Der Weg zurück zu alter Stärke ist noch weit
Deutsche Bank muss sich noch beweisen

Hausaufgaben gemacht, Umbau weitgehend abgeschlossen, nun geht es aufwärts - das ist die Bilanz, die die Deutsche Bank nach knapp einem Jahr unter dem Schweizer Josef Ackermann zieht.

FRANKFURT/M.An der Börse spiegelt sich diese Aufbruchstimmung aber noch nicht wider: Zwar hat der Aktienkurs seit dem Tiefstand Anfang März dieses Jahres stolze 47 % zugelegt, doch liegt er immer noch um 60 % unter dem Kurs, als Ackermann sein Amt antrat. Und auch innerhalb Europas läuft die Deutsche Bank den Rivalen hinterher, was eventuelle Annäherungsversuche im Keim erstickt.

Dabei geben die Zahlen des ersten Quartals Anlass zur Hoffnung: Obwohl die Deutsche wegen vieler für die Bank gerne außerordentlicher, aber eigentlich ordentlicher Faktoren mit dem dritten Verlust in Folge aufwartet, hat sie in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres erstmals ohne milliardenschwere Beteiligungsverkäufe ein achtbares Ergebnis zu Stande gebracht. Mut machen vor allem die operativen Zahlen, wenn man bedenkt, dass sich die Deutsche im Laufe des vergangenen Jahres aus vielen zinsträchtigen Geschäftsfeldern wie zum Beispiel dem Hypothekengeschäft zurückgezogen hat.

Aber die Erholung auf der Ertragsseite ist bei weitem nicht so nachhaltig, wie die Bank sie gern hätte. Vielmehr basieren die Quartalszahlen einmal mehr auf dem - bei der Deutschen Bank sicherlich weniger als bei anderen Banken - volatilen Kapitalmarktgeschäft. Gut ein Drittel des Vorsteuerergebnisses steuert der Handel mit Anleihen bei. Das geht gut, solange die Märkte mitspielen und die Bank auf alles die richtige Antwort hat.

Genau hier muss die Bank aber ansetzen, um Investoren und Analysten zu überzeugen. Die Nachhaltigkeit der Erträge muss verbessert werden, denn von Außerordentlichem kann die Bank nicht mehr leben. Die stillen Reserven aus den Beteiligungen haben sich dank des Börsenaufschwungs zwar gebessert, doch liegen die Marktwerte mit 5,2 Mrd. Euro nur leicht über den Buchwerten von 4,85 Mrd. Euro.

Stabile Erträge könnte vor allem das Privatkundengeschäft liefern. Doch hat die Sparte "Private Kunden und Vermögensverwaltung" (PCAM), die sich 2002 gut entwickelt und seit langem die Investmentbanker wieder hinter sich gelassen hat, im ersten Quartal den Erfolg nicht bestätigen können. Erfreulich ist, dass die Aufwand-Ertragsrelation von 90 % auf 81 % gesunken ist.

Leider hat die Bank die optimale Struktur von PCAM noch nicht gefunden und verwirrt Analysten mit endlosen Umbauten. Die notwendige Transparenz fehlt. Analysten bemängeln vor allem die bilanztechnische Zusammenlegung des Private Wealth Management (besonders Wohlhabende) und des Asset Management, da der Ausweis der guten Zahlen des gehobenen Privatkundengeschäfts verwässert würde. Vor allem die Schweizer Konkurrenz der Deutschen Bank, die UBS, zeigt derzeit mit ihren schwerreichen Kunden sehr stabile Erträge.

Nachhaltigkeit beweist die Deutsche zwar noch nicht bei den Erträgen, dafür beim Kostenmanagement und der Eindämmung der Risikovorsorge. Mit eiserner Disziplin achtet Ackermann auf die Kosten, ohne zu tief in das Fleisch der Bank zu schneiden. Und die Risikovorsorge ist zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen und liegt weit unter den Rekordständen vom September 2002.

Die Analysten scheinen zufrieden: Credit Suisse First Boston hat die Deutsche von neutral auf outperformer hochgestuft - trotz der Kursrally in den letzten Wochen.

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