Der Weg für die heimischen Anbieter ist frei
Telekom verzichtet auf UMTS-Lizenz in Frankreich

Der Rückzug der Deutsche Telekom AG vom Wettstreit um eine UMTS-Lizenz in Frankreich hat den französischen Telekommunikationsmarkt nicht überrascht. Beobachter waren schon eine Zeit lang davon ausgegangen, dass der Mobilfunk der Dritten Generation in Frankreich voraussichtlich mit vier einheimisch dominierten Konsortien starten würde.

HB PARIS. Diese sind neben France Télécom S.A., die wohl ihre Mobilfunksparte New Orange ins Rennen schicken wird, die Konsortien des Mischkonzerns Vivendi S.A., des Baukonzerns Bouygues S.A. und des Versorgers Suez Lyonnaise S.A.. Letzterer unterhält noch kein Mobilfunknetz, betreibt jedoch Frakreichs größtes Breitbandkabelnetz. Suez hat sich gerade mit dem Investor Bernard Arnault zusammengetan, dem kontrollierenden Aktionär von LVMH. Gemeinsam halten beide 60 % an dem Konsortium ST3G - hier ist laut Suez noch Platz für kleinere Beteiligungen ausländischer Partner. 40 % der Anteile entfallen auf die Téléfonica S.A.

Hinter der UMTS-Bietergruppe um den Bouygues-Konzern, der das kleinste französische Mobilfunknetz betreibt, steht vor allem Telecom Italia SpA. Mitte des Jahres hatte sich Boss Martin Bouygues als Kritiker von Regierungsplänen hervorgetan, bei der Lizenzvergabe eine Versteigerungskomponente einzuführen. Der Protest brachte den Rückzug des Staates auf einen "Schönheitswettbewerb" und eine feste Eintrittsgebühr von rund 5 Mrd. Euro. Die immer wieder kolportierte, jedoch nie beweisene Kapitalknappheit der Bouygues-Gruppe nährte Gerüchte um einen Einstieg der Deutschen Telekom beim Bouygues-Konsortium. Es kam indes nach Handelsblatt-Informationen nur zu informellen Kontakten.

Der durch ein Gerichtsurteil in Großbritannien für jedermann sichtbar gewordene Konflikt von Vivendi und British Telecom Plc. bei der von Vivendi geführten Telefongesellschaft Cegetel und ihrer Mobilfunktochter SFR hat in den vergangenen Tagen zu Spekulationen geführt, der bei Bouygues abgeblitzte Telekom-Vormann Ron Sommer könne könne mit Vivendi-Chef Jean-Marie Messier gemeinsame Sache machen, wenn British Telecom bei Cegetel und SFR aussteigt. Entsprechende Planspiele gab es bei der Telekom, wie aus dem Unternehmen zu erfahren ist. Die offizielle Absage der Deutschen an eine Teilnahme am UMTS-Start in Frankreich macht dieses Szenario unwahrscheinlicher - aber Messier bleibt für eine Überraschung gut.

Über diese vier Gruppen hinaus sind bisher weitere Bewerber nicht in Sicht. Das kontrastiert scharf mit der Einschätzung der nationalen Telekommunikationsaufsicht ART, die noch im Sommer von sieben bis zehn UMTS-Kandidaten ausgegangen war. Doch bekam die ART in der Folgezeit von zahlreichen Interessenten einen Korb. Einige begründeten dies mit den hohen Kosten für Lizenzen anderswo. Andere ließen durchblicken, dass sie es für problematisch hielten, in einem für die französischen Wettbewerber protegierten Markt zu bestehen.

Absagen kassierte die ART unter anderem von KPN/Hutchison/NTT Docomo und von Australiens One.Tel. Finnlands Sonera entschied sich gegen eine Teilnahme am Suez-Konsortium. Dort könnte sich Kanadas Telesystem noch engagieren, nachdem sie eine eigene Kandidatur verworfen hat. Auch Amerikas Telekommunikateure Worldcom, UPC und GTS verloren ihren Gefallen an Frankreichs UMTS-Markt, der - mit Deutschland, England und Italien - zu den großen in Europa gehören wird.

Angesichts der Dominanz der großen heimischen Bewerber habe sich weitere französische Gruppen bisher nicht zu einer Kandidatur für eine UMTS-Lizenz entschließen können. Beispielsweise verneinte die von Arbeitgeberpräsident Ernest-Antoine Seillère geführte Holding Marine Wendel laut Presseberichten, Pläne bei UMTS zu haben. Auch die Staatsbetriebe EDF und La Poste haben sich aus dem Rennen um den Mobilfunk der dritten Generation herausgehalten.

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