Der Wettlauf um die Kunden beginnt
Firmenkundengeschäft der Banken im Internet kommt erst langsam in Gang

Bislang waren es hauptsächlich die Privatkunden, die die Banken durch immer ausgefeiltere Internet-Angebot an sich binden wollen. Jetzt rücken zunehmend die Firmenkunden in den Fokus. Doch unabhängige Portale sind auf gutem Weg, den Großbanken Kunden abzujagen.

FRANKFURT/M. Heute hält Treasurer Eberhard Hengst die Trumpfkarte in der Hand: Er setzt sich vor den Computer, tippt seine Wünsche für den neuen Finanzierungsvertrag für sein 300 Mill. DM-Umsatz-Unternehmen ein, nennt seine Wunsch-Banken und startet die Ausschreibung. Dann sieht er Tage später, wie sich die Banken gegenseitig unterbieten, wählt die beste aus und schließt den Vertrag ab. Früher hat das Hengst, Leiter der Finanzbuchhaltung der Carl ein international aufgestellter Mittelständler in der Fertigungsmesstechnik, mehrere Stunden am Telefon und viel Verhandlungsgeschick gekostet - ohne dass das Ergebnis so günstig gewesen wäre wie in der Internet-Ausschreibung. "Die Konditionen sind besser, der Arbeitsaufwand geringer und die Transparenz des Marktes ist gestiegen", nennt Hengst als Vorteile der Internet-Ausschreibung.

Banken geraten durch Internet-Ausschreibungen unter Druck: ihre Margen sinken. BFinance ist einer der Anbieter für Ausschreibungsplattformen im Internet. Das Mitte 1999 gegründete Start-Up mit weiteren Portalen in Frankreich, Großbritannien und Schweden, konzentriert sich zurzeit auf Leasing, Factoring und Asset Management. Ausschreibungen für Cash Management, Exportfinanzierung und Kreditprodukte sollen folgen, kündigte Deutschland-Manager Albrecht von Alvensleben an. "Das ist die übernächste Generation des Firmenkundengeschäfts im Internet", sagt Jürgen Werner, Manager der E-Business-Division der Deutschen Bank. Die Großbanken hingegen finden erst jetzt den Weg ins Internet: Dresdner Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und Deutsche Bank sind seit Sommer an den Start gegangen. Noch ist die Produkpalette überschaubar: Die Deutsche Bank etwa arbeitet noch an internationalen Cash-Pooling-Lösungen, um Firmenkunden künftig das zentrale Management weltweiter Konten zu ermöglichen. Noch sind auch Filialen, Call Center und Internet nicht miteinander vernetzt.

Die Hypo-Vereinsbank konzentriert sich auf die Finanzplanung. Im Netz stehen bei den Banken bisher nur "einfache" Produkte wie der Zahlungsverkehr, Festgelder und Liquiditätsmanagement, manchmal auch Broker-Services. Zwar gewähren die Banken auf ihren Internet-Portalen Preisvorteile, doch meist nur im Promille-Bereich. Setzen sich tatsächlich Ausschreibungs-Portale im Markt durch, kommen die Margen der Banken durch die höhere Transparenz unter Druck - doch die Effizienz steigt, weil keine individuellen Angebote per Telefon verhandelt werden, sondern der Automatisierungsgrad erhöht werden kann.

BFinance schätzt das Marktvolumen im europäischen Markt für nicht an Börsen gelistete Finanzprodukte auf jährlich 7,5 Bill. Euro. Banken generierten in diesem Markt pro Jahr 421 Mrd. Euro Erlöse.

Noch ist der Wettbewerb völlig offen: Erst einige tausend Unternehmen sind laut Forit im Netz. Die Deutsche Bank etwa rechnet mit 5 000 Firmen bis Ende 2001. Bei BFinance haben sich in Europa erst 700 Firmen registriert. Die Trauben hängen hoch, sind aber sehr süß: Bis 2004 können deutsche Banken drei Mrd. Euro Einsparpotenzial im Firmenkundengeschäft realisieren, vorausgesetzt standardisierbare Produkte werden über das Internet angeboten, schätzen die Marktforscher von Forit.



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