Der Vorstandschef von Constantin Film pendelt zwischen L.A. und München
Bernd Eichinger: Der coole Macher aus dem Filmgeschäft

Seit gut einem Jahr ist Bernd Eichinger mit seiner Constantin Film an der Börse. Deutschlands bekanntester Filmproduzent gibt sich wie immer cool - auch angesichts von Kursverlusten.

HB MÜNCHEN. Bernd Eichinger ist zufrieden. Nein, den Gang an die Börse hat er nicht bereut. "Die Entscheidung für das Going- Public war richtig, damals und heute", meint Deutschlands erfolgreichster Produzent, der inzwischen eher die Börsenseiten und nicht mehr, wie früher, die Klatschkolumnen der Zeitungen und Magazine füllt. Das Wichtigste für ihn: In seiner künstlerischen Freiheit fühlt sich der bekannte Filmemacher nicht beschnitten.

Der hager wirkende Eichinger hat immer leichte Ringe unter den Augen und ist etwas grau im Gesicht. Das Markenzeichen des 51-Jährigen ist sein Outfit: dunkles Sakko, weißes Hemd und die inzwischen etwas aus der Mode gekommene Röhrenjeans. Eine Marlboro in der Hand, sitzt "der Bernd", wie er intern nur genannt wird, am schwarz polierten Konferenztisch im unscheinbaren Constantin-Bürohaus mitten in München-Schwabing vor einem Glas Mineralwasser und frischem Obst. An der Wand seiner Wirkungsstätte hängen in Schwarz-weiß die Großen des internationalen Filmgeschäfts: Humphrey Bogart, Marilyn Monroe und James Dean.

An das Auf und Ab seiner Aktie muss sich Eichinger noch gewöhnen

Seit September 1999 ist Eichingers Constantin Film AG jetzt am Neuen Markt notiert. Auch nach den jüngsten Kursverlusten - die Aktie sank gestern auf unter 30 Euro - ist das Unternehmen noch immer gut 750 Millionen Mark wert. "Nicht schlecht" findet das Eichinger, auch wenn er offen einräumt, dass er sich an das ständige Auf und Ab der Aktie noch gewöhnen muss.

Die fallenden Kurse von Medienwerten am Neuen Markt machen dem Constantin-Chef wenig Sorge, hat sich sein Unternehmen doch im Vergleich zur Konkurrenz noch relativ gut gehalten. Schlaflose Nächte wegen abstürzender Börsenkurse kennt er - bisher zumindest - nicht.

Eichinger lacht, wenn die Sprache auf die Analysten kommt. "Das sind Menschen, mit denen wir sonst nicht zusammenkommen würden", meint der Produzent, der in der glitzernden Filmwelt zu Hause ist wie kaum ein anderer. Die Treffen mit den neugierigen Experten der Banken - im Branchenspott "Grillpartys" genannt - seien keine Belästigung, eher eine Bereicherung. Manchmal gebe es sogar interessante Anregungen, meint er. Eichinger kommt mit seiner Art bei den Analysten offenbar gut an. Denn unisono loben diese die Solidität, die guten Perspektiven und die strategische Ausrichtung von Constantin Film. Wichtigster Punkt dabei: die lange Erfahrung Eichingers und seine "kreative Kontrolle".

Eine beeindruckende Bilanz

Geboren 1941 als Sohn eines Arztes im bayerischen Neuburg kam er schon bald zum Film. Nach dem Abitur absolvierte er Anfang der siebziger Jahre eine Regieausbildung an der Münchener Hochschule für Film und Fernsehen. 1974 gründete Eichinger seine erste eigene Produktionsfirma. 1978 stieg er dann bei Constantin ein und übernahm bald das Ruder. Die Bilanz ist beeindruckend: In den vergangenen 20 Jahren brachte Constantin unter seiner Leitung rund 160 Filme heraus und lockte damit 1,6 Milliarden Zuschauer in die Kinos. Eichinger nahm in den siebziger Jahren als einer der Ersten in Deutschland vom elitären Autorenkino Abschied und konzentrierte sich auf große Publikumsfilme nach Hollywood-Vorbild. Noch heute pendelt Eichinger zwischen München und Los Angeles, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Die Liste seiner Erfolge ist lang: "Das Boot", "Das Geisterhaus", "Der Name der Rose" oder "Der bewegte Mann". Constantin setzt auf eine erfolgreiche Mischung: Ein Drittel der Constantin-Filme sind Eigenproduktionen. Ein weiteres Drittel kommt über langfristige Verträge von renommierten Fremdproduzenten (so genannten "Output- Deals"). Das letzte Drittel kauft er auf dem Markt zu. Dazu kommen mehr und mehr eigene Fernsehproduktionen.

Für den Gang an die Börse hat sich Eichinger - privat ein Junggeselle - zudem mit zwei Großen der Branche verbündet. Neben Eichinger selbst und den freien Aktionären halten die Kirch-Gruppe und EM.TV von Thomas Haffa größere Pakete an Constantin. Insbesondere die Partnerschaft mit Leo Kirch ist ein Vorteil für Eichinger: Während andere Lizenzhändler derzeit mit den Privatsendern nicht ins Geschäft kommen, plagen die Constantin-Gruppe keine Absatzprobleme.

Für die Zukunft hat sich Eichinger vorgenommen, Schritt für Schritt weiter zu wachsen. Und einen Teil des Geldes aus dem Börsengang hat er dafür noch in der Kasse. Wenn es um die Firmenpolitik geht, mag Eichinger keine Showeffekte. Sein persönliches Motto für den Neuen Markt ist so schlicht wie richtig: "Verspreche nie, was du nicht halten kannst."

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