Der Vorstandschef hat den Konzern in den vergangenen Jahren auf Strom und Gas ausgerichtet
Hartmann krönt sein Werk in letzter Minute

Geschafft! Buchstäblich in letzter Minute hat Eon-Chef Ulrich Hartmann die Ruhrgas-Übernahme unter Dach und Fach gebracht. Als Chef des nun größten privaten Energieunternehmens in Europa hat er den Gipfel seiner Managerkarriere erklommen.

DÜSSELDORF. Fast zwei Jahre hat Hartmann verbissen und mit allen Mitteln um den größten deutschen Ferngasimporteur gekämpft. Erst hat er die komplizierte Eigentümerstruktur aufgebrochen, dann hat er sich politische Rückendeckung in Berlin für seinen wettbewerbsrechtlich umstrittenen Coup geholt.

Dass das Bundeskartellamt ein negatives Votum abgeben würde und auch die Monopolkommission kein Freund des Übernahmepokers war, damit hatte Hartmann von Anfang an gerechnet. Die Ministererlaubnis war für ihn schließlich der Joker. Nicht auf seiner Rechnung hatte der als akribisch geltende Jurist Nachlässigkeiten auch im eigenem Haus. So gelang es einer kleinen Schar Unerschrockener, die Ruhrgas-Übernahme schon wegen simpler Formfehler zu stoppen.

Nach erneuten Zugeständnissen, die Eon aber sicher verkraften wird, ist Hartmann nun am Ziel. Die Börse feiert den Durchbruch mit kräftigen Kursgewinnen. Der Manager, den die Anleger bereits 1996 als Vorreiter des Shareholder value gefeiert hatten, darf sich geschmeichelt fühlen, war er doch zwischenzeitlich in Ungnade gefallen. Der Aktienkurs hatte unter der Hängepartie spürbar gelitten.

Knapp vier Monate, bevor der 64-Jährige sich als Vorstandsvorsitzender zurückzieht und in den Aufsichtsrat wechselt, hat Hartmann sein Haus für sienen Nachfolger bestellt. Hatrmann hat dann 30 Jahre im Konzern gearbeitet, seit April 1993 als Vorstandschef. Er hat die Fusion von Veba und Viag eingeleitet und den Konzern radikal umgebaut.

In den vergangenen Jahren hatte er nichts unversucht gelassen, den Konzern mit milliardenschweren Zukäufen im In- und Ausland als europäischer Strom- und Gasriese zu positionieren. Hartmann wechselte schon vor einigen Jahren die Strategie des Unternehmens: Weg vom Konglomerat, hin zum Kerngeschäft Energie.

Gleichzeitig stieß er mittelgroße bis große Unternehmen ab, die nicht zum Kerngeschäft passten - und füllte so die Kriegskasse auf. Der Ausflug in die Telekommunikation blieb nur eine Episode. Alle Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts Strom und Gas setzte er auf die Verkaufsliste: VAW Aluminium, Klöckner & Co. Schmalbach Lubeca, Stinnes und zuletzt im Zuge der Ruhrgas-Übernahme auch Degussa. Lediglich die Immobiliengesellschaft Viterra ist als nennenswerte Randbeteiligung noch im Portfolio geblieben und auch sie steht zum Verkauf.

Quelle: Handelsblatt

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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