Der Wind ist einer ihrer stärksten Gegner
Ein Leben als Superstar

Franziska van Almsick hatte immer Probleme, mit dem großen Druck umzugehen - heute will sie endlich Olympiagold holen.

ATHEN. Der Wind ist ein Problem. Er weht heftig durch den Pool des Olympia-Schwimmzentrums in Athen, im Wasser bilden sich Wellen. Franziska van Almsick muss sich erst daran gewöhnen, im Vorlauf über 200 Meter Freistil. Zwar zieht sie ins Halbfinale und am Abend mit der sechstschnellsten Zeit auch ins Finale ein, aber was wäre gewesen, wenn nicht? Wenn die Katastrophe passiert wäre? Wenn sie im Vorlauf ausgeschieden wäre? "Dann", sagt sie, "wäre ich gestorben."

Denn für van Almsick zählt nicht das Erreichen eines Finales, für sie zählt nur der Olympiasieg über 200 Meter Freistil. Der grandiose Triumph auf jener Strecke, auf der sie 1994 Weltmeisterin wurde, zwei olympische Silbermedaillen holte und zweimal Weltrekord schwamm. "Ich will Gold", hat die 26-Jährige aus Berlin vor den Olympischen Spielen gesagt. Heute Abend um 18.41 Uhr gilt es: Etwa 1:57, 1:59 Minuten später wird feststehen, ob Franziska van Almsick ihren größten Triumph erreicht hat. Oder ob sie "der Arsch der Nation ist". So hat sie das selber formuliert. Denn Franziska van Almsick schwimmt nie nur für sich. Sie schwimmt für Deutschland, sie hat Erwartungen zu erfüllen.

Bisher ist sie bei diesen Olympischen Spielen schlecht geschwommen. In der 4-x-100-m Freistil-Staffel war sie Schlussschwimmerin, ist als Drittplatzierte ins Wasser gesprungen und als Vierte angekommen. Der Druck auf sie muss grausam sein. Sie ist jetzt 26, aber sie hat immer noch nicht wirklich gelernt, damit umzugehen.

Franziska van Almsick wird öffentlich in Rollen gepresst, die wenig mit ihr zu tun haben. Als Jugendliche war sie die kesse Göre und Senkrechtstarterin. Oder die arrogante Jung-Millionärin. Heute gilt sie als attraktiver Superstar. Oder als übergewichtig und trainingsfaul.

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