um die Marke Sun bei künftigen Kunden bekannt zu machen und Server zu verkaufen.

Wenn es um eben jenes Verkaufen geht, ist Zander in seinem Element. Er feierte in jungen Jahren bei der Data General Corporation, die jetzt zu dem Speicher-Server-Hersteller EMC gehört, seine ersten Erfolge im Marketing. "Bis dahin wusste ich gar nicht, dass ich eine kreative Seite habe", erinnert sich Ed Zander, der seinerzeit Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften studierte - und diese Kreativität wird er auch brauchen, denn ein knackiger Slogan allein reicht nicht.


INTERNET-ADRESSEN

www.sun.com/dot-com/perspectives/bd-19.html

- Ed Zanders Rede anlässlich des 19. Jahrestages der Gründung von Sun Microsystems
www.sun.com/aboutsun/media/ceo/mgt_zander.html - eine kurze Biografie von Ed Zander

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