Der Vorstandssprecher der Ströer AG im Porträt
Udo Müller: Verbissen an die Spitze

Es plätschert in Udo Müllers Büro. Über eine blaue Steinkugel vor dem Fenster rinnt Wasser einen schwarzen Sockel herunter. "Das verleiht Energie", erklärt Müller, der seinen Arbeitsraum nach der fernöstlichen Feng- Shui-Methode einrichten ließ. Keine elektromagnetische Strahlung, keine schädlichen Baustoffe umgeben seinen Arbeitsplatz.

DÜSSELDORF. Der Vorstandssprecher der Außenwerbefirma Ströer AG wird die zum Fließen gebrachten Energien wohl brauchen: Er steht vor dem größten Einkauf, den sein Unternehmen bisher getätigt hat. Der 41-Jährige will die Deutsche Städte Medien übernehmen. Damit steht der größte deutsche Außenwerbekonzern auf dem Kaufzettel. Im Juni werden die 28 Städte, denen die Deutsche Städte Medien (DSM) gehört, über einen Verkauf der kommunalen Plakatwerbefirma abstimmen.

Von seinem Arbeitsplatz in einem halbrunden Glasturm kann Müller auf die breite Front der neuen Ströer-Zentrale blicken. Die Fassade des nagelneuen Gebäudes streckt sich wie eine riesige Plakatwand über den Rasen. Ernste berufliche Niederlagen, behauptet der frühere Profi-Handballer, kenne er nicht.

Schon während seines Medizinstudiums hatte er sich in Berlin mit Plakatwerbung selbstständig gemacht. Stress, wie ihn andere Menschen empfinden, ist für den Single scheinbar ein Fremdwort. Berge von Arbeit seien für ihn keine Abschreckung, sondern Anreiz. Damit kokettiert er gern. "Die Arbeit ist mein Hobby."

Was von seiner Freizeit übrig bleibt, verteilt er auf zwei Städte - Köln und Berlin. Dort besucht er moderne Kunstgalerien oder erlesene Weinhandlungen. "Ich werde unglücklich, wenn ich eine Woche am gleichen Ort verbringe", sagt Müller.

Zurzeit ist er wegen des möglichen DSM-Kaufs oft unterwegs. "Wir wollen die Nummer eins in Deutschland sein." Udo Müller lächelt und stützt sich auf die Lehnen des schwarzen Ledersessels. Seine Miene soll entschlossen und hart wirken. Die Übernahme könnte Ströer 400 Millionen Euro kosten, wenn das Kölner Unternehmen den Zuschlag erhält.

Ströer selbst machte im vergangenen Jahr mit Werbung in beleuchteten Plakatwechslern und auf Großflächenplakaten einen Umsatz von 214 Millionen Euro und ist der zweitgrößte Player auf dem deutschen Markt. Doch er hat starke Wettbewerber, die ihm den dicken Fisch an der Angel streitig machen könnten. Auch der europäische Marktführer JC Decaux, die beiden amerikanischen Unternehmen Clear Channel International und Infinity (Viacom) sowie die Berliner Wall AG wollen die größte deutsche Außenwerbefirma übernehmen.

Der deutsche Werbemarkt ist begehrt, das Medium Plakat noch ausbaufähig: Der Anteil von Plakatwerbung am Werbekuchen liegt erst bei drei Prozent. "Das lässt sich mit bundesweiten Werbekampagnen in kurzer Zeit auf sechs Prozent steigern", ist sich Müller sicher.

Der Mann mit dem gebräunten Teint, den dunklen, zurückgekämmten Haaren und dem feinen, grauen Anzug verliert keine großen Worte über seine Konkurrenz. Seine Aufmerksamkeit gilt allein dem großen Deal: "Ich kann mich laserstrahlartig auf einen Punkt konzentrieren", gibt er vor und meint damit die DSM. Das Geschäft ist hart im Kampf um langfristige Verträge für Plakatstandplätze und beleuchtete Wartehallen mit Städten. Die Nähe zur Kommunalpolitik ist unvermeidlich. So ist die Ströer Auftragnehmer der CDU, wenn es um das Aufstellen von Plakaten im Wahlkampf geht.

Seine Mitarbeiter halten viel von Müller. Selbst sein Wettbewerber wie Jean-Francois Decaux, Chef des JC Decaux-Konzerns, ist von Müllers Management angetan. Der Ströer-Chef selbst glaubt sein Erfolgsrezept zu kennen: "Sie müssen ein Unternehmen unaufgeregt und uneitel führen." Der gebürtige Rüdesheimer wirkt jedoch angespannt - er hat dem Unternehmen einen unbedingten Wachstumskurs verordnet.

Trotz Werbekrise hat das Unternehmen auch im letzten Jahr den Umsatz um über zehn Millionen Euro gegenüber 2001 vergrößert. Das soll auch in diesem Jahr so bleiben. Müller traut sich deshalb in Zukunft noch mehr zu: "Ich würde gerne eine Firma managen, die zehnmal so groß ist." Und das klingt nicht eben uneitel.

Vita
Udo Müller wird 1962 in Rüdesheim am Rhein geboren. Als Sohn eines Beamten wächst Müller in Bonn auf. Mit 19 Jahren gründet der Profi-Handballer bereits seine erste eigene Firma, um Sport-Programmhefte zu verlegen. Sein Medizin- Studium schließt er nicht ab. Müller gründet stattdessen 1985 die Werbeagentur Lunenburg & Partner in Berlin. 1987 steigt er mit der Tochterfirma Lunenburg Mediaservice in die Außenwerbe-Branche ein. Er lernt Heinz W. Ströer kennen, mit dem er 1990 die Ströer gründet, um den ostdeutschen Plakatmarkt zu erschließen. Seit August 2002 ist Müller Vorstandssprecher der Ströer

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