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Der Vulkan in der Nachbarschaft

Man gewöhnt sich an alles, auch an einen aktiven Vulkan in der Nachbarschaft. Bei klarer Sicht steht Mount St. Helens wie in greifbarer Nähe am nordöstlichen Horizont von Portland.

Man gewöhnt sich an alles, auch an einen aktiven Vulkan in der Nachbarschaft. Bei klarer Sicht steht Mount St. Helens wie in greifbarer Nähe am nordöstlichen Horizont von Portland. Im Mai ist es 25 Jahre her, dass der riesige Berg explodierte und wie es scheint, bereitet er sich auf eine größere Jubiläumsfeier vor. Seit dem 11. Oktober vergangenen Jahres ist Mount St. Helens wieder, wie es das Geologische Amt ausdrückt, in einem konstanten eruptiven Stadium. Der Berg raucht seitdem vor sich hin, unterbrochen von gelegentlichen Dampfexplosionen, in dem riesigen Krater häuft sich ein neuer LavaDom an, der mittlerweile mehrere hundert Meter Höhe erreicht hat und bis nördlich von Seattle und südlich bis Newport in Oregon werden regelmäßig Erdbeben zwischen drei und vier auf der
Richterskala gemessen. Da klappern noch keine Tassen oder fallen Bilder von den Wänden, aber es erregt Aufmerksamkeit. Vor ein paar Wochen schoss eine größere Gasexplosion eine Wolke aus Dampf und Asche über zehntausend Meter in den klaren Abendhimmel über dem Vulkan. Da hing sie dann, von der untergehenden Sonne rosa beleuchtet, wie eine riesige Portion Zuckerwatte, bevor sie langsam nach Nordosten abtrieb.

Mount St. Helens sprüht keine Funken und über seine breiten Flanken ergießen sich keine spektakulären Lavaströme wie bei den Vulkanen auf Hawaii. Heiße Gase drücken Magma und Geröll an die Oberfläche und mischen sie mit schmelzendem Gletscherwasser. Die Explosion des Berges am 18. Mai 1980 löste den größten Erdrutsch der Geschichte aus. Millionen von Tonnen Gesteins und heißen Schlamms rasierten ganze Wälder von den Flanken des Berges, leiteten den Fluss Toutle River an seinem Fuß in eine neue Bahn und warfen Gerölldämme auf, hinter denen sich Seen stauten. In wenigen Stunden entstand eine neue Landschaft, die auch nach 25 Jahren noch einen unwirklichen, urweltlichen Charakter hat. Wen es interessiert: Eine Kamera des USForest Service beobachtet die VulkanAktivitäten nonstop (http://www.fs.fed.us/gpnf/volcanocams/msh/)

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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