Der Weg zum mobilen Internet ist mühsamer als ursprünglich gedacht: Beim Mobilfunk ist langer Atem gefragt

Der Weg zum mobilen Internet ist mühsamer als ursprünglich gedacht
Beim Mobilfunk ist langer Atem gefragt

Die Aktienkurse der großen Telekom-Konzerne fallen. Eine schnelle Trendwende ist, so scheint es, nicht in Sicht. Mit UMTS soll es wieder bergauf gehen. Fest steht: Das mobile Multimedia-Geschäft entwickelt sich nicht so schnell wie geplant. Investoren brauchen einen langen Atem.

Die goldenen Zeiten hoher Wachstumsraten im Mobilfunkmarkt gehen zu Ende. Mit rund 58 Millionen Kunden zum Jahresende 2001 und einer Marktdurchdringung von 70 Prozent nähert sich der Mobilfunkmarkt der Sättigungsgrenze. Netzbetreiber und Kunden stellen sich zurzeit nur eine Frage: Quo vadis Mobilfunk - wohin geht die Reise?

Vor gut eineinhalb Jahren wurden in Deutschland rund 50 Mrd. Euro für neue Mobilfunklizenzen ausgegeben. Noch steht keines der neuen Netze, doch die Erwartungen an den Erfolg sind erheblich. Wegen des hohen Finanzdrucks ist ein schneller Breitenerfolg von UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) von zentraler Bedeutung. Die Branche ist sich uneins darüber, wann sich UMTS als Massenmedium etabliert haben wird.

UMTS-Erfolg wird später erwartet

Machten anfänglich Expertenschätzungen von 2003/2004 die Runde, ist man inzwischen wesentlich zurückhaltender. Nach Einschätzung von Mercer Management Consulting wird sich der UMTS-Erfolg später einstellen als ursprünglich angenommen: Massenmarkttauglich wird UMTS nicht vor dem Jahr 2006. Bis dahin bleibt der Sprachverkehr die Haupteinnahmequelle für Mobilfunkbetreiber.

Etabliert sich UMTS erst sehr spät, könnte das Festnetz einer der größten Verlierer der 3. Mobilfunkgeneration sein. Je länger UMTS auf sich warten lässt, desto größer wird auch der Druck auf das Festnetz werden, da als einzig schnell erreichbare Umsatzquelle für UMTS-Neueinsteiger die Sprachtelefonie zur Verfügung steht, die sie über Preissenkungen erschließen werden. Nur ein rascher UMTS-Markterfolg wird verhindern, dass Sprachverkehr in großem Ausmaß in mobile Netze abwandert und die Festnetzbetreiber unter Zugzwang geraten.

Mit hohem Erfolgsdruck arbeiten die UMTS-Betreiber derzeit an der Entwicklung neuer Dienste und Diensteplattformen rund um die Themen Mobile Internet, Mobile Commerce, Mobile Banking und Mobile Gaming. Doch die Suche nach der "Killer-Applikation" für UMTS wurde inzwischen aufgegeben.

Über mobile Portale sollen die Inhalte gebündelt und den Kunden angeboten werden. Für die Betreiber erfordert das Inhaltegeschäft neue Kompetenzen.

Sowohl der Aufbau eines eigenen Content-Geschäfts als auch Kooperationen mit erfahrenen Partnern sind riskant und erfordern hohe Investitionen, denn die nötigen Kompetenzen zur Generierung von Inhalten, ihrer Aufbereitung, Verwaltung und Vermarktung weichen fundamental vom bisherigen Kerngeschäft ab. Wer letztlich vom Verkauf der Inhalte profitieren wird, ist heute noch offen. Unterschiedliche Erlösmodelle sind denkbar. Eines ist jedoch sicher: Die Mobilfunkbetreiber werden sich die Einnahmen mit den Inhalteanbietern teilen müssen.

Endgeräte sind von grosser Bedeutung

Ein weiteres Schlüsselelement für die Entwicklung des UMTS-Marktes stellen die Endgeräte dar. Die mangelhafte Verfügbarkeit von Endgeräten hemmte in der Vergangenheit das Wachstum des Mobilfunkmarktes. Im Vergleich zu GSM (Global System for Mobile Communications) wird das Endgerätethema eine wesentlich geringere Bedeutung haben.

Wurde bei GSM die Endgerätewelt von einer Hand voll Herstellern dominiert, die den Weltmarkt unter sich aufgeteilt haben, wird es bei UMTS erheblich mehr Endgerätehersteller geben. UMTS wird eine Vielzahl von unterschiedlichen Endgerätetypen hervorbringen, deren Hersteller nicht nur aus dem Mobilfunkmarkt, sondern auch aus dem PC-, Spielkonsolen- und Unterhaltungselektronikmarkt kommen. Gleichwohl wird die Polarisierung des Endgerätemarktes in Low-Tech- und High-Tech-Endgeräte weiter zunehmen. Bei UMTS wird sich der Kunde auch daran gewöhnen müssen, je nach Kommunikationssituation, mehrere mobile Endgeräte zu nutzen.

Der Aufbau der UMTS-Netze und die Entwicklung neuer Dienste stellen bereits erhebliche Herausforderungen für die Mobilfunkbetreiber dar. Zu allem Überfluss keimt nun auch eine Diskussion um neue Konkurrenzfelder auf.

Das seit einigen Jahren in der Mobilfunkszene diskutierte Geschäftsmodell der Mobile Virtual Network Operators (MVNO), das es auch ohne Erwerb einer Mobilfunklizenz ermöglicht, mit den lizenzierten Netzbetreibern in Wettbewerb zu treten, bekommt in Bezug auf UMTS neue Konturen. Mögliche MVNO, wie etwa Medien- oder Einzelhandelsunternehmen mit einer großen Kundenbasis, sollen Netzbetreibern bei der Erweiterung ihrer Kundenbasis helfen. Wir sind aber überzeugt davon, dass dieser Ansatz nur wenig Erfolg versprechend sein wird.

Zum einen nähert sich die Mobilfunkpenetration der Sättigungsgrenze, so dass Kunden von potenziellen MVNO bereits auch Kunden der heutigen Mobilfunkbetreiber sind und sich somit nur über Verdrängungswettbewerb abwerben lassen.

Zum anderen verfügen die Netzbetreiber über gut eingeführte Markennamen. Außerdem dürfte es branchenfremden MVNO-Aspiranten schwer fallen, die nötige Mobilfunkkompetenz zu vermitteln. Lediglich für UMTS- Neueinsteiger ohne Kundenbasis und eingeführte Marke können MVNO ein Vehikel zur schnellen Markterschließung sein.

LAN größte Gefahr für UMTS

Glaubt man einigen Marktauguren, so geht von der Wireless LAN-Technologie die größte Gefahr für UMTS aus. In den USA wurden bereits Hunderte von Hot-Spots, wie Hotels und Flughäfen, mit der drahtlosen Zugangstechnologie für Breitbandanwendungen ausgerüstet. Führende Marktanalysten prognostizieren dieser Technologie auch in Europa rosige Zeiten mit hohen Wachstumsraten. Diese Funktechnik reicht bis maximal 150 Meter und weist das Fünffache der maximalen UMTS-Übertragungsrate auf.

Darüber hinaus können Wireless LAN zu erheblich geringeren Kosten errichtet und betrieben werden. Allerdings sind sie im Gegensatz zu Mobilfunksystemen auf stationäre Anwendungen ausgelegt und verfügen derzeit noch über unzureichende Verschlüsselungsmechanismen. Doch stehen Public Wireless LAN nur in einem kleinen Teilsegment in Konkurrenz zu UMTS und stellen daher nur ein sehr eingeschränktes Risiko für UMTS-Betreiber dar. Klar ist aber auch, dieses Bild könnte sich jedoch dann ändern, wenn UMTS spät und nur mit eingeschränkten Leistungsmerkmalen startet.

Mobile Datendienste bieten das Potenzial dafür, dass UMTS-Netzbetreiber die Investitionen in die UMTS-Netze zurückverdienen. UMTS-Betreiber sollten sich auf Dienste fokussieren, die viel Verkehr in ihren Netzen verursachen. Gute Dienste aus Sicht der Betreiber sind Dienste, für die der Kunde bereit ist, Geld zu bezahlen.

Martin Gauer, Partner und Mobilfunkexperte der internationalen Unternehmensberatung Mercer Management Consulting, München.

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