Der Vorstandsvorsitzender der Debeka im Porträt: Uwe Laue: In jeder Hinsicht total normal

Der Vorstandsvorsitzender der Debeka im Porträt
Uwe Laue: In jeder Hinsicht total normal

Koblenz, morgens kurz nach vier. Ein Dienstwagen fährt durch die Nacht. Der Fahrer starrt auf die Straße, der Vorstand liest seinen Eifelkrimi, ab und zu grinst er dabei vergnügt. Sein Hauptabteilungsleiter schlummert selig in den Polstern. Uwe Laue, der neue Chef der Debeka, ist unterwegs.

DÜSSELDORF. Anfang des Jahres reist er unermüdlich kreuz und quer durch die Republik zu seinen Vertriebsleuten. Weil er sich bis Karneval ein Alkoholverbot auferlegt hat, übersteht er das unbeschadet. Laue, der vor einem halben Jahr ins Amt kam, hat nur ein Problem: Sein Vorgänger Peter Greisler, der 50 Jahre bei der Debeka war und sie 26 Jahre leitete, hat so viel richtig gemacht, dass Laue nur wenig verbessern kann. Daher ist seine Devise bescheiden: "Ich will das, was gut ist, noch ein bisschen besser machen."

Die Debeka ist der zweitgrößte private Krankenversicherer und einer der größten Lebensversicherer in Deutschland. Sie taucht bei Produktvergleichen häufig auf Spitzenplätzen auf. Ihr Erfolgskonzept: sparsam wirtschaften, den Vertrieb ausbauen und die Finger von Aktien lassen. Mit diesem Rezept wächst sie Jahr für Jahr - auch im Personalstand.

Schon die Zentrale des Konzerns zeigt eine eigentümliche Mischung von Modernität und Tradition. Fast alles ist braun in dem 20 Jahre alten Betonklotz, von den schweren Sesseln bis zum abgetretenen Teppichboden, sogar die Spiegel sind getönt. Schummriges Licht empfängt den Besucher im Foyer, ein riesiges Wandbild mit dunklen Grüntönen vermittelt das Gefühl, ein Aquarium zu betreten.

Die Debeka, das ist der Siegeszug der Provinz. Der Chef schaut von seinem Büro im 15. Stockwerk auf Koblenz mit seinen alten Mauern, neuen Bausünden und den verlassenen Kasernen an der Mosel; hinter den Hügeln fährt der ICE in weitem Bogen an dieser Stadt vorbei.

Hier war es leichter als in Frankfurt oder München, den Börsenboom einfach zu ignorieren. Hier lässt sich Erfolg durch Kontinuität erzielen: Die Strategie bleibt so konservativ wie eh und je. Nur ein paar neue Vertriebsziele hat Laue sich gesetzt: Er will Studenten als Kundengruppe gewinnen und mehr betriebliche Altersvorsorge anbieten.

Laue tritt behutsam in die breiten Fußstapfen seines Vorgängers, der ihn vor 20 Jahren in die Zentrale holte. Vom Typ her könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein: Greisler war ein sympathischer Patriarch mit gelegentlichen Anflügen von Unfehlbarkeit, außerdem auf den ersten Blick ein Genussmensch. Laue dagegen ist schlank, bezeichnet sich als Teamplayer und definiert die Fähigkeit, Kritik zu ertragen, als eine wesentliche Führungsqualität. Er nimmt für sich in Anspruch: "Ich habe hier noch nie herumgebrüllt", und sieht als seine wichtigste Stärke, die ihn auch in den Chefsessel gebracht hat: "Ich bin berechenbar." Er delegiert gern, fragt aber genau nach. "Wenn ich mich über einen Kollegen ärgere, sage ich mir als alter Vertriebsmann: Der hat es noch nicht verstanden", erzählt er.

Laue wirkt beherrscht, aber nicht kühl. Die Gestik verrät die beiden Seiten seines Wesens. Wenn er zuhört, sitzt er zurückgelehnt, mit verschränkten Armen, hält sich an den eigenen Ellbogen fest. Wenn er redet, springen die Hände nach vorn, und der ganze Mann wippt auf dem Stuhl herum.

Laue ist durch und durch ein Normalmensch und passt vielleicht gerade deswegen so gut in den Chefsessel eines Unternehmens, das sich traditionell auf Beamte spezialisiert hat. "Es ist ja modern zu betonen, dass man auch Sport macht", sagt er. Also: Laue fährt Ski und Rad. Ansonsten verbringt er seine Zeit "im Rahmen meiner Möglichkeiten" am liebsten mit der Familie. Die Tochter ist 18, der Sohn 13. Dank schwingt in seiner Stimme mit, wenn er erzählt: "Meine Frau ist immer mit mir gegangen. Das ist ja nicht selbstverständlich, vor allem, wo die Süddeutschen doch so sesshaft sind."

Laue, der keimfreies Deutsch spricht, kommt aus Esslingen. "Wenn es sein muss, beherrsche ich immer noch ein breites Schwäbisch", sagt er, und mit seinem verschmitzten Grinsen sieht er ein bisschen aus wie Cleverle. Vor fast 30 Jahren machte er seine Lehre bei der Debeka in Stuttgart und wurde dort rasch Bezirksleiter im Außendienst. Seit 20 Jahren lebt er am Rhein, einige Jahre in Bonn, die meiste Zeit aber in Koblenz.

Übrigens: Er startete seine Karriere mit mittlerer Reife. "Damals ging das noch", sagt er - heute braucht man dazu Abitur. Auf ganz lange Sicht ändert sich eben doch was bei der Debeka.

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