Der Vorstandsvorsitzender der Kamps AG im Profil: Michael Kern - Der sanfte Sanierer

Der Vorstandsvorsitzender der Kamps AG im Profil
Michael Kern - Der sanfte Sanierer

Erst hat er den Autovermieter Europcar auf die Überholspur geführt. Jetzt soll Kern bei Kamps aufräumen. Er gilt trotz aller Klarheit als ein Mann mit sanftem Führungsstil.

Für die Fotografen ist ganz klar, wer der Star an diesem Morgen ist: Guido Barilla. Auf den charmanten, groß gewachsenen Italiener, der gut einen Dressman abgeben könnte, sind alle Objektive im Konferenzraum des Düsseldorfer Hotels gerichtet.

Aber als der Chairman der Barilla unentschlossen ist, welches Kamps-Produkt er denn in die Kamera halten soll, ist Michael Kern an der Reihe. "Golden Toast is the right one", ruft der Mann mit dem freundlich runden Gesicht aus dem Hintergrund. Und Aufsichtsratsmitglied Guido Barilla folgt dem Rat des Vorstandschefs.

Kern zeigt gleich bei seinem ersten Auftritt auf einer Bilanzpressekonferenz der Kamps AG, dass er sich schon bestens auskennt beim Düsseldorfer Großbäcker. Der 47-Jährige hat in seinen ersten gut 100 Tagen an der Spitze des Konzerns aber nicht nur die Lage analysiert, sondern bereits mit dem Aufräumen begonnen. Die Bilanz für das Jahr 2002 hat er über Sonderabschreibungen konsequent bereinigt. Mit dem Ergebnis, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen rutschte. Doch schon für das kommende Jahr verspricht er "spürbare" und für 2005 "nachhaltige Ergebnisverbesserungen".

Nicht, dass Kern den Fehler machen würde, seinen schillernden Vorgänger Heiner Kamps zu kritisieren, der sein Unternehmen an das Nudelimperium Barilla verkauft hat. Nein, schon die Amtsübergabe ging harmonisch über die Bühne. Kern nahm in den ersten Monaten seiner Amtszeit gerne das Gesprächsangebot von Kamps zur Einarbeitung an, der weiter als Berater für den Konzern tätig ist. Doch nun muss er dem schnell - Branchenkenner sagen viel zu schnell - gewachsenen Unternehmen zügig eine zukunftsfähige Struktur geben.

Der bekennende Rheinländer orientiert sich bei seiner neuen Aufgabe vor allem an "hanseatischen Kaufmannstraditionen", wie er sagt. Qualität kommt für ihn vor Tempo. Und in der Phase der Konsolidierung der Kamps AG legt der promovierte Ökonom zunächst viel Wert auf "solide Handwerksarbeit". Und die weitere Eigenständigkeit der Backsparte innerhalb des Barilla-Konzerns ist ihm wichtig. "Denn ich habe schon bei Europcar viele Freiheiten gehabt", erzählt er und möchte diese in Zukunft nicht missen.

Ausschlaggebend für seinen Wechsel von der Seine - in Paris leitete er die VW-Tochter Europcar International S.A. - an den Rhein war der lange Atem, die langfristige Perspektive eines Familienunternehmens wie Barilla, das sich nicht vom übertriebenen Quartalsdenken börsennotierter Gesellschaften anstecken lässt. "Guido Barilla ist ein Marathonläufer", beurteilt Kern dessen Qualitäten.

In der neuen Branche, die er aus seiner Zeit beim Süßwarenhersteller Mars kennt, fühlt er sich heimisch. "Auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln Anfang des Jahres habe ich viele alte Bekannte getroffen", plaudert Kern. Auch spürt er eine sinnliche Verwandtschaft zur Branche, denn Süßigkeiten und Süßspeisen gilt offensichtlich seine Leidenschaft.

Den Genussmenschen, der gerne mal im Düsseldorfer Traditionslokal "Uerige" einkehrt, verleugnet er nicht. Doch er steht zu den hanseatischen Kaufmannsprinzipien. Wie früher Heiner Kamps, schätzt er spontane Besuche in den Backstuben, um sich selbst ein Bild vom Zustand des Konzerns zu machen.

Eine Erkenntnis: Im Bereich der Handwerksbäckereien verspricht er sich bessere Ergebnisbeiträge durch eine "Optimierung von Verwaltung, Produktion und Shops". Kein Wunder, dass in der Arbeitnehmerschaft von Kamps schon Sorgen über die Zukunft der rund 2 000 Arbeitsplätze in der Sparte laut werden. Konkrete Aussagen kann und will Kern ob der Kürze seiner Amtszeit noch nicht treffen.

Seine grundsätzlich offene Informations- und Unternehmenspolitik kommt im Arbeitnehmerlager von Kamps gut an. Gelobt werden seine vertrauensstiftenden Umgangsformen, die er durch klare und verbindliche Aussagen untermauert. Wohltuend "unkompliziert" sei er, so ein Arbeitnehmervertreter. Trotzdem ahnen die Beteiligten, dass die Neuausrichtung des Großbäckers wahrscheinlich auch Arbeitsplätze kosten wird.

Doch der Mann mit dem sanften Führungsstil will behutsam vorgehen. "Man muss alle Sparmöglichkeiten ausschöpfen, bevor man Personal entlässt", sagt er mit der Erfahrung eines langjährigen Personalmanagers, der schon bei Konzernen wie Mars, Benckiser und Kaufhof arbeitete. Von alten Weggefährten wird er als "netter Kerl" beschrieben, mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde. Ein guter Teamleiter soll er sein, der das Delegationsprinzip optimiert haben soll.

Entspannung sucht er am Wochenende bei ausgedehnten Wanderungen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Und in der Zeit, die noch übrig bleibt, engagiert er sich auch für soziale Projekte wie für die Belange Leukämie-Kranker.

VITA Mchael Kern

Er wird am 16. Juli 1955 in Wuppertal geboren. 1981 promoviert er zum Dr. rer. oec. an der Bergischen Universität Wuppertal. Er arbeitet von 1981 bis einschließlich 1983 bei der Effem GmbH in Minden und wechselt dann zum Schokoriegelhersteller Mars nach Viersen. Dort arbeitet er als Manager im Vertrieb, Verkaufstraining, Personal und in der Öffentlichkeitsarbeit. 1988 beginnt er als Personaldirektor bei Joh. A. Benckiser. Beim Kaufhofkonzern kümmert er sich als Generalbevollmächtigter um Organisationsentwicklung und Personal. Er startet 1995 im Topmanagement des VW-Konzerns und bringt ab 1997 den Autovermieter Europcar wieder in die richtige Spur. Seit Jahresbeginn ist er Vorstandsvorsitzender des Düsseldorfer Backfilialisten Kamps AG. Kern übernimmt während seiner gesamten beruflichen Laufbahn immer wieder zahlreiche Ehrenämter.

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